Agile Ausbildung bei DATEV mit Uwe Ritthammer – IT-Berufe-Podcast #153

Über die Agile Ausbildung bei DATEV in Nürnberg spreche ich mit Uwe Ritthammer in der einhundertdreiundfünfzigsten Episode des IT-Berufe-Podcasts.

TL;DR

Im Gespräch mit Uwe Ritthammer habe ich das agile Ausbildungskonzept der DATEV kennengelernt: Als IT-Azubi lernst du in zweitägigen Modulen, deren Inhalte an dein Vorwissen angepasst werden. Dabei arbeitest du mit einem Backlog und übernimmst schrittweise Aufgaben aus Scrum, während du dein Wissen bereits im Fachbereich einbringst. Durch regelmäßiges Feedback und Retrospektiven entwickelst du deine Arbeitsweise weiter; dein:e Ausbilder:in passt die Module anhand der Rückmeldungen an. Die Anforderungen des Ausbildungsrahmenplans werden dabei fortlaufend mit den behandelten Inhalten abgeglichen.

Kapitelmarken

  • [00:00:00] Einstieg in die agile Ausbildung
  • [00:01:27] Uwe Ritthammer und die Ausbildung bei DATEV
  • [00:04:34] Uwes Weg von der Softwareentwicklung zur Ausbildung
  • [00:07:15] Programmiersprachen bei DATEV
  • [00:10:10] Agile Werte und der Ausbildungsrahmenplan
  • [00:14:02] Individuelle Ausbildungspläne und die Anforderungen der Beteiligten
  • [00:17:09] Scrum als Grundlage und der Blick auf EduScrum
  • [00:18:45] Warum DATEV die IT-Schulungen verändert hat
  • [00:21:26] Zweitägige Module mit Backlog und Retrospektive
  • [00:23:13] Algorithmen und User-Stories am Beispiel Kniffel
  • [00:25:16] Selbsttest und Gruppen mit ähnlichem Vorwissen
  • [00:27:07] Von Programmierlogik bis zu Vererbung und Interfaces
  • [00:29:13] Erfahrungen mit Lerntempo und Selbstständigkeit
  • [00:31:12] Wie sich das Feedback der IT-Azubis verändert
  • [00:34:52] Module durch kurze Feedbackzyklen verbessern
  • [00:36:46] Gemeinsame Grundlagen für verschiedene IT-Berufe
  • [00:39:02] Das Backlog am Board und die Rolle des Product Owners
  • [00:40:21] Scrum-Rollen übernehmen und eine Projektwoche durchführen
  • [00:42:10] Das Gelernte im Fachbereich anwenden
  • [00:43:19] Aufgaben der Ausbilder:innen und das Gewöhnen an die Methode
  • [00:46:13] Lernstand durch Feedback begleiten
  • [00:48:31] IHK-Aufgaben in den Modulen
  • [00:49:57] Module vorbereiten und passende Lernmedien auswählen
  • [00:53:12] Human Resource Machine und Project Euler
  • [00:55:53] Inhalte mit dem Ausbildungsrahmenplan abgleichen
  • [00:58:13] Abschlussprojekt und gegenseitiges Feedback
  • [01:00:28] Wie das agile Ausbildungskonzept entstanden ist
  • [01:03:00] Buchempfehlung: von Kopf bis Fuß
  • [01:04:48] Kontakt zu Uwe Ritthammer
  • [01:05:57] Das Konzept an den eigenen Betrieb anpassen
  • [01:06:59] Anregungen für die eigene Ausbildung und Shownotes

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Inhalt

Allgemeines zur Person

  • Wie ist dein Name und wo arbeitest du?
    • Ich bin Uwe Ritthammer und ich komme aus dem schönen Nürnberg in Franken (nicht Bayern! ;-))
    • Ich arbeite bei DATEV. Wir entwickeln u.a. Software für Steuerberater. Wir haben ca. 8.000 Mitarbeiter, darunter 200 Azubis und Duale Studierende.
    • In meiner Abteilung sind wir mit insg. 8 Personen für die Ausbildung zuständig. Wir übernehmen das volle Programm inkl. Marketing, Recruiting, Betreuung und Übernahme.
    • Der IT-Bereich überwiegt bei uns. Ca. 65% der Azubis arbeiten in der IT, der Rest ist kaufmännisch unterwegs, aber es gibt u.a. auch Dialogmarketing.
  • An welchen Projekten arbeitest du zur Zeit in deinem Tagesjob?
    • Ich arbeite operativ mit den Azubis. Ich bin seit 2018 Ausbildungleiter und habe seitdem leider etwas weniger Zeit für aktive Zusammenarbeit.
  • Wie bist du zur Informatik bzw. Softwareentwicklung gekommen?
    • Ich habe schon als Kind gerne Computerspiele gespielt. Ich bin über Atari 2600, C64 und Amiga 500 zur Programmiersprache BASIC gekommen. Außerdem habe ich Assembler und C programmiert.
    • Dann habe ich eine Ausbildung zum Datenverarbeitungskaufmann gemacht und nachher noch studiert.
    • Zur Ausbildung bin ich über meine Berufspraxis gekommen. Dort habe ich lange Zeit IT-Schulungen durchgeführt.
  • Welche Ausbildung bzw. welches Studium hast du im Bereich der Informatik absolviert?
    • Ich habe klassisch Informatik studiert mit Schwerpunkt Wirtschaft.
  • Mit welchen Programmiersprachen arbeitest du im Alltag?
    • Wir entwickeln klassischerweise Windows-Anwendungen, daher hauptsächlich C#. Aber das wird weniger und wandert ins Web. Dort bin ich mit Java unterwegs. Auch die üblichen Frameworks wie Bootstrap zusammen mit JavaScript setze ich ein. Ich habe aber auch mal COBOL auf dem guten alten Mainframe entwickelt.
  • Was ist deine Lieblingsprogrammiersprache und warum?
    • C! Privat nutze ich gerne Linux und hacken geht mit C dort sehr gut. Dafür nehme ich sogar die möglichen Speicherlecks in Kauf.

Agile Ausbildung

  • Wie ist die Idee zur agilen Ausbildung entstanden?
    • Wir haben das agile Manifest auf die Ausbildung übertragen. Dessen Werte fanden wir sehr passend: Individuen über Prozesse, funktionierende Software über Dokumentation, Zusammenarbeit über Vertragsverhandlungen, Reaktion auf Veränderungen über Verfolgen eines Plans.
    • Der Ausbildungsrahmenplan der IHK steht dem nur scheinbar genau gegenüber. Die Berufsbilder sind seit 1997 recht technologieunabhängig formuliert. Der Rahmen wurde zwar vorgegeben, kann aber gedehnt werden. Auch nach 20 Jahren sind die Inhalte noch aktuell.
    • Dieser Rahmen ist daher gar nicht so starr wie er scheint. Wir können uns frei bewegen innerhalb der Grenzen.
    • Es gibt dafür sogar einen eigenen Paragraphen: man kann vom Rahmen abweichen, wenn dies notwendig oder sinnvoll ist. Das Berufsbild gibt nur die Mindestanforderungen vor.
  • Wie funktioniert die agile Ausbildung genau?
    • Das ist an der Organisation der Ausbildung ersichtlich. Es gibt keinen festen Durchlaufplan mehr (z.B. 5 Wochen Buchhaltung usw.), sondern die Azubis lernen agiler. Der Durchlaufplan wird nun für jeden Azubi individuell festgelegt und der Plan wird iterativ angepasst.
    • Wir hatten z.B. einen Azubis, der die kaufmännischen Inhalte zunächst als störend empfand und der einfach hacken wollte. Darauf konnten wir flexibel reagieren.
    • Das Ganze haben wir aufgezogen wie ein agiles Projekt. Zunächst haben wir evaluiert, wer unsere Stakeholder sind.
      • IHK -> Gibt das Berufsbild vor.
      • Azubis -> Wollen eine gute Ausbildung bekommen und viel lernen.
      • DATEV -> „Kunde“ der zukünftigen Mitarbeiter.
  • Wie genau sieht die agile Ausbildung denn nun aus?
    • Wir sind angefangen mit den Schulungen für die IT-Azubis. Aktuell benötigte Anforderungen des Unternehmens wurden über die Schulen nicht abgedeckt. Dort wird immer noch das gleiche gelehrt wie vor 20 Jahren. Und Microsoft Office hat einfach nichts mit Informatik zu tun!
    • Daher hat DATEV einen hohen Initialaufwand, um junge Leute auf ein Level zu heben, das für die aktive Mitarbeit im Projekt reicht. Daher haben wir schon immer viel Schulungsaufwand gehabt.
    • Aber 2 Wochen C++ am Stück sind z.B. zu viel für viele Azubis. Daher haben wir die Schulungen „agilisiert“ und leichter verdaulich gemacht.
    • Der Kern der agilen Ausbildung sind Zwei-Tagesmodule, die aufeinander aufbauen. Sie haben ein einheitliches Muster. Die Schulungsinhalte stehen z.B. im „Backlog“. Ein Daily Standup gehört direkt dazu. Beim ersten Treffen wird u.a. das Vorwissen der Teilnehmer abgeklärt/abgeglichen.
    • Die Schulungen starten zu Beginn oft mit einem Rechercheauftrag. Kleine Teams (meist 2 Leute) bleiben zusammen, z.B. für diese Recherche oder ein Pair Programming.
    • Dann gibt es eine Mini-Projektaufgabe zum Umsetzen, oft z.B. Spiele für Algorithmen. Kniffel bietet sich dabei an („kleine Straße“ erkennen usw.). Das Spiel wird auch wirklich einmal gespielt, um dann User Stories daraus abzuleiten. Wie in einem echten Projekt!
    • Dann kommt die Umsetzung am Computer und eine Retrospektive am Ende jedes Bausteins. Dort klären wir u.a. was wir (Dozenten und Azubis) besser machen könnten?
  • Was ist denn euer „Einstiegsbaustein“ zu Beginn der Ausbildung?
    • Es gibt einen „Selbsttest“, um den individuellen Stand der Azubis zu erfassen, z.B. in den Bereichen Coding, Java, Struktogramme verstehen, Reihenfolge von Algorithmen.
    • Am Ende gibt es dann Feedback: Wo stehen die Teilnehmer? Dann werden homogene Gruppen gebildet, die in einem gleichen Lerntempo arbeiten können. Heterogene Teams funktionieren nicht so gut, weil Fortgeschrittene Fehler der Schlechten einfach korrigieren.
    • „Logik der Programmierung“ ist dann der der erste „echte“ Baustein. Er ist ein Pflichtteil oder optional, je nach Azubi und dessen Kenntnisstand.
    • Die Bausteine bauen alle aufeinander auf. Im Standup wird immer der letzte Baustein reflektiert.
    • Es geht weiter mit Datentypen, Algorithmen, Objektorientierung, Vererbung usw. (insg. 6 Monate).
  • Wie gut funktioniert dieses Vorgehen?
    • Wir fragen uns oft, ob wir noch Zeit sparen können oder ob es nicht schneller oder mit weniger Aufwand gehen könnte.
    • Die Azubis legen ein hohes Tempo vor nach der Anpassung an Scrum. Sie gewinnen an Selbstständigkeit. Gerade bei abstrakten Themen wie Vererbung sind die Schulungen fast ein Selbstläufer.
    • Die Azubis lernen das Lernen. Im letzten Block halten sie die Scrum-Meetings schon selbst. Sie verinnerlichen die Scrum-Methodik einfach.
    • Anhand der Retrospektive (1h Feedback am zweiten Tag) sieht man die Verbesserung der Azubis. Aus „Der Kaffee war gut“ und „Die Logik war mir zu technisch“ werden über die Zeit deutlich sinnvollere Kommentare und echte Anregungen und Bewertungen.
    • Die Azubis sind sehr „getriggert“ durch die Schule. Eine Aufgabe gemeinsam zu lösen und auch die eigene Selbstständigkeit müssen erst trainiert werden.
    • Es werden auch komplett andere Inhalte und fachliches Feedback von den Azubis eingebracht, z.B. SQL Island oder mehr eigene Präsentationen.
  • Wird das Feedback direkt in die nächsten Bausteine eingebaut?
    • Wir haben meist mehr als drei Azubis in einer Gruppe, oft ca. 10 Leute.
    • Ein Baustein wird 3x mit unterschiedlichen Gruppen gemacht, also können wir sogar direkt das Feedback für die nächste Gruppe einfließen lassen.
    • Die Azubis bekommen mit, dass die Dozenten wirklich Feedback wollen und sich verbessern möchten und liefern dann auch konstruktives Feedback.
  • Läuft die agile Ausbildung für alle IT-Berufe gleich ab?
    • Erstmal ja, aber nur bis zu einem gewissem Grad.
    • Die Kernqualifikationen der IT-Berufe sind ja überall gleich.
    • Später werden die Berufe dann getrennt nach ihren Schwerpunkten, z.B. gibt es kein UI-Design für FISIs.
  • Wie sieht das Vorgehen bezogen auf ein konkretes Beispiel aus (z.B. „Einführung in relationale Datenbanken“)?
    • Solche Themen werden als einzelne Bausteine geplant und durchgeführt.
  • Welche konkreten Methoden (z.B. Daily Scrum, Kanban Board) werden eingesetzt und warum?
    • Wir haben ein Kanban-Board mit Karten der Lernthemen.
  • Wie und wann wird das Erreichen der Lernziele kontrolliert?
    • Es gibt permanentes Feedback während des Bausteins, z.B. live im Code. Außerdem gibt es Fragen während des Codings.
    • Am Ende einiger Bausteine gibt es auch Feedback der Dozenten für einzelne Azubis.
    • Wir führen keine schriftlichen Tests durch, da man die ja auch korrigieren müsste.
    • Die IHK-Prüfungsergebnisse geben unserem Vorgehen recht. Unsere Azubis schneiden fast immer überdurchschnittlich ab.
    • Auch später im Fachbereich gibt es eine offene Feedback-Kultur.
    • IHK-Aufgaben werden einfach in die Bausteine integriert.
  • An welchem Prozess orientiert sich die agile Ausbildung grundsätzlich (z.B. Scrum)?
    • Ja, an Scrum, da es auch bei DATEV im Fachbereich etabliert ist.
    • Das Mindset passt auch einfach gut zur Ausbildung.
    • Wir haben uns auch EDUScrum angeschaut, das Scrum in die Schulen bringt inkl. Artefakte usw.
  • Nehmen die Azubis während der Ausbildung besondere Rollen (z.B. Product Owner) ein?
    • Der Dozent ist Product Owner der Ausbildung. Er priorisiert die Lerninhalte für DATEV.
    • In späteren Bausteinen werden die Rollen von den Azubis eingenommen, zu Beginn ist der Dozent Scrum Master und Product Owner zusammen.
    • Das Ganze gipfelt in einer Projektwoche, in der die Rollen durchgespielt werden. Da gibt es einen Wettbewerb gegen andere Gruppen. Es wird ein „echtes“ Projekt umgesetzt.
  • Woher wissen die Azubis, was sie wann lernen müssen/sollten?
    • Der Ablaufplan wird von DATEV vorgegeben.
  • Wie und wie oft erfolgt eine Betreuung durch die Ausbilder?
    • Es gibt zwei Tage Schulung und dann drei Tage Fachbereich schon während der Einführung (6 Monate).
    • Während der Schulung betreut der Dozent die Azubis als Coach.
    • Es werden verschiedene Rollen eingenommen. Es gibt einen Mix aus Schulung und Eigenarbeit, je nachdem was der Einzelne gerade braucht.
  • Funktioniert der Ansatz bei allen Azubis oder gibt es auch Azubis, die „klassisch“ ausgebildet werden?
    • Bislang hat es immer agil geklappt. Manchmal dauert es aber länger. FIAEs sollten das aber können, sonst ist es der falsche Beruf.
  • Welche Ressourcen werden den Azubis für das selbstständige Lernen bereitgestellt?
    • Das Internet, die App Human Resouce Machine (EVA-Prinzip), viele kostenlose Inhalte, ggfs. auch kostenpflichtige Inhalte.
    • Project Euler verfolgt z.B. den Gamification-Ansatz.
    • Letztlich ist das alles aber individuell je nach Azubi.
  • Welche Medien werden in der Ausbildung eingesetzt (z.B. Bücher, Podcasts, Videos, Präsenzveranstaltungen)?
    • Für jeden Baustein gibt es eine Lernzielplanung: Wie misst man den Erfolg? Was soll man lernen? Und auch: Welche Medien werden eingesetzt?
    • Das ganze ist stundenweise gegliedert, u.a. nach Erfahrung, z.B. ERM dauert 3h.
    • Der Dozent macht sich Gedanken, wie man die Inhalte gut vermitteln kann. Spontan genutzte Medien werden auch gesammelt für das nächste Mal.
    • Die Azubis haben auch schonmal eigene Lernvideos gedreht, aber die Outtakes waren das Beste daran.
    • Auch wenn man sagt „teaching is learning twice“, verwenden wir hauptsächlich Inhalte, die es schon gibt, und erstellen weniger eigene Inhalte.
  • Wird der gesamte Ausbildungsrahmenplan in-house abgedeckt?
    • Die Mindestinhalte müssen halt einfach vermittelt werden, egal ob klassisch oder agil.
    • Das Berichtsheft hilft an der Stelle, um zumindest einen Eindruck zu bekommen, wem noch was fehlt.
    • Falls etwas fehlt, sollte das eigentlich im regelmäßigen Feedback auffallen. Und DATEV ist so groß, dass wir die Vermittlung dann schon organisiert bekommen.
  • Wie werden die IHK-Abschlussprojekte eingebunden?
    • Die Azubis sind zu dem Zeitpunkt schon im Fachbereich unterwegs und machen normal ihre Projekte.
    • Azubis präsentieren die Ergebnisse auch untereinander und geben sich Feedback. Das läuft dann immer noch recht „agil“, aber nicht mehr als Teil der agilen Ausbildung.
  • Wie fängt man an, wenn man seine Ausbildung agil(er) gestalten will?
    • Unser erster Baustein war zum Thema Datenbanken. Der Inhalt war bereits da, er war nur ohne Scrum geplant. Darauf haben wir aufgesetzt.
    • Mein Kollege war Scrum Master und wir haben zusammen die Bausteine „agilisiert“. Dazu haben wir uns im Kreativraum eingeschlossen und nach einem Tag hatten wir ein Grobkonzept. Danach haben wir dann ca. 1 Jahr nebenbei daran gearbeitet und auch mit Azubis zusammen.
    • Inzwischen sind alle IT-Schulungen auf agil umgestellt. Jetzt kommen die anderen Berufe dran!

Aus- und Weiterbildung

  • Was ist dein absolutes Lieblingsbuch mit Bezug zur IT/Programmierung und warum?
    • Head First Design Patterns*: Ein richtiges „Mitmachbuch“! Man lernt spielerisch abstrakte Themen und es werden verschiedene Lerntypen angesprochen.

Abschluss

  • Wo können die Hörer mehr über dich erfahren bzw. dich kontaktieren?
    • Ihr könnt euch gerne direkt an Uwe Ritthammer wenden, z.B. per E-Mail. Auf der DATEV-Website sollte die zu finden sein.
    • In den sozialen Medien ist Uwe nicht vertreten (das stielt ihm einfach zuviel Zeit).
  • Schlusswort
    • Unternehmen mit Interesse an der agilen Ausbildung sollten nicht einfach die beschriebene Methode kopieren! Ihr Erfolg hängt stark von den beteiligten Personen ab und muss dem Dozenten liegen, aber auch zum Unternehmen passen!
    • Viel besser wäre es, sich selbst Gedanken zu machen und eine passende Methodik zu entwickeln. Ganz im Sinne der agilen Entwicklung!

Literaturempfehlungen

Eines von Uwes Lieblingsbüchern ist Head First Design Patterns*. Das Buch habe ich selbst auch schon gelesen (oder besser verschlungen) und kann es ebenfalls uneingeschränkt weiterempfehlen. Gut verdaulich und praxis- bzw. teilweise sogar prüfungsrelevant.

Head First Design Patterns (Affiliate)*

Links

Zusammenfassung

Das Ausbildungskonzept der DATEV

Mit Uwe Ritthammer, dem Ausbildungsleiter der DATEV in Nürnberg, habe ich darüber gesprochen, wie du als IT-Azubi agil lernen kannst. Zum Zeitpunkt des Gesprächs betreut ein achtköpfiges Ausbildungsteam knapp 200 Auszubildende und dual Studierende. Rund 65 Prozent davon gehören zum IT-Bereich. Die DATEV bildet außerdem in kaufmännischen und gewerblichen Berufen aus.

Uwe kommt aus der Softwareentwicklung und hat nach seiner Ausbildung Informatik mit einem wirtschaftlichen Schwerpunkt studiert. Auch als Ausbildungsleiter arbeitet er gelegentlich in IT-Schulungen mit. Bei der DATEV stehen vor allem C# für Anwendungen auf dem PC und Java für den Webbereich im Mittelpunkt. Im Rechenzentrum laufen außerdem IBM-Mainframes, auf denen unter anderem COBOL und Assembler vorkommen.

Agile Werte und der Ausbildungsrahmenplan

Aus dem agilen Manifest übernimmt die DATEV den Gedanken, auf einzelne Menschen einzugehen und eng mit den Beteiligten zusammenzuarbeiten. Wenn sich Anforderungen ändern, wird der Ausbildungsplan angepasst.

Die technologieunabhängig formulierten IT-Berufsbilder geben dafür Spielraum. Sie beschreiben Mindestanforderungen, innerhalb derer ein Betrieb die Ausbildung gestalten kann. Im Gespräch verweist Uwe außerdem auf die damals bevorstehenden neuen Berufsbilder und deren Möglichkeit, vom vorgesehenen Ablauf abzuweichen.

Für deinen Weg durch das Unternehmen werden mehrere Anforderungen berücksichtigt:

  • Die IHK gibt mit dem Berufsbild vor, welche Inhalte du lernen musst.
  • Du bringst eigene Interessen und Vorkenntnisse mit, die beim Planen berücksichtigt werden.
  • Dein späterer Fachbereich hat fachliche Anforderungen an dich.

Zu Beginn wird geschaut, was du bereits kannst und in welchem Umfeld du dich wohlfühlst. Daraus entsteht schrittweise ein individueller Plan für deine Einsätze in den Abteilungen.

Zweitägige Module nach einem wiederkehrenden Ablauf

Damit du in einem Fachbereich an echter Software mitarbeiten kannst, bietet die DATEV eigene IT-Schulungen an. Dafür wurden umfangreiche Schulungsblöcke in kleinere Module aufgeteilt, die jeweils zwei Tage dauern und aufeinander aufbauen.

Der Ablauf orientiert sich an Scrum. Die DATEV hat dafür ein eigenes Konzept entwickelt, nachdem sie sich auch EduScrum angesehen hatte. Dieses überträgt Scrum auf das Lernen in der Schule.

Ein Modul läuft ungefähr so ab:

  1. Die Lerninhalte stehen in einem Backlog. Dadurch siehst du, welche Themen für die beiden Tage vorgesehen sind.
  2. Ein Stand-up klärt dein Vorwissen. Dabei wird auch auf das vorherige Modul zurückgeschaut. Die Inhalte werden anschließend ergänzt oder anders priorisiert.
  3. Du recherchierst mit einem:einer anderen IT-Azubi. Die Zweierteams bleiben meist während des Moduls zusammen und stellen ihre Ergebnisse vor. Beim Programmieren können sie als Pair zusammenarbeiten.
  4. Eine kleine Projektaufgabe begleitet das Modul. Du setzt das Gelernte praktisch um.
  5. Eine Retrospektive schließt die beiden Tage ab. Dabei geht es darum, wie du gelernt hast und was dein:e Referent:in beim nächsten Durchgang verändern sollte.

Bei einem Modul zu Algorithmen kann die Aufgabe beispielsweise darin bestehen, Kniffel zu programmieren. Zunächst wird mit echten Würfeln gespielt, damit die Regeln klar sind. Daraus werden gemeinsam User-Stories formuliert. Beim späteren Programmieren geht es etwa darum, Würfelwerte zu sortieren oder eine Straße zu erkennen.

Dein Vorwissen bestimmt, welche Module du besuchst

Vor dem ersten Modul bearbeitest du einen selbst entwickelten Multiple-Choice-Test. Er enthält Aufgaben zur Programmierlogik sowie Struktogramme und einfachen Java-Code. Zusammen mit einem anschließenden Gespräch hilft er dabei, dein Vorwissen einzuschätzen.

Die DATEV bildet möglichst Gruppen, deren Mitglieder ähnlich schnell lernen. Uwes Erfahrung damit: So beteiligt sich jede Person stärker an der Aufgabe. Bei stark unterschiedlichen Vorkenntnissen übernehmen erfahrenere IT-Azubis häufig das Korrigieren des Codes, wodurch die andere Person weniger selbst erarbeitet.

Je nach Vorwissen sind Module für dich verpflichtend oder freiwillig. Wenn du bereits programmieren kannst, darfst du einen Grundlagenbaustein trotzdem besuchen.

Der erste Baustein heißt "Logik der Programmierung". Dort beschäftigst du dich damit, Programmabläufe darzustellen und Werte in Variablen zu speichern. Später kommen Datentypen hinzu. Weitere Module behandeln Algorithmen und grundlegende Datenstrukturen, bevor du in die Objektorientierung einsteigst. Gegen Ende geht es auch um Vererbung und Interfaces.

Für diesen Weg rechnet die DATEV ungefähr mit einem halben Jahr. Wie lange du brauchst, hängt von deinem Vorwissen und deinem Lerntempo ab.

Selbstständig lernen und Rückmeldungen geben

Bei der DATEV hat sich gezeigt, dass IT-Azubis nach einer Eingewöhnungsphase selbstständiger und schneller lernen. Weil die Module ähnlich ablaufen, wird die Arbeitsweise vertraut. In späteren Modulen organisieren die IT-Azubis ihr Daily und ihr Backlog bereits selbst.

Auch die Rückmeldungen in den Retrospektiven verändern sich mit der Zeit. Zu Beginn beziehen sie sich teilweise auf Dinge wie den Kaffee oder auf den Wunsch nach angeleiteter Gruppenarbeit. Später werden konkrete fachliche Ergänzungen vorgeschlagen, etwa eine weitere Methode zur Datenmodellierung. Manche IT-Azubis wünschen sich zusätzliche Präsentationen, um Inhalte gemeinsam zu bearbeiten.

Eine Schulungsgruppe umfasst ungefähr zehn Personen. Wenn etwa 30 IT-Azubis zu einem Jahrgang gehören, läuft ein Modul mehrfach. Dein:e Referent:in kann die Rückmeldungen einer Gruppe dadurch bereits im nächsten Durchgang aufgreifen.

Aufgaben aus Scrum schrittweise übernehmen

Die Themen des Backlogs werden an einem Board sichtbar gemacht und nach dem Bearbeiten verschoben. Du kannst verfolgen, wo die Gruppe steht, und eigene Themen einbringen.

Dein:e Ausbilder:in übernimmt zunächst die Rolle des Product Owners und setzt fachlich notwendige Inhalte entsprechend hoch auf die Liste. Am Anfang steuert diese Person auch den Ablauf als Scrum Master. Mit jedem Modul kommen weitere agile Aspekte hinzu, sodass du zunehmend selbst Aufgaben und Rollen übernimmst.

In einer abschließenden Projektwoche arbeiten kleine Teams mit jeweils drei bis vier Personen an einem Prototyp. Die Aufgabe stammt aus einem Fachbereich der DATEV. Ein:e Product Owner möchte ein konkretes Produkt, während die Teams den Scrum-Ablauf weitgehend selbst organisieren. Die Teams treten dabei in einem Wettbewerb an.

Zwischen den zweitägigen Schulungen arbeitest du bereits im Fachbereich. So kannst du neue Kenntnisse direkt in die Arbeit einbringen und wirst schon im ersten Ausbildungsjahr in den Entwicklungsprozess einbezogen.

Verschiedene IT-Berufe und passende Lehrmethoden

Die ersten Programmiermodule besuchen auch IT-Azubis aus anderen Berufen. Grundlage dafür sind die gemeinsamen Inhalte der im Gespräch beschriebenen IT-Berufsbilder. Fachinformatiker:innen für Systemintegration steigen zunächst ebenfalls tiefer in die Programmierung ein. Bei speziellen Themen der Anwendungsentwicklung, etwa Benutzeroberflächen, wird der Kreis der Teilnehmenden kleiner.

Während der Schulungen übernimmt dein:e Ausbilder:in unterschiedliche Aufgaben. Je nach Thema und deinem Lernstand gibt es kurze angeleitete Phasen oder Unterstützung direkt am Rechner. Wie viel Hilfe du brauchst, hängt auch davon ab, wie selbstständig du bereits arbeitest.

Uwe hat bisher erlebt, dass sich IT-Azubis unterschiedlich schnell an das Konzept gewöhnen. Nach dieser Phase kommen sie mit der Methode zurecht. Schwierigkeiten beim Verstehen von Programmierung können weiterhin auftreten.

Feedback zum Lernstand und zur Prüfung

Beim gemeinsamen Blick auf deinen Code erkennt dein:e Ausbilder:in, welche Inhalte du verstanden hast und wo du noch Unterstützung brauchst. Nach ungefähr drei Modulen ist ein ausführlicheres Einzelgespräch vorgesehen, das etwa eine halbe bis eine Stunde dauert. Dabei geht es auch darum, wie du dich mit dem Lernen fühlst.

Im Fachbereich finden weitere Feedbackgespräche etwa alle sechs bis acht Wochen statt. Auf zusätzliche schriftliche Leistungstests verzichtet die DATEV in diesem Konzept. Einzelne IHK-Aufgaben werden jedoch in Module eingebaut, beispielsweise zu Datenbanken. Die IT-Azubis erzielen laut Uwe überdurchschnittliche Prüfungsergebnisse.

Damit alle geforderten Inhalte vorkommen, werden die bearbeiteten Aufgaben mit dem Berufsbild abgeglichen. Das Berichtsheft hilft dabei ebenfalls. Wenn ein Inhalt fehlt, organisiert das Ausbildungsteam eine passende Gelegenheit innerhalb des Unternehmens.

In meiner Ausbildung lasse ich zusätzlich direkt im Berichtsheft festhalten, welchem Punkt des Rahmenplans eine Tätigkeit entspricht. Dadurch kann ich erkennen, welche Inhalte noch offen sind.

Dein IHK-Abschlussprojekt setzt du bei der DATEV selbstständig im Fachbereich um. Zur Vorbereitung gibt es weitere Bausteine. Die IT-Azubis präsentieren ihre Projekte außerdem gegenseitig und geben Feedback, etwa dazu, wie die Inhalte auf die vorgesehene Präsentationszeit verteilt sind. Bei Bedarf laden sie ihre Ausbilder:innen dazu ein.

Materialien für die Module

Für jeden Baustein hält das Ausbildungsteam fest, was du lernen sollst und woran sich erkennen lässt, dass du es verstanden hast. Dazu werden geeignete Methoden und Medien gesammelt. Die Zeit wird grob in Stundenabschnitte eingeteilt, wobei Erfahrungen mit dem jeweiligen Lernniveau einfließen.

Zum Material gehören vorhandene kostenlose und kostenpflichtige Angebote:

  • SQL Island ist ein Textadventure, bei dem du mit SQL arbeitest.
  • Human Resource Machine führt über spielerische Aufgaben an Programmierlogik heran.
  • Project Euler bietet mathematische Probleme, deren Lösungen du auf der Plattform prüfen kannst.
  • Lernvideos können ein Thema ergänzen.

Die DATEV hat auch mit IT-Azubis eigene Videos gedreht. Wegen des hohen Zeitaufwands greift das Team inzwischen auf vorhandene Videos zurück. Das Lernen durch Erklären bleibt Teil der Module, weil du recherchierte Themen anderen vorstellst.

Wie das Konzept entstanden ist

Den Anfang machte ein Modul zu Datenbankgrundlagen. Zusammen mit seinem damaligen Kollegen Harald Eder, der im Fachbereich als Scrum Master arbeitete, entwickelte Uwe daraus das Grundgerüst für weitere Module. Nach einem gemeinsamen Konzepttag wurde etwa ein Jahr lang parallel zu den laufenden Schulungen daran gearbeitet.

Rückmeldungen aus jedem Durchgang fließen weiter ein. Auch für andere Ausbildungsberufe sollen zusätzliche Elemente entwickelt werden; die individuellen Ausbildungspläne gibt es dort bereits.

Wenn ich einzelne Ideen für meine eigene Ausbildung aufgreife, müssen sie zu meinem Betrieb und zu mir als Ausbilder passen. Uwe empfiehlt, geeignete Elemente auszuprobieren und anhand des Feedbacks weiterzuentwickeln. Ebenso muss die Methode zu dir als IT-Azubi passen.

Bücher und Kontakt

Uwe empfiehlt die Reihe "von Kopf bis Fuß", insbesondere "Entwurfsmuster von Kopf bis Fuß". Die Bücher arbeiten mit Mitmachaufgaben und spielerischen Beispielen. Auch ich habe mit diesem Buch zum Thema Entwurfsmuster gelernt.

Uwe ist am besten direkt per E-Mail oder telefonisch erreichbar. Die freigegebenen Kontaktdaten stehen in meinen Shownotes unter itberufepodcast.de/153. Wenn du dort einen Kommentar hinterlässt, kann ich deine Frage weiterleiten.

Transkription der gesamten Episode

Automatisch erzeugte Transkription der Episode

[0:00] Herzlich willkommen zum IT-Berufe-Podcast, dem Podcast rund um die Ausbildung in den

[0:08] IT-Berufen. In dieser Episode gibt es ein Interview mit Uwe Ritthammer über die agile

[0:14] Ausbildung. Viel Spaß! Hallo und herzlich willkommen zur 153. Episode des IT-Berufe-Podcasts.

[0:26] Mein Name ist Stefan Macke und heute gibt es ein sehr, sehr spannendes Interview. Und zwar habe

[0:32] ich Uwe Ritthammer von der DATEV aus Nürnberg hier an Bord geholt, um mit ihm über ein für mich

[0:38] auch sehr interessantes Thema zu sprechen und zwar die agile Ausbildung. Bei der DATEV gestalten die

[0:43] Kollegen dort die Ausbildung, ja, eben wie gesagt, agil. Das heißt, es werden zum Beispiel Methodiken

[0:49] aus Scrum übernommen, um den Inhalt der Ausbildung selber zu planen. Und die Azubis werden quasi von

[0:56] Tag 1 wie in einem Scrum-Team integriert. Und ja, die Schulungen laufen wie ein Sprint-Up in

[1:02] Anführungszeichen. Und verschiedene andere Dinge haben die Kollegen sich dort überlegt. Das fand

[1:06] ich so interessant, dass ich unbedingt einmal mit Uwe im Detail darüber reden wollte. Und das hat

[1:10] jetzt geklappt. Und ja, das Ergebnis hörst du heute. Ich wünsche dir ganz viel Spaß und viele

[1:16] Informationen bei unserem Interview. Los geht's. Gut, ich habe heute im Podcast einen sehr spannenden

[1:27] Interviewgast und zwar den Uwe Ritthammer von DATEV. Und der erzählt uns heute etwas über ein

[1:32] agiles Ausbildungskonzept. Da bin ich sehr gespannt, denn wir Softwareentwickler kennen das ja aus

[1:37] unserem Alltag, dass wir agil arbeiten. Aber wie das auch in der Ausbildung funktioniert, da bin

[1:42] ich gespannt, was die Kollegen da so machen. Und zum Einstieg frage ich alle immer meine Gäste,

[1:47] sag mal, wie heißt du eigentlich, was machst du so? Und mit der Frage fangen wir doch vielleicht

[1:50] direkt mal an. Uwe, wer bist du denn eigentlich und was machst du so? Ja, den Namen hast du jetzt

[1:54] schon verraten. Das ist kein Geheimnis mehr. Uwe Ritthammer. Ich bin Ausbildungsleiter bei der

[1:58] DATEV in Nürnberg. Ich komme aus Franken. Ich glaube, diesen Einschlag hört man. Aber du hast

[2:03] ja selber in der Nähe, glaube ich, bei uns studiert. Also du verstehst mich. Und ja,

[2:08] ich hoffe, die Zuhörer werden mich auch verstehen, trotz meines fränkischen Einschlages. Vielleicht

[2:13] ein paar kurze Worte zur DATEV. Softwarehaus, IT-Dienstleister für Steuerberater, Rechtsanwälte

[2:19] und Wirtschaftsprüfer in Nürnberg. Circa 8000 Mitarbeiter und insgesamt 200 knapp

[2:26] Auszubildende und dual Studierende. Das ist so mein Umfeld. Okay, das ist krass. 8000 Leute,

[2:34] das hatte ich nie auf dem Schirm. Das ist ja riesig. Und vor allem 200 Azubis, der absolute

[2:39] Wahnsinn. Aber bevor wir weitermachen, kurz zum Fränkischen. Ja, du hast recht. Ich habe in

[2:42] Nürnberg studiert. Und das erste Mal, als ich da war, als ich mit dem Zug angekommen bin,

[2:46] habe ich zum Taxifahrer, der mich zum Hotel gebracht hat, gesagt, oh, jetzt bin ich endlich

[2:50] in Bayern. Und da hat er mir das auch direkt um die Ohren gehauen, dass man ja natürlich in

[2:53] Franken ist, wenn man in Nürnberg ist. Das nur kurz zum Hintergrund. Richtig, richtig. Ganz,

[2:58] ganz wichtig. Franken. Das habe ich auf jeden Fall gelernt. Also das finde ich ja mega spannend.

[3:04] Also 200 Azubis. Dafür bist du komplett zuständig für alle oder hast du da eine

[3:08] Teilgruppe oder wie kann man sich das vorstellen? Ja, also wir haben ein eigenes Team für unsere

[3:12] Ausbildung. Wir sind insgesamt acht Personen mit mir zusammen und managen quasi das

[3:18] Rundum-Sorglos-Paket. Ausbildungsmarketing, Recruiting, Einstellung, Betreuung über drei

[3:24] respektive viereinhalb Jahre bei unseren Verbundstudenten, die also Ausbildung mit

[3:28] Studium kombinieren, bis hin zur Übernahme in den Fachbereich machen wir quasi alles. Also eine

[3:34] kleine Personalabteilung in der großen Personalabteilung nur für Azubis. Okay. Und da habt

[3:40] ihr alle aber einen technischen Hintergrund oder haben wir auch wirklich klassische Personaler

[3:44] dabei? Wir haben auch klassische Personaler dabei. Wir haben auch ein breites Berufsspektrum. Also

[3:50] wir haben nicht nur IT-Berufe am Start, wobei man sagen muss, dass in den letzten Jahren der

[3:54] IT-Bereich schon überwiegt. Also ich sage mal knapp so 65 Prozent unserer Auszubildenden und

[4:03] Verbundstudenten sind im IT-Bereich. Wir haben auch kaufmännische Berufe, Kaufleute für Dialog,

[4:09] Marketing, Büromanagement und auch gewerbliche Berufe. Also ein breites Spektrum, bunter

[4:16] Blumenstrauß. Spannend, ja. Also ich persönlich kannte die Daten auch vorher schon einfach,

[4:22] weil sobald es irgendwie um Steuern oder so geht, dann fällt der Name eigentlich automatisch. Also

[4:26] von daher, ich denke, das ist vielen Hörern auch bekannt. Aber dass ihr da wirklich so viele Azubis

[4:30] habt, also wirklich Wahnsinn. Und wenn wir jetzt mal so ein bisschen an die Betreuung denken,

[4:34] also sicherlich Azubi oder die Betreuung hat natürlich auch viel Organisatorisches und

[4:38] Verträge und ich weiß nicht was. Aber wo wir heute drüber reden wollen, ist ja quasi auch der Bereich

[4:43] der Technik, der da ausgebildet wird. Und bist du da in irgendwelchen, wie soll man sagen, im

[4:47] Tagesjob, in irgendwelchen Projekten aktiv? Oder ist das nur, wenn du dann quasi mit den Azubis

[4:52] zusammen diese Ausbildungsprojekte machst? Oder bist du nebenbei auch noch Softwareentwickler

[4:55] oder machst irgendwas anderes? Oder wie sieht so dein Alltag aus? Also ich komme so aus der

[4:59] Softwareentwicklung, habe da auch gelernt, beziehungsweise hinterher auch noch Informatik

[5:04] studiert. War ja die letzten Jahre immer sehr operativ mit den Azubis zusammen. Jetzt habe ich

[5:11] so als Ausbildungsleiter, bin ich seit 2018, habe ich nicht mehr ganz so viel Zeit, mit den Azubis

[5:15] zu arbeiten. Aber hin und wieder mache ich das noch ganz gerne und bin da auch gerade bei den

[5:21] IT-Berufen in den Schulungsbereich noch eingebunden. Das heißt also wirklich auch mit den Azubis ab und

[5:27] an mal so ein praktisches Projekt, wo sie auch wirklich eine echte Software entwickeln für die

[5:31] DATEV zum Beispiel? Genau so ist es. Ich habe jetzt schon rausgehört, also ein Studium der

[5:37] Informatik steckt dahinter. War da irgendwie ein Schwerpunkt dabei oder ein ganz breit aufgestelltes

[5:40] Informatikstudium oder was hast du da gemacht? Also vielleicht fange ich mal ganz vorne an. Also

[5:46] ich komme so, das traut sich heute immer kein Azubi im Bewerbungsgespräch sagen, dass er

[5:50] gerne Computerspiele macht. Aber sind wir mal ganz ehrlich, irgendwie hat uns die Welt fasziniert und

[5:56] so bin ich zum Beispiel zum Computer zur Programmierung gekommen. Atari 2600, jetzt kann

[6:04] man natürlich auch ein bisschen auf mein Alter schätzen, wenn ich so erzähle. C64, da habe ich

[6:08] dann mit Basic und Assembler angefangen. Amiga 500, ich glaube, das war so die klassische, die

[6:13] klassische Folge. Da etwas in C ausprobiert, bevor ich dann gedacht habe, Mensch, da muss eine

[6:18] Ausbildung machen. Damals noch zum Datenverarbeitungskaufmann, also sehr breit auch

[6:24] kaufmännische Inhalte und hinterher dachte ich mir, ich möchte noch ein bisschen mehr wissen, wie es

[6:30] geht, was dahinter steckt, warum ein Compiler mich versteht, wenn ich ihm in irgendeiner

[6:35] Programmiersprache was sage. Und habe dann Informatik studiert. Schwerpunkt Wirtschaft, weil

[6:41] mir ganz wichtig war, wie kann ich es denn in der Wirtschaft wieder anwenden. Irgendwann mal

[6:47] bin ich dann in der Ausbildungsabteilung gelandet, Schwerpunkt IT-Schulungen. Das war so mein

[6:53] Werdegang und an diesen IT-Schulungen habe ich lange rumgebastelt, bis wir jetzt so ein bisschen

[6:58] angekommen sind bei agilen Ausbildungskonzepten. Das ist so mal kurz zusammengefasst, wo ich herkomme

[7:06] und was so meine Motivation bei der Sache ist. Also wirklich auch über Schulung von, ich sage mal,

[7:10] Mitarbeitern oder Kunden oder sowas hin zu Schulung von Azubis, in Anführungszeichen, ja?

[7:15] Ja.

[7:15] Witzig, okay. Und mal so ganz grob zum Einstieg, wenn die Azubis bei euch da was

[7:20] programmieren, was sind da so die Hauptprogrammiersprachen, die ihr da einsetzt?

[7:24] Also Hauptprogrammiersprachen, bei alles was on-premise ist, also auf dem PC läuft,

[7:30] ist es C-Sharp. Ist so ein bisschen im Aussterben begriffen, weil alles immer mehr ins Web geht und

[7:38] da ist momentan so der Mainstream Java. Natürlich alles, was sonst im Web zu finden ist, Bootstrap,

[7:45] irgendwelche Frameworks, JavaScript, was man halt so alles macht, aber so eine gute Basis ist dafür

[7:50] Java. Ich glaube, es gibt bei der Dativ nichts, was es nicht gibt. Also in unserem Rechenzentrum,

[7:55] das sind noch IBM Mainframes am werkeln. Da gibt es auch noch Cobol, da gibt es tatsächlich auch

[8:00] noch Assembler, aber so Mainstream, sage ich mal, C-Sharp und Java.

[8:05] Also die Mainframes hätte ich jetzt nicht gedacht, das wäre schon mal cool. Ich hätte jetzt auch

[8:10] eher sogar getippt auf sowas wie C-Sharp, weil glaube ich ja auch viele Programme wirklich so

[8:14] die klassischen Windows-Desktop-Anwendungen sind, die ihr so macht, ne?

[8:17] Ja, sind sie noch, aber werden irgendwann oder zumindest langsam sterben sie aus. Gut,

[8:25] das sagt man zum Mainframe auch seit 20 Jahren und er lebt immer noch oder seit 30 Jahren.

[8:29] Genau, ja. Das ist verrückt. Und wenn du jetzt, ich vermute dann über deine ganze Zeit hast du

[8:36] einiges mitgemacht. Ich habe schon gehört jetzt hier Assembler, C, Basic und so weiter. Hast du

[8:40] denn persönlich noch eine Lieblingsprogrammiersprache aktuell?

[8:43] Du hast es gerade schon genannt. Also meine Lieblingsprogrammiersprache ist tatsächlich C,

[8:47] weil ich also notgedrungen beruflich eher unter Windows unterwegs, aber privat auch unter Linux

[8:55] und in C halt einfach drauf loshecken und alles machen können, was man will, ohne Beschränkung.

[9:01] Das macht mir so am am meisten Spaß. Natürlich auch in irgendwelche Speicher-Lags tappen,

[9:07] das ist natürlich auch klar, aber bis hin zum Bit hat man alles unter Kontrolle. Das macht

[9:14] mir Spaß. Ja, das stimmt. Also ich glaube, näher an der Hardware als mit C kriegt man,

[9:18] ja gut, vielleicht mit Assembler noch was hin, aber sonst. Okay, das heißt,

[9:22] also ich höre du hast einiges mitgemacht, wobei also viele Sachen, die du auch gesagt hast,

[9:26] C64, Amiga 500 und so, also die kenne ich auch noch aus eigener Erfahrung. Von daher,

[9:30] das ist ein schöner Einstieg. Das lässt mich also auch an einige Sachen mich erinnern,

[9:34] die ich damals mal so gemacht habe. Sehr schön. Wenn wir Computer-Spiele-Podcast machen von der

[9:40] Zeit, dann können wir uns ja da noch ein bisschen ausüben. Ja, genau. Leider muss ich dazu sagen,

[9:45] gibt es sogar schon einen. Ich weiß nicht, ob du den kennst. Das ist der, jetzt fällt mir der Name

[9:49] nicht ein, aber ich liefere ihn auf jeden Fall nach, der irgendwas-Podcast. Ich schicke dir das

[9:54] mal rüber. Da geht es nämlich genau über solche alten Sachen, um uralte Computerspiele und die

[9:57] sind auch von C64, aber teilweise auch noch die ersten PC-Spiele und so weiter und die schnacken

[10:01] da teilweise ein, zwei Stunden einfach darüber, wie toll doch diese Spiele sind. Und die höre

[10:05] ich immer sehr, sehr gerne. Stay Forever heißt er. Ich schicke es dir mal rüber. Aber gut,

[10:10] wir schweifen ab. Auf jeden Fall, unser Hauptthema heute soll ja die agile Ausbildung sein und ich

[10:16] bin persönlich natürlich auch ganz stark daran interessiert, weil ich selber die Ausbildung

[10:18] mache bei unseren Azubis und ich höre mir immer gerne an und schaue mir gerne an, wie andere das

[10:22] so machen. Und ja, also für mich passt das sehr gut, weil wir gerade in der Softwareentwicklung

[10:26] ja auch immer lehren, dass man ja heutzutage alles agil machen soll, weil es ja so viele Vorteile

[10:30] gibt. Und du und ich, wir wissen beide, wie dann dieser Ausbildungsrahmenplan der IHK dem

[10:35] gegenübersteht, der halt genau dieses starre, vorgegebene Paragrafen und so weiter abbildet.

[10:40] Und ja, wie seid ihr auf die Idee gekommen, aus diesem starren IHK-Zeug eine agile Ausbildung zu

[10:45] machen? Vielleicht erst mal agil ist ja quasi Modewort und wird inflationär für alles Mögliche

[10:52] gebraucht. Also wir Softwareentwickler können da leicht zurückgehen zu diesem agilen Manifest,

[10:59] ist glaube ich jetzt auch schon ein paar Jahre in Amt und Würden. Aber dieses agile Manifest,

[11:04] das da zum ersten Mal formuliert worden ist, da sind ja so ein paar Prinzipien oder Werte stecken

[11:09] da drin. Und wenn man das darauf reduziert, kommt man eigentlich sehr schnell auf die Basis unserer

[11:17] Ausbildung oder woran wir da denken. Also wir haben ja diese vier Dinge sind Individuen und

[11:21] Interaktionen, Vorprozessen und Werkzeugen, funktionierende Software. Okay, das ist jetzt

[11:26] speziell aus der Softwareentwicklung. Das lasse ich mal raus, das Prinzip. Zusammenarbeit mit

[11:31] dem Kunden wird auch gewertschätzt und reagieren auf Veränderung. Mehr wert als das Befolgen eines

[11:39] Plans. Und da kommen wir natürlich, wie du ganz richtig sagst, so ein bisschen in Konflikt mit

[11:44] den Berufsbildern und Ausbildungsrahmenplänen, die ja doch recht starr scheinen. Aber ich denke,

[11:52] dass gerade das Berufsbild oder die IT-Berufsbilder von ihrer Formulierung her, jetzt sind sie auch

[11:59] schon recht lange in Amt und würden seit 97. Die waren, ja die waren neu. Die waren technologie

[12:07] unabhängig formuliert, anders als vielleicht noch mein alter Datenverarbeitungskaufmann. Und die

[12:13] gaben zwar ganz gut einen Rahmen vor, aber einen Rahmen, den man biegen und dehnen kann. Ich glaube,

[12:20] das ist auch der Grund, warum ich da nach wie vor, obwohl sich ja in den letzten über 20 Jahren die

[12:25] IT-Welt doch etwas weiter gedreht hat, kann ich immer noch ganz gut Fachinformatiker zum Beispiel

[12:30] ausbilden mit einem Berufsbild, das schon über 20 Jahre alt ist. Und das liegt daran, dass das

[12:35] mir sehr viel Flexibilität bietet. Und da passt es vielleicht doch ganz gut mit diesem agilen

[12:40] Gedanken und den Werten zusammen. Ja, das heißt eigentlich, du sagst so,

[12:44] der Rahmen, klar, der ist vorgegeben und man sieht vielleicht auch als erstes die Paragrafen,

[12:47] aber der Rahmen an sich ist quasi so weit gefasst oder so flexibel, dass man sich innerhalb des

[12:52] Rahmens doch relativ frei bewegen kann. Richtig? Richtig. So verstehe ich zumindest das

[12:58] Berufsbild. Ich glaube, am Anfang, ich habe jetzt die neuen gelesen. Kleiner, kleiner Vorgriff. Im

[13:03] Sommer gibt es neue IT-Berufsbilder. Das Schönste ist der Paragraf 3, der ist ganz kurz. Da steht im

[13:09] Prinzip das drin, was ich gerade gesagt habe. Also, dass man auch von diesem Rahmen quasi abweichen

[13:16] kann und das Berufsbild uns die Mindestanforderungen vorgibt. Das ist vielleicht auch noch ein ganz

[13:20] wichtiger Punkt. Und die Mindestanforderungen erfüllen wir, aber vielleicht machen wir noch

[13:25] ein bisschen mehr außen drum herum mit dieser agilen Geschichte. Okay, verstehe. Ja. Also,

[13:30] die neuen Berufsbilder sind ein mega heißes Thema. Da sind natürlich alle sehr gespannt drauf. Und

[13:35] ich weiß nicht, ob wir uns vielleicht dazu nochmal unterhalten könnten, aber das ist auf jeden Fall

[13:39] ein ganz heißes Thema. Und ich habe es tatsächlich auch letzte Woche komplett durchgelesen schon mal,

[13:44] was da so gefordert wird. Und den Paragrafen hatte ich tatsächlich nicht mehr auf dem Schirm,

[13:48] aber jetzt, wo du es sagst, erinnere ich mich. Ja, direkt am Anfang steht irgendwie was so. Man

[13:52] kann das auch anders machen, als es vorgegeben ist. Das ist ja schon mal gut. Genau. Im Prinzip,

[13:56] ja. Das ist der wichtige Paragraf für mich. Ja, genau. Ja. So, wenn wir jetzt dann aber überlegen,

[14:02] wir haben da so einen Rahmenplan, da stehen irgendwelche Inhalte drin, die ihr da vermitteln

[14:06] müsst. Und ihr wollt das Ganze jetzt bei euch im Unternehmen etwas agiler angehen. Wie kann man sich

[14:12] das ganz grob vorstellen? Kannst du mit ein paar Sätzen mal erklären, wie dann so ein Azubi das

[14:16] bei euch erlebt? Wie merkt er, dass er agil ausgebildet wird? Ich denke, er merkt's. Ich

[14:22] nehme jetzt mal meine IT-Azubis, weil die merken es, glaube ich, in Reinform. Die merken es an zwei

[14:27] Stellen. Die merken es einmal von der Organisation der Ausbildung. Wenn ich da an meine Zeit zurückdenke,

[14:33] bei der ich Ausbildung gemacht habe, da gab es einen festen Durchlaufplan durchs Unternehmen.

[14:38] Also nichts von wegen Reagieren auf Veränderungen und Individuum und so,

[14:43] sondern da war festgelegt, zwei Wochen Einkauf und fünf Wochen Softwareentwicklung hier und

[14:51] dann im Verkauf und in der Buchhaltung. Da waren lauter so Dinge festgelegt,

[14:56] die einem festen Plan gefolgt sind. Ich fand dieses kaufmännische Zeug immer,

[15:04] als Azubi, als 17-Jähriger wollte ich hacken. Das fand ich immer irgendwie störend. Jetzt so im

[15:09] Nachhinein war es nicht schlecht, aber so richtig kam mir die ganze Sache nicht entgegen. Das versuchen

[15:15] wir heute ein bisschen anders zu machen. Ja, wir müssen Berufsbildinhalte erfüllen. Einer

[15:22] meiner Kunden ist die IHK. Die haben mir ein Berufsbild geschickt. Auf den Kunden muss ich

[15:26] natürlich die Rücksicht nehmen. Dann ist der Azubi bei mir. Der Azubi hat auch besondere

[15:32] Eigenschaften und möchte vielleicht auch irgendwelche Dinge kennenlernen. Das heißt,

[15:38] der Azubi ist mein Kunde Nummer zwei. Den befrage ich auch, was er denn gern hätte. Dann habe ich

[15:44] noch einen dritten Kunden. Das ist meine Firma oder ein spezieller Bereich, für den ich ausbilde,

[15:49] für den der Azubi mal sein soll. Der hat auch so bestimmte Anforderungen. Ich versuche, das ist so

[15:55] mein Hauptjob, diese drei Anforderungen zusammenzubringen und für jeden Azubi quasi

[16:02] einen individuellen Plan zu machen, wie der durch das Unternehmen läuft. Der Plan ist auch am Anfang

[16:07] nicht fertig. Da fangen wir in der Heimat an, versuchen erstmal herauszukriegen, was kann der

[16:11] Azubi überhaupt, was sind seine Stärken, wo fühlt er sich wohl, wie ist er so drauf? Dann bauen wir

[16:17] sukzessive diesen Plan weiter und schleusen ihn durch die passenden Abteilungen im Unternehmen,

[16:22] sodass meine ganzen drei Kunden zufrieden sind. Das zeichnet vielleicht unsere Organisation der

[16:28] Ausbildung aus. Ich würde sagen, das ist schon agil, weil das passt zu den agilen Werten.

[16:33] Okay, verstehe. Ich habe jetzt schon ein paar Stichwörter gehört. Du organisierst die Ausbildung

[16:39] wie ein agiles Projekt. Es gibt das Stakeholder. Drei davon haben wir schon gehört. Du versuchst,

[16:45] ich übersetze es jetzt mal so ein bisschen, iterativ zum Beispiel auch die Lösung,

[16:49] also nicht die Software, sondern zum Beispiel den Durchlaufplan anzupassen auf die aktuellen

[16:53] Gegebenheiten. Richtig. Ich habe jetzt bewusst auch sämtliche Buzzwords vermieden. Du hast recht.

[17:04] Genau so versuchen wir es zumindest. Kann man ganz grob sagen, einfach nur,

[17:09] dass man sich ein bisschen mehr darunter vorstellen kann, orientiert ihr euch denn unter

[17:12] anderem an Scrum oder hat das überhaupt nichts mit irgendwelchen etablierten Prozessen zu tun?

[17:15] Wie organisiert ihr das? Den Vorgriff kann ich schon mal sagen,

[17:19] wir orientieren uns an Scrum. Das ist vielleicht auch in der Firma am verbreitetsten im

[17:25] Entwicklungsbereich inzwischen und kommt dem Ganzen irgendwo entgegen. Die Werkzeuge oder das

[17:34] Mindset, sorry für Anglizismen, das wird sich jetzt im Verlauf nicht mehr vermeiden lassen

[17:39] wahrscheinlich. Das passt ganz gut dazu. Da haben andere auch schon mit experimentiert. Ich weiß nicht,

[17:47] ob du aus der Schule die Methode EduScrum, so nennt sich die, vertreibt auch eine Firma,

[17:52] um Scrum in die Schulen Einzug halten zu lassen. Passt nicht ganz zu uns. Wir haben uns einige

[18:01] Dinge angeguckt. Wir haben es so ein bisschen modifiziert, um für uns herauszufinden,

[18:04] was könnte denn da passen? Das ist so Scrum ähnlich, sage ich mal.

[18:07] Also EduScrum habe ich tatsächlich noch nicht gehört. Da geht es quasi darum,

[18:11] wie können die Schüler auch in einer Schule eigenverantwortlich oder etwas agiler lernen?

[18:16] Also das versucht, diesen ganzen Scrum-Prozess, die Artefakte, die Rollen etc. auf die Schule

[18:23] zu übertragen. Ob das gelingt, weiß ich nicht. Bitte selber Meinung bilden oder sich das mal

[18:30] angucken. Aber es ist zumindest ein ganz guter Versuch. Zu uns hat es jetzt nicht gepasst.

[18:34] Wir haben uns das so ein bisschen selber zusammengebaut. Das hört sich interessant an.

[18:39] Da werde ich mal recherchieren. Vielleicht packe ich mal so einen Link oder so in die

[18:41] Shownotes, wenn ich da was finde. Das habe ich auch noch nicht gehört. Jetzt hast du

[18:45] noch ein anderes Stichwort genannt und zwar Artefakte. Kann ich mir jetzt vorstellen,

[18:48] dass so ein Azubi eine Art Ausbildungs-Backlog hat, wo dann draufsteht,

[18:52] was er noch alles lernen muss? Nein, ich gehe jetzt mal ein bisschen weiter bei uns rein.

[18:57] Also wir haben jetzt mal von der Organisation der Ausbildung gesprochen und was da vielleicht

[19:03] sich dieser agilen Geschichte annähert. So richtig sichtbar oder wo wir auch damit begonnen haben,

[19:11] das zu leben, waren unsere Schulungen für die IT-Azubis. Es ist leider heute immer noch so,

[19:21] fast wie vor 20 Jahren, dass die IT-Kenntnisse, die ich jetzt brauche in der Firma, speziell für

[19:26] Softwareentwicklung, sich nicht wesentlich verändert haben. Die Schulen machen im Prinzip … Sorry,

[19:33] hoffentlich kommt jetzt dann kein Bashing auf mich. Die machen alle das gleiche wie vor 20

[19:37] Jahren. Außer, dass sie es jetzt mit Word und Excel machen in der neuesten Version. Aber recht

[19:42] viel mehr tut sich leider nicht. Wer das Glück hat, in Informatik inzwischen Abitur machen zu

[19:51] dürfen, da sind die Inhalte wirklich recht gut. Die kriegen doch ein breites Spektrum mit. Wenn

[19:56] ich mir angucke, was an Real- und Wirtschaftsschule passiert, ist es im Wesentlichen Word, Excel,

[20:01] PowerPoint. Das hat mit Informatik jetzt nicht so richtig was zu tun.

[20:05] Sorry dafür. Das heißt, ich muss in der Firma einen hohen Anfangsaufwand

[20:12] betreiben, um die jungen interessierten Leute, die sich vielleicht zu Hause auch

[20:18] schon ein bisschen was beigebogen haben, auf ein gewisses Level zu heben, wo sie

[20:22] bei mir im Fachbereich mitarbeiten können. Es soll ja eine praktische

[20:24] Ausbildung sein. Die sollen ja nicht theoretisch irgendwelche Spielprojekte

[20:27] machen oder die dann hinterher in den Papierkorb geschmissen werden.

[20:30] Ich möchte, dass unsere Auszubildenden mitarbeiten können. Da muss ich etwas

[20:34] Aufwand leisten. Und deswegen haben wir schon seit jeher einen recht hohen

[20:40] Schulungsaufwand bei uns. Und die Schulungen sahen früher so aus. Das waren ja so

[20:46] Monsterfrontal-Schulungen. Keine Ahnung. Zwei Wochen C++ am Stück. Das kann man

[20:54] mal machen, aber da sind die Leute hinterher platt. Und was bei den einzelnen hängen bleibt,

[21:00] ist immer noch die Frage. Und wir haben jetzt versucht, diese großen Schulungsbausteine zu

[21:07] agilisieren. Also falls es dieses Wort gibt. Sonst gibt es jetzt. Und die so in kleinere

[21:14] Häppchen zu verpacken und vor allem so auf die Leute abzustimmen oder mit den Azubis

[21:21] zusammenzuentwickeln, dass die leichter verdaulich sind. Ich sage es mal so. Und das

[21:26] ist eigentlich so der Kern unserer agilen IT-Ausbildung. Das ist so ein Schulungskonzept

[21:32] aus vielen kleinen Zwei-Tages-Modulen, die aufeinander aufbauen und nach einem einheitlichen

[21:40] Muster gestrickt sind. Und dieses Muster, das lehnt sich ganz stark an diesen Scrum-Prozess an.

[21:47] Das heißt, du hast gerade von Backlogs gesprochen. Die Schulungsinhalte dieser Bausteine stehen immer

[21:54] auf einem Backlog. Also da sehen die Azubis, was wollen wir denn in diesen zwei Tagen erreichen?

[21:58] Was wollen wir denn machen? Das ist unser Backlog. Und das Schöne beim Backlog, das können wir auch

[22:02] umpriorisieren, wenn wir merken bei unserem ersten Daily sozusagen. Viele haben wir nicht bei zwei

[22:10] Tagen. Das gebe ich zu. Aber so ein Daily am Anfang, wo wir ein bisschen Vorwissen versuchen,

[22:16] zum jeweiligen Thema dieses Schulungsbausteins rauszukriegen und auf die Azubis zu übertragen.

[22:23] Und nach dieser Vorwissensabfrage wissen wir, ob unser Backlog taugt oder ob wir irgendwas

[22:27] umpriorisieren. Das ist so mal Schritt 1 eines jeden Schulungsbausteins. Backlog mit den

[22:33] Schulungsinhalten für jeden Baustein, zwei Tage. Daily Stand-Up ist quasi die Vorwissenabfrage von

[22:39] meinen Auszubildenden. Dann gleichen wir das ab und dann steigen wir in dieses Backlog ein. Und

[22:45] meistens ist am Anfang immer so ein kleiner Rechercheauftrag für die Azubis, um in das

[22:52] Thema reinzukommen. In unterschiedlichen kleinen Teams, also meistens zwei Mann. Die bleiben

[22:58] meistens auch während dieser Bausteine zusammen. Da können wir dann auch solche schicken Sachen

[23:02] machen, wie Pair-Programming später zum Beispiel. Recherchieren die Themen, stellen sie den anderen

[23:08] vor. Dann ist meistens in jedem zwei-Tages-Baustein so eine Mini-Projektaufgabe, mit der wir uns die

[23:13] zwei Tage beschäftigen. Gerade bei den Programmierbausteinen, wo es um Algorithmen geht,

[23:19] ist es meistens so ein kleines Spielchen, an dem man ganz gut Algorithmen lernen kann. Kniffel

[23:27] zum Beispiel. Ich weiß nicht, Würfelspiel Kniffel. Kennst du wahrscheinlich auch?

[23:31] Ja, das kenne ich.

[23:31] Bietet recht viel für so Algorithmen. Bei Kniffel sind es jetzt nicht so viel. Es sind

[23:37] ja bloß fünf Würfel. Aber kleine Straße, große Straße, Würfelwerte in der Reihenfolge sortieren,

[23:43] irgendwas abprüfen, irgendwelche Werte in den Array stecken. Da steckt an so einem Spielchen ganz

[23:48] viel drin. Meistens nach unserer Vorwissenabfrage spielen wir das Spiel mit echten Würfeln. Wir

[23:56] versuchen uns fachlich irgendwie in ein Thema reinzukriegen. Da ist dann der Auftrag, versucht

[24:02] mal dieses Spiel, das wir jetzt gerade fachlich gespielt haben, so ein bisschen in Form zu bringen,

[24:07] verdaulich zu machen, um es einem anderen vielleicht näher zu bringen, der das dann IT-technisch

[24:14] umsetzen muss. Das heißt, wir machen dann zusammen User-Stories, ohne dass wir wissen,

[24:18] dass das User-Stories sind. Das sagen wir uns natürlich später schon, was das ist. Aber es

[24:22] geht einfach darum, viele IT-Dinge im Doing zu erfahren, sage ich jetzt einfach mal. Irgendwann

[24:29] setzen wir uns natürlich dann auch ans Gerät und versuchen, das umzusetzen. Am Ende eines

[24:36] jeden Schulungsbausteins haben wir dann auch immer noch eine kleine Retro, um zu gucken,

[24:41] wie haben wir jetzt zusammen gelernt? Was hat es uns gebracht? Was hätten wir,

[24:46] und mit wir meine ich wirklich wir alle, also was hätten wir als Azubis besser machen können beim

[24:52] Lernen? Was hätte uns mehr gebracht? Was hättet ihr als Referent dieser Schulung besser machen

[24:57] können? Da versuchen wir für alle sowas rauszukriegen. Das war so eine ganz grobe

[25:01] Skizze eines Schulungsbausteins. Hat es schon was geholfen oder war es zu würdigen?

[25:07] Nein, das hat super geholfen. Ich habe jetzt noch mehr Fragen als vorher schon erstanden. Also super

[25:10] gut. Toller Überblick auf jeden Fall. Da hätte ich jetzt eine Frage, um mir das noch mal etwas

[25:16] besser vorstellen zu können. Was wäre zum Beispiel der allererste Baustein, den ein Azubi mitmacht?

[25:20] Weil du hast jetzt gerade einen Baustein beschrieben, wo man tatsächlich am Ende auch

[25:23] schon was programmieren muss. Wenn ich jetzt wirklich ganz neu anfange, was wäre so mein

[25:26] Einstiegsbaustein? Also der allererste Baustein, der quasi, das ist eigentlich gar kein Baustein,

[25:31] der noch vor dem ersten agilen Baustein kommt, sage ich mal, ist so ein kleiner Selbsttest.

[25:36] Weil ich habe ja vorhin gesagt, wir wollen ja auf die Individuen eingehen. Und jetzt kann ich

[25:42] natürlich nicht alle Azubis durch die Schulungsmangel drehen, egal welches Vorwissen sie

[25:47] haben und wie sie schon drauf sind. Deswegen gibt es ganz am Anfang so einen kleinen Multiple-Choice,

[25:52] selber entwickelten Selbsttest. Da sind so ein paar Aufgäbchen drin, Programmierlogik,

[25:56] Struktogramme, einfaches Coding in Java, wo man irgendwelche Dinge in Reihenfolge bringen muss,

[26:02] bis hin zu komplexeren Sachen. Funktioniert sehr gut. Also machen die Azubis selbstständig. Wir

[26:09] geben ihnen so ein bisschen Feedback, wo wir sie aufgrund dieser Einschätzung sehen. Und wir kriegen

[26:15] ganz gut raus, auf welchem Level haben wir die denn einzuschätzen. Und wir versuchen tatsächlich,

[26:24] möglichst homogene Gruppen zu machen, sodass die Azubis, wenn sie miteinander lernen, im gleichen

[26:31] Tempo lernen. Man sagt zwar immer, naja, wenn die Gruppen heterogen sind und da ist ein Guter

[26:35] dabei, dann kann der dem anderen was beibringen. Funktioniert suboptimal, weil die Guten meistens

[26:42] die Fehler der nicht ganz so Guten einfach aus dem Programmcode rausbasteln zum Beispiel und

[26:47] der andere relativ wenig lernt. Und mit homogenen Gruppen haben wir bessere Erfahrungen gemacht. Das

[26:53] ist einfach so der Hintergrund. Also wir teilen die vorher mit dem ersten Selbsttestbaustein und

[26:59] kleinen Coaching von uns in verschiedene Gruppen ein. Und für manche Gruppen sind alle Bausteine,

[27:07] die wir da haben, Pflicht. Und jetzt kommt tatsächlich der erste. Der nennt sich Logik

[27:11] der Programmierung. Ist so ein bisschen sich mit unterschiedlichen Möglichkeiten der Darstellung

[27:17] von Programmabläufen zu befassen. Einfach mal in diese ganze Denke reinzukommen. Oder was ist denn

[27:23] eine Variable? Wo kann ich einen Wert wie speichern, ohne Datentypen mit reinzubringen,

[27:28] sondern einfach, wie mache ich es? Wie könnte ich es dem Rechner verklickern? Das ist so der erste

[27:35] Baustein. Ja, wer schon in Java programmiert hat, der braucht sich diesen Baustein nicht antun. Er

[27:40] darf das aber machen. Also ich habe auch Azubis, die sagen, man kann immer was dazulernen. Möchte

[27:45] ich gern dabei sein. Also wir versuchen dann Pflichtbausteine für die einen, optionale Bausteine

[27:50] für die anderen zu machen, um auf jeden irgendwie eingehen zu können. Also erster Baustein quasi

[27:57] Logik der Programmierung. Dann folgen ein paar Bausteine, die so dann der erste, wo man an die

[28:06] Programmierung rangeführt wird und dann wirklich auch mal. Jetzt müssen wir uns um Datentypen

[28:10] kümmern für unsere Abläufe, die wir vorher gemacht haben. Also jeder Baustein baut dann auch auf dem

[28:15] anderen auf. Im Stand-up reflektieren wir nochmal den letzten Baustein. Das ist so diese

[28:21] Vorwissensgeschichte, die wir damit verknüpfen und dann kommt immer so ein bisschen mehr dazu. Also

[28:26] in homöopathischen Dosen, sage ich mal. Dann kommen ein, zwei Bausteine zu Algorithmen,

[28:30] zu grundlegenden Datenstrukturen. Dann fangen wir mit Objektorientierung an und es geht dann bis im

[28:36] letzten Baustein, wo wir uns mit eher abstrakten Konzepten, wo man dann bei Vererbung, Interfaces

[28:43] und solchen Dingen landen. Da ist jetzt aber auch schon ein halbes Jahr Pi mal Daumen ins Land

[28:49] gegangen. Das finde ich schon mal sehr interessant, vor allem auch so eine Vorstellung zu haben, wie

[28:53] lange das dann dauert. Also ich sage jetzt einfach mal, wenn ich so komplett bis hin zu

[28:57] Vererbung, Interface und so, ich sage jetzt mal ganz gut, programmieren lernen will, kann ich

[29:01] ungefähr sechs Monate rechnen, wobei individuell auf mich als Azubi eingegangen wird. Wenn ich schon

[29:06] was mitbringe, geht es vielleicht schneller, weil ich Bausteine überspringen kann. Wenn ich noch

[29:09] nicht so viel weiß, mache ich halt quasi das ganze Paket mit. Richtig verstanden, ja? Genau,

[29:13] und dann dauert es vielleicht auch länger, wobei ich sagen muss, was uns jetzt sehr überrascht hat.

[29:18] Also der ursprüngliche Gedanke war mal, können wir uns Zeit sparen? Klar, man versucht immer

[29:23] irgendwas zu optimieren. Geht es nicht auch ein bisschen schneller? Müssen wir drei, vier Wochen

[29:30] Schulungsblöcke irgendwo reinbauen? Kann man das nicht mit weniger Aufwand betreiben? Neben dem

[29:37] weniger Aufwand, den wir tatsächlich auch haben, lernen die Azubis tatsächlich schneller. Also es

[29:43] ist kein Witz, wir sind überrascht worden, welches Tempo nach gewisser Zeit, wenn sich die

[29:48] Auszubildenden an die Methode gewöhnt haben, die passen sich an diese Methode an, die sie von der

[29:53] Schule nicht unbedingt können. Wir haben einen Gewinn an Selbstständigkeit und wirklich ein

[29:57] höheres Lerntempo. Also ich fand es früher immer ganz schwierig, gerade wenn man zu diesen abstrakteren

[30:05] Themen kommt. Wenn es wirklich um Vererbung und solche Dinge geht, ist das schon nicht ganz

[30:11] trivial und das ist jetzt inzwischen fast schon ein Selbstläufer. Also die Azubis saugen das

[30:16] quasi auf, weil sie schon eine Arbeitstechnik gelernt haben, wie sie sich an neue Themen

[30:22] ranmachen sollen. Dadurch, dass unsere ganzen zwei Tagesblöcke immer gleich sind, wissen sie schon,

[30:28] was kommt und im letzten Block machen sie das quasi schon selbstständig. Also sie machen selber

[30:32] ein Daily und machen ihr Backlog und gucken sich Themen an. Die verinnerlichen quasi diese

[30:39] Arbeitsmethode und das funktioniert wirklich super gut. Also kann ich nur jedem raten,

[30:44] das vielleicht mal auszuprobieren. Das finde ich natürlich cool, weil man beim Lernen damit auch

[30:50] gleichzeitig nochmal wieder das Lernen lernt, wenn man so will. So eine neue Methode lernt,

[30:55] sich vielleicht das Wissen einzuteilen oder häppchenweise vorzugehen und das finde ich eine

[31:00] coole Sache, weil wir ja gerade in der IT darauf achten müssen, dass die Leute auch dieses berühmte

[31:03] lebenslange Lernen irgendwie auf dem Schirm kriegen und wenn man das direkt ab dem ersten

[31:07] Ausbildungsjahr selber macht, das ist ja eine tolle Sache. Also es dauert etwas. Es ist jetzt

[31:12] nicht von Anfang an ein Selbstläufer, das muss man auch dazu sagen. Ich habe mir hier mal mitgenommen

[31:17] so von dem ersten Retro. Also es ist keine lange Retro, wir reden von einem Zwei-Tages-Baustein und

[31:23] da machen wir am letzten Tag spät Nachmittag so eine Stunde Feedback oder so. Das ist unsere Retro

[31:28] und man sieht auch an diesen Retros, wie die Azubis langsam was verinnerlichen. Die erste Retro,

[31:36] ich habe hier mal von, ich glaube, das war Logik der Programmierung. Ja, da gab es so vier Felder

[31:42] mit lachenden Gesichtern, mit einer Glühbirne, mit Aha-Effekten und so und bei dem einen lachenden

[31:48] Gesichter habe ich jetzt, dass der Kaffee gut war zum Beispiel als Kommentar eines Azubis,

[31:52] also anonym auf Karten. Der hat jetzt noch nicht so viel gelernt, worum es im Leben vielleicht

[31:57] geht. Also gut, der Kaffee ist wichtig, aber trotzdem. Also es hat schon auch Sinn, dass der

[32:05] Kaffee gut ist, aber der hat noch nicht so richtig verstanden, worum es dabei geht. Ja,

[32:10] dann habe ich so ein weinendes Gesicht. Da hat einer gemeint bei Logik der Programmierung,

[32:14] boah, das war mir fast zu technisch. Jetzt weiß ich nicht, von wem das war,

[32:19] aber irgendeiner ist da wohl drunter. Mit dem muss ich nochmal reden, ob Fachinformatiker

[32:22] das Richtige für ihn ist. Na ja, wenn Logik der Programmierung schon so technisch ist,

[32:27] was machen wir dann, wenn es technisch wird? Also solche Sachen können natürlich dabei auch

[32:33] rauskommen, aber dann war es so Sachen, wo man sieht, na ja, sind noch sehr schuldgetriggert.

[32:41] Da steht dann drin, wir sollten mehr Übungen gemeinsam machen. Na ja,

[32:47] wo hält dich denn davon ab, mit deinem Kumpel, mit deinem Mitazubi irgendwas gemeinsam zu machen?

[32:54] Das ist noch so die Vorstellung, der Lehrer muss mir dann sagen, jetzt mach dir bitte eine

[32:58] Gruppenarbeit. Also es ist wirklich am Anfang nicht ganz einfach, dieses Selbstständige,

[33:03] wir wollen miteinander irgendwas lernen, miteinander arbeiten. Wir wollen vielleicht

[33:06] auch Wissen teilen, was später mal sehr wichtig ist, damit hinzukriegen. Aber so peu a peu

[33:13] funktioniert es dann. Jetzt habe ich mal ein paar Bausteine später hier mir noch ein Feedback

[33:18] mitgenommen und da ist nichts mehr von Kaffee. Da ist auch nicht mehr, wir könnten, das ist

[33:24] übrigens Datenbanken, weil deine Fragen waren auch irgendwas wie, wie macht ihr das zum Beispiel bei

[33:28] einem Datenbankbaustein? Da ist nichts mehr von Kaffee trinken, da ist auch nichts mehr,

[33:33] kann ich nicht mit jemand anders zusammen lernen, sondern da kommen dann wirklich bei

[33:38] der Normalisierung, ich habe jetzt noch irgendwie die IDEF 1x Methode im Internet entdeckt, die

[33:44] hätten wir uns vielleicht noch angucken sollen. Dann hatte ich da irgendwo als Baustein so ein

[33:48] kleines SQL Spiel, SQL Island, weiß ich nicht, ob du das kennst, von so einer Hochschule auch,

[33:54] das ist quasi so ein Textadventure und man unterhält sich per SQL. Also recht nett gemacht

[34:00] und einer war dann, er sagt, bitte keine SQL Spiele mehr, ich kann es nicht mehr sehen,

[34:05] das habe ich schon, ja. Da ist wirklich die Diskussion dann inhaltlich oder wir hätten

[34:11] vielleicht mehr Präsentationen machen sollen, also früher haben die Leute in den Schulen

[34:15] irgendwie immer das Präsentieren gehasst und hier war, ich hätte mir gerne noch eine Präsentation

[34:19] gewünscht, also da merkt man schon, das sind so ein paar Bausteinchen dazwischen, aber man merkt,

[34:25] wie die Leute an das denken. Also nicht mehr so das Oberflächliche oder der Lehrer muss mir was

[34:29] sagen, sondern wie hätten wir noch besser lernen können, was hat uns inhaltlich vielleicht gefehlt,

[34:34] wie hätten wir das noch einbringen können und es gibt mir auch wieder Rückmeldung, was muss ich

[34:38] vielleicht in den Bausteinen noch ein bisschen verändern, dass die nächste Gruppe noch mehr davon

[34:43] hat, also wenn sie es machen lässt. Ich nutze diese iterative Geschichte natürlich auch,

[34:48] diese Zyklen auch, um die Bausteine zu verbessern oder zu verändern.

[34:52] Wie klappt denn das mit dem Verbessern? Also kannst du es quasi direkt in der nächsten

[34:56] Iteration, also mit dem nächsten Ausbildungsjahrgang dann umsetzen, das wäre dann quasi ein Jahr

[35:00] dazwischen oder wie schnell sind da deine eigenen Feedback-Zyklen?

[35:03] Ich kann es vielleicht auch schon vorher testen. Ich habe ja gerade mal so ein bisschen unser

[35:07] Mengengerüst gesagt. Jetzt habe ich natürlich nicht nur drei Azubis in einer Schulung, sondern

[35:13] meistens etwas mehr, weil ich aber auch nicht 30 Azubis gleichzeitig vor mir sitzen haben möchte,

[35:19] wie in einer Schulklasse, da arbeitet es sich immer irgendwie schwer, haben wir so,

[35:23] ja ich sage mal Pi mal Daumen immer zehn Mann und wenn ich jetzt 30 IT-Azubis in einem Lehrjahr

[35:29] habe, dann mache ich den Durchgang halt dreimal mit drei unterschiedlichen Gruppen. Auch eben ein

[35:35] bisschen schon abgestimmt auf das Niveau der Gruppen. Wir haben ja gerade am Anfang gesagt,

[35:39] ja von wegen Homogenität und da habe ich dann gleich die Gelegenheit, bei der nächsten Gruppe

[35:44] die Erkenntnisse der ersten wieder mit einfließen zu lassen.

[35:47] Das ist ja top. Also da kriegst du ja auch sogar als Trainer quasi direktes Feedback,

[35:51] wie wir es immer haben wollen bei Scrum, direkt im nächsten Durchlauf. Das ist ja optimal.

[35:54] Ja, am Anfang trauen sie sich noch nicht, das direkte Feedback zu geben. Jetzt ist es ja blöd,

[36:00] dem Ausbildungsleiter zu sagen, dass irgendwas nicht so gut war, aber sie kriegen auch mit,

[36:05] dass wir das wollen. Also das ist ja der Witz an dieser ganzen Methode oder auch an diesen

[36:10] agilen Methoden, diese immerwährenden Zyklen und dass wir uns halt verbessern wollen und da ist

[36:16] ehrliches Feedback einfach wichtig. Aber irgendwann, wie gesagt, kriegen sie mit,

[36:21] wir sind an Feedback, wenn es konstruktiv ist, interessiert. Und auch, wenn jemand den Kaffee

[36:26] lobt oder die Kaffeemaschine, damit kann ich auch professionell umgehen.

[36:29] Ja, sehr gut. Ja, meine Frage, die du gerade angesprochen hast, die tatsächlich auf der

[36:36] Liste stand, wie jetzt bei konkreten Technologiefragen vorgeht, aber ich glaube,

[36:39] das hat sich schon selbst beantwortet. Also ich habe zum Beispiel einen Baustein,

[36:42] was auch immer, SQL und dann wird das halt in diesem Baustein gemacht.

[36:45] Genau.

[36:46] Dann würde ich noch gerne eine Frage stellen, zwar haben wir jetzt quasi,

[36:49] ich glaube, ein bisschen implizit die ganze Zeit von Softwareentwicklung geredet. Macht

[36:53] ihr auch noch die anderen IT-Berufe, zum Beispiel Systemintegrator und wenn ja,

[36:57] macht der auch diese Programmierbausteine mit oder ist das dann noch irgendwie anders?

[37:00] Der macht die auch mit bis zu einem gewissen Grad. Jetzt müssen wir wieder ins Berufsbild

[37:06] vielleicht gucken. Die IT-Berufe sind sich ja in diesen Kernqualifikationen, das war ja neu im

[37:15] Prinzip, zu sagen, okay, ich habe eine Berufsfamilie und diese Berufsfamilie, die haben

[37:20] alle irgendwas gemeinsam, diese Kernqualifikationen. Und wenn ich in diese Kernqualifikationen gucke,

[37:27] muss ja jeder von diesen IT-Berufen, also nicht nur die Fachinformatiker, ein bisschen was von

[37:32] Programmierung sollten die schon verstehen. Auch die IT-Systemkaufleute oder die Informatik-Kaufleute

[37:37] haben zumindest so ein kleines Bausteinchen, ich glaube, das ist Berufsbild Punkt 5,

[37:41] haben so ein kleines Programmierbausteinchen drin. Das heißt, auch diejenigen durchlaufen

[37:47] die ersten Bausteinchen, so Logik, grundlegende Algorithmen etc. Dann haben die Fachinformatiker

[37:57] diese Berufsbild prägenden Qualifikationen, wie sie auch immer heißen mögen, wo dann deutlich

[38:04] herausgearbeitet wird auch im Berufsbild, ja, das sind Fachinformatiker, das ist schon etwas

[38:08] Spezieller. Die müssen schon ein bisschen tiefer einsteigen. Da sind dann noch Anwendungsentwickler

[38:12] und Systemintegratoren zusammen. Das ist jetzt, glaube ich, der Berufsbild Punkt 6. Also ist die

[38:18] Hausaufgabe zum Nachlesen für die Hörer. Mal überprüfen, ob das noch stimmt. Und da sind

[38:23] auch noch alle zusammen, also alle Fachinformatiker zumindest. Und irgendwann, wenn es dann darum geht,

[38:30] in die Tiefen der Benutzeroberflächen einzusteigen, naja, jetzt wird es für die

[38:37] Fachinformatiker Systemintegration dann langsam, läuft es da ein bisschen aus dem Ruder. Da sind

[38:42] die nicht mehr unbedingt dabei, weil das später nicht ihr Job sein wird und es kommt, glaube ich,

[38:47] im Berufsbild auch etwas später. Und so versuchen wir, alle Berufe am Anfang mitzunehmen und dann

[38:52] dünnt sich das so ein bisschen aus, bis wir wirklich beim Spezialwissen für die Anwendungsentwickler

[38:58] angekommen sind. Okay, verstehe. Und jetzt hattest du vorhin schon mal gesagt,

[39:02] also wir hatten kurz über dieses Backlog gesprochen. Du hattest jetzt gesagt,

[39:05] sobald so ein Baustein beginnt, gibt es quasi ein Backlog. Wenn ich es richtig verstanden habe,

[39:09] wo jetzt zumindest so grob die Themen draufstehen, die da jetzt gelernt werden sollen. Kann man sich

[39:13] dann ganz klassisch vorstellen, dass ihr dann auch morgens oder mittags oder wann auch immer

[39:16] an so einem Kanban-Board steht und schön die Themen von A nach B verschiebt? Oder wie läuft

[39:20] das dann ab? Genau so machen wir das. Also wir pinnen es am Anfang der Schulung hin,

[39:24] also vorher weiße Fläche, dann kommen so ein paar Themen, dann machen wir unsere Wissensabfrage,

[39:28] dann ergänzen wir das Ding. Ja, und immer, wenn wir was haben, dann pinnen wir das rüber. Dann

[39:32] weiß jeder bei dem Baustein, Mensch, wo bin ich gerade? Was kommt noch? Und vor allem,

[39:36] ich kann es auch mitbestimmen. Das ist ja auch so ein ganz zentrales Element der agilen Entwicklung,

[39:46] ja, dass ich das Backlog mit priorisieren kann. Klar, also jetzt, um noch mal ein paar Buzzwords

[39:52] zu bringen. Ich bin sozusagen der Product Owner des Bildungsprodukts. Also ich habe schon ein

[39:56] paar Pflichtpunkte, die ich rüberbringen möchte als Product Owner, weil ich weiß,

[40:01] was wir im Haus brauchen. Das müssen wir einfach lernen. Das hilft nichts anderes.

[40:05] Also die priorisiere ich natürlich sehr hoch, aber andere Punkte kann man gerne auch aufnehmen und

[40:12] auch so ein bisschen umpriorisieren. Die ziehen sich dann die Azubis und steuern das so ein bisschen,

[40:16] in welche Richtung das es geht. Lernen dann die Azubis quasi auch mit dir als Product Owner zu

[40:21] kommunizieren? Also macht ihr da dann so ein, ich weiß nicht, Sprint Planning und dann sagst du,

[40:27] wie die Sachen priorisiert sind oder warum das so ist oder also spielt ihr auch wirklich so die

[40:32] Rollen so ein bisschen durch? Im zunehmenden Maße, also beim ersten Baustein noch nicht,

[40:37] sondern es kommt immer von Baustein zu Baustein kommt so ein weiterer agiler Aspekt dazu, wo

[40:46] auch dann tatsächlich die Azubis in die unterschiedlichen Rollen schlüpfen zum Beispiel.

[40:51] Also jetzt bin am Anfang bin ich alles in einer Person, da bin ich Product Owner, Scrum Master,

[40:56] weil ich über den Prozess herrsche sozusagen und sage, so machen wir das jetzt erstmal. Aber

[41:02] in zunehmendem Maße übernehmen das die Azubis und es gipfelt dann, das besondere Zuckerl habe

[41:08] ich noch nicht verraten, das gipfelt in so einer Projektwoche. Die haben wir aktuell tatsächlich,

[41:13] also wir haben gerade ein paar Leute in einer Projektwoche sitzen und da nehmen dann die Azubis

[41:21] wirklich die klassischen Rollen ein. Es gibt nur noch einen Product Owner, der auch wirklich ein

[41:25] Produkt will und die arbeiten in kleinen Teams, drei bis vier Mann, in einem Wettbewerb, das macht

[41:31] sich auch immer gut, an einem Prototyp von Software für ein konkretes Problem aus dem Fachbereich. Also

[41:37] da versuche ich auch immer, dass ich aus dem Haus eine Projektaufgabe finde, wo man in einer Woche

[41:42] ganz guten Prototyp basteln kann. Und da sind wir momentan dabei und bis dahin haben die Azubis

[41:50] diese einzelnen Steps so verinnerlicht, dass sie den Prozess tatsächlich nach Scrum selber

[41:55] steuern können, auf einem gewissen Level natürlich. Also das hört sich mega spannend an, am Ende dieser

[42:02] kleinen Ausbildung, innerhalb der Ausbildung wirklich ein echtes Projekt mit Kollegen in

[42:06] den Rollen durchzuführen. Also kann man ja quasi direkt in den Beruf starten danach.

[42:10] Da kann man wirklich gut starten und ich glaube, das schätzen auch unsere Fachbereiche,

[42:16] dass die Azubis, die sind vorher natürlich schon dort, weil unsere zwei Tagesbausteine füllen nicht

[42:21] eine ganze Woche, wie der Name schon sagt, nämlich nur zwei Tage. Die anderen drei Tage sind sie schon

[42:26] im Fachbereich und die können so quasi das, was sie bei uns lernen, auch immer gleich wieder mit

[42:30] einfließen lassen. Und das schätzen die Fachbereiche natürlich auch, dass die Azubis sukzessive in einem

[42:35] halben Jahr immer wieder mit neuem Wissen oder neuen Fähigkeiten da ankommen und sehr gut in

[42:41] den Entwicklungsprozess schon im ersten Ausbildungsjahr integrierbar sind.

[42:45] Und für diese zwei Tage, wo sie in der Schulung sind, das ist dann quasi euer Job als Ausbildungsteam,

[42:50] die Leute da zu betreuen und die restlichen drei Tage macht ihr dann halt alles, was noch so anfällt

[42:55] in der Ausbildung, richtig?

[42:56] Genau, beziehungsweise ich habe ja gerade gesagt, wenn ich drei Gruppen habe, die ich jeweils zwei

[43:00] Tage die Woche beschule, nein, ich bin den Samstag nicht mit drin für die Rechenkünstler, sondern es

[43:05] ist dann vielleicht Freitag und Montag. Also wir sind ausgelastet, auch wenn wir nur in Anführungszeichen

[43:11] zwei Tage Schulung machen pro Gruppe. Es gibt mehrere Gruppen und das Ganze will ja auch noch ein

[43:15] bisschen konzipiert werden von daher. Also es wird uns nicht langweilig.

[43:19] Ja, das glaube ich auf jeden Fall. Wenn ihr jetzt in den zwei Tagen da sitzt in der Schulung,

[43:24] kann man sich das so vorstellen? Also es ist bestimmt nicht die ganze Zeit Frontbeschaltung,

[43:28] hattest du ja auch schon gesagt, aber ist es eine Art, ja, das hört man heute so oft,

[43:33] irgendwie Ausbilder als Coach, dass man quasi nur beratend dabei steht, während die eigentlich die

[43:38] Arbeit machen und selber lernen? Oder nimmst du da verschiedene Rollen ein? Oder wie anders

[43:42] gefragt, also wie sehen da vielleicht die Schulungsmaßnahmen aus?

[43:46] Also letzteres. Du hast von verschiedenen Rollen gesprochen. Ja, ich nehme verschiedene

[43:50] Rollen ein. Also ich halte weder was von, wir machen jetzt eine Woche Frontalbeschallung,

[43:58] wie ich bin nur noch der Coach und irgendwie, sondern ich glaube, der Mix macht es. Man muss

[44:05] halt immer drauf gucken, was braucht derjenige gerade, um gut lernen zu können, mit dem ich hier

[44:11] arbeite. Und das hängt von der Einstellung des Azubis ab, vom Vorwissen, von der Selbstständigkeit,

[44:16] von ja auch von der Geschwindigkeit, mit dem er lernt. Was ist er für ein Lerntyp? Und darauf

[44:23] versuchen wir eben einzugehen und da muss ich dann halt in unterschiedliche Rollen schlüpfen. Ich

[44:29] versuche es zumindest. Das ist die Herausforderung für uns, aber ich denke, das ist auch das,

[44:33] was den meisten Spaß macht. Da passt ganz gut eine Frage, die ich tatsächlich noch auf der

[44:37] Agenda hatte. Und zwar gibt es auch Azubis, die mit diesem Lernkonzept überhaupt nicht

[44:41] klarkommen, die eigentlich irgendwie, ich weiß es nicht, die lieber einfach aus dem Buch lernen

[44:45] oder acht Stunden am Tag selber programmieren wollen. Also gibt es Leute, die einfach in

[44:48] dieses agile Prinzip nicht so reinpassen? Der eine kann es leichter verinnerlichen,

[44:52] der andere schwerer. Aber bis jetzt habe ich tatsächlich noch nicht erlebt, dass jemand gar

[44:58] nicht hineinpasst oder das gar nicht irgendwie für sich nutzen könnte. Dann würde ich mir auch beim

[45:05] Anwendungsentwickler Sorgen machen, wenn er mit diesem agilen Konzept nicht zurechtkommt und

[45:13] möchte Softwareentwickler werden, bei uns jetzt im Haus. Wie soll er in einem agilen Software-Team

[45:19] dann mitarbeiten können, wenn er jetzt schon für sich das nicht hinkriegt? Also würde ich für

[45:23] Schwierigkeiten, aber wie gesagt, toi toi toi, ist mir bis jetzt so noch nicht passiert. Dass

[45:29] jemand mal Schwierigkeiten hat bei dem Thema Programmierung, ist ja doch recht abstrakt und

[45:34] sich das vielleicht anders vorgestellt hat. Ja, das kann passieren. Aber jetzt mit der Methode

[45:40] an sich, nach gewisser Eingewöhnung, kommen die Leute, glaube ich, recht gut damit zurecht.

[45:44] Ganz klar. Wenn wir später auch so arbeiten müssen und wir stellen schon in der Ausbildung fest,

[45:49] dass es nicht passt, klar, ja, dann sollte ich vielleicht einen anderen Beruf wählen. Das ist

[45:52] wohl so. Ja, ich finde es immer nur so interessant, wenn ich jetzt überlege, meine Ausbildung umzustellen

[45:57] auf dieses Modell so als Unternehmen vielleicht. Ja, vielleicht sagst du ja, da gibt es ganz viele,

[46:01] die kommen damit nicht klar. Aber nee, dann nehme ich erst mal mit, dass das grundsätzlich gut

[46:05] funktioniert und klar, dass wir immer individuelle Lernschwierigkeiten in Anführungszeichen haben.

[46:09] Klar, das gibt es natürlich immer. Das bringt mich vielleicht gleich zur nächsten Frage. Und zwar,

[46:13] wo in diesem ganzen Konzept macht ihr denn so eine Art Erfolgskontrolle? Also macht ihr da mal

[46:19] so einen schriftlichen Test oder so ein simuliertes Fachgespräch und eine Art Bewertung oder Feedback?

[46:23] Also woher wissen die Azubis, dass sie auch wirklich das gelernt haben, was sie hätten

[46:27] lernen sollen in so einem Baustein? Also Feedback gibt es eigentlich permanent. Da ich ja sowieso mit

[46:33] den Azubis arbeite. Du hast gerade von Coach gesprochen oder ich habe auch von Coach gesprochen.

[46:37] Ich bin mit denen auch manchmal am Rechner und dann haben die ein Problem. Dann gucken wir in

[46:41] den Code rein. Dann stelle ich ein paar Fragen dazu, aber jetzt nicht, um die irgendwie prüfen

[46:46] oder testen zu wollen, sondern ich möchte die ja weiterbringen. Sehe aber natürlich sehr gut,

[46:50] wo der Einzelne steht. Und wir nehmen uns dann auch Zeit und machen so nach drei Bausteinen,

[46:57] wenn wir jetzt sagen, okay, jetzt haben wir sie doch intensiver kennengelernt. Dann nehmen wir

[47:01] uns mal wirklich Zeit und nehmen uns mal einen Freitag her und versuchen mit jedem halbe Stunde,

[47:06] Stunde zu sprechen, was wir denken, wo er steht, wo er vielleicht noch was tun könnte

[47:11] und versuchen auch rauszukriegen, wie sich der oder diejenige fühlt. Also ich glaube,

[47:15] permanentes Feedback macht es. Ich bin jetzt kein Freund von irgendwelchen Tests. Ich bin froh,

[47:22] dass ich innerbetrieblich keine schreiben muss, weil dann müsste ich die ja auch korrigieren.

[47:26] Das mache ich nicht gern. Das lasse ich der Schule machen. Am Ende geben uns die Ergebnisse recht.

[47:32] Also wenn jetzt unsere Azubis alle Grotten schlecht in der Prüfung abschneiden würden,

[47:36] sei es im Fachgespräch, Projektarbeit später oder bei der theoretischen Prüfung,

[47:41] dann würde ich mir Sorgen machen. Dann müsste ich sagen, also die Methode taugt anscheinend

[47:44] nichts, weil ich denke, die sind gut für uns geeignet und haben das Berufsbild gelernt und

[47:49] hinterher können sie nichts. Aber da das eben nicht der Fall ist, da die relativ gut eigentlich

[47:55] schon – ich will ja jetzt nicht angeben, ja, da will ich doch – überdurchschnittlich abschneiden,

[48:01] bin ich da eigentlich recht zuversichtlich, dass die Methoden unserer Feedbacks auch ohne

[48:07] Leistungskontrolle funktionieren. Und in den Fachbereichen gibt es übrigens auch regelmäßige

[48:13] Feedbackrunden in längerem Zyklus, so sechs bis acht Wochen, setzen wir uns auch hier zusammen,

[48:19] geben uns Feedback. Ja, offene Feedbackkultur, ich glaube, das ist ganz wichtig und das lernen

[48:25] die auch da schon in diesem Baustein. Okay, das finde ich sehr, sehr gut. Hintergrund meiner

[48:31] Frage ist unter anderem auch, wir kennen die IHK-Prüfung, wo die alle am Ende durch müssen

[48:35] und die Fragestellungen oder die Themen sind ja manchmal so ein bisschen komisch und deswegen

[48:39] hätte ich jetzt gedacht, vielleicht gibt es ja am Ende eines Bausteins nochmal, keine Ahnung,

[48:42] wir machen jetzt gemeinsam mal vier IHK-Prüfungen durch, um zu gucken, ob ihr das richtig verstanden

[48:46] habt, wie die IHK es denn gern von euch hören will. Also, wir haben gerade von dem Baden-Bank-Baustein

[48:52] gesprochen. Ich habe tatsächlich am Ende so zwei, drei IHK-Aufgaben mal reingestreut und die machen

[48:58] wir dann einfach und gucken, was bei rauskommt. Also, ist mit drin und dann sehen wir ganz gut,

[49:04] ob es funktioniert. Ja, also kurz zwischendurch, also läuft super. Ich muss mir schon hier

[49:10] durchstreichen, was wir alle schon nebenbei mit beantwortet haben, weil das ist super,

[49:13] super spannend und ganz klasse. Ich bin auch begeistert von der ganzen Sache. Ich glaube,

[49:19] das kam so ein bisschen in Ansätzen vielleicht rüber, dass ich wirklich glaube,

[49:23] dass diese agile Methode funktioniert. Zweckhalte ich die Mittel, Ergebnis gibt mir zumindest recht

[49:32] und ich bin Fan von. Ja, ich glaube zu Recht. Also, das hört sich wirklich spannend an. Ich

[49:36] könnte mir auch vorstellen, einfach als Azubi, dass es auch mega Spaß macht, dieses Selbstverantwortliche

[49:42] und im Team arbeiten und am Ende so ein kleines Projekt machen. Also, das ist einfach, ja,

[49:46] learning by doing und rein ins kalte Wasser und machen und so. Das finde ich echt super.

[49:51] Du kannst dich ja gerne nochmal bei uns bewerben, vielleicht.

[49:53] Ja, da haben wir das gleiche Problem, dass Nürnberg so ein paar Kilometer weg ist.

[49:57] Was ich noch für eine Frage hätte. Du hast jetzt schon oft erzählt von diesem Baustein. Was steckt

[50:10] da genau vielleicht an Material dahinter? Habt ihr da zum Beispiel irgendwie, ich weiß es nicht,

[50:13] Videokurse ausgearbeitet oder irgendwelche schriftlichen Sachen, die sich durchlesen oder

[50:18] vielleicht sogar ein Podcast aufgenommen oder irgendwas? Oder welcher Aufwand steckt für den

[50:22] Ersteller dieses Bausteins dahinter? Der Ersteller des Bausteins. Also,

[50:26] wir haben für jeden diesen Baustein eine sogenannte Lernzielplanung. Also,

[50:29] wir haben das natürlich für uns schon ein bisschen formalisiert, wo eben drin steht,

[50:32] was ist das Ziel einer Lernsequenz? Welche Methoden oder welchen Methoden Mix wollen

[50:38] und können wir anwenden? Das sind dann auch so ein paar Beispiele, was man machen kann.

[50:41] Woran messen wir vielleicht den Erfolg? Was wollen wir bei den Azubis sehen? Und ja,

[50:47] das sind noch ein paar Medien, die man dazu verwenden kann. So ist die Lernzielplanung

[50:51] eines jeden Bausteins aufgebaut. Und dann ist die im Prinzip in Abschnitte gegliedert. Also,

[51:00] jetzt nicht minutenweise, sondern eher stundenweise, wo man sagt, na ja, aus unserer

[51:05] Erfahrung brauchen die Leute eines gewissen Levels so lange, um sich mit, keine Ahnung,

[51:11] drei Schichten Architektur von Datenbanken zu befassen oder mit Entity-Relationship-Modellierung

[51:16] oder, oder, oder. Und das muss jemand, der so einen Baustein konzipiert, eben tun und sich

[51:26] Gedanken machen, wie könnte ich ein Thema rüberbringen? Wie könnten die Azubis dieses

[51:32] Thema gut begreifen? Und da sammeln wir zum Beispiel auch Medien, die wir verwenden können.

[51:38] Also, ich habe gerade von diesem SQL-Island gesprochen. Das ist da zum Beispiel als Link

[51:42] drin zu sagen, damit kannst du es probieren. Wenn ich jetzt Azubis habe, die da drauf stehen,

[51:48] jetzt, wenn die alle keinen Bock haben auf so einen SQL-Text-Adventure, wird es natürlich

[51:51] nichts. Dann brauche ich irgendwas anderes. Und so haben wir da auch so einen Methoden-Mix,

[51:56] was wir tun können. Wir haben tatsächlich auch schon selber, weil du es angesprochen hast,

[52:00] Videos gedreht als Lernvideos, haben dann aber gemerkt, dass wir mit den Azubis zusammen,

[52:07] also die haben die Idee, die haben das Video gedreht, die haben dann einen Tag Video gedreht

[52:10] über Try and Catch. Das war natürlich ein bisschen viel Zeit dafür. Und die Outtakes

[52:17] dieser Videos waren eigentlich das Beste an der Sache. Von daher sind wir von den Videos

[52:21] wieder so ein bisschen abgekommen. Die drehen wir jetzt nicht mehr selber, aber wir empfehlen

[52:26] das Internet ist voll von Videos, also wir müssen nicht noch selber welche drehen. Wobei

[52:30] Teaching is learning twice. Von daher, es bringt schon was, sich mit einem Thema zu beschäftigen,

[52:36] um das andere näher zu bringen. Aber das haben wir ja quasi auch in unseren Modulen integriert,

[52:41] wenn sie sich gegenseitig ein Thema vorstellen sollen zum Beispiel.

[52:44] Das ist ja auch eine coole Geschichte, dass sie sich mal zumindest ausprobieren durften

[52:49] als Videodreher. Finde ich ja witzig. Der Hintergrund meiner Frage ist, dass ich seit

[52:53] Jahren auch irgendwie gerade die Einführung und die Programmierung mit so einem selbstentwickelten

[52:57] Java Tutorial mache. Und irgendwie merke ich halt über die Jahre auch das ganz schön viel Aufwand,

[53:03] das immer auf den neuesten Stand zu bringen. Und ich frage mich einfach, ob ihr das alles

[53:07] auch in-house quasi abdeckt oder ob ihr einfach verfügbare oder vorhandene Medien dafür nutzt.

[53:12] Genau, wir nutzen, was es gibt. Also wir haben hier quasi diese Lernzielplanung ist auch wieder

[53:18] der Rahmen. Und wir füllen den aus mit Medien und Inhalten, die es gibt. Und dann wird natürlich

[53:27] die Sache nicht ganz so aufwendig, weil dann müssen wir nur den Rahmen aktuell halten und

[53:33] bedienen uns quasi. Das Internet ist groß. Gibt es viele kostenlose Inhalte. Es gibt auch welche,

[53:39] die man kaufen muss. Machen wir dann halt auch, wenn es Not tut oder wenn es gut ist, der Inhalt.

[53:45] Und wir bedienen uns daran und reichern die Bausteine dadurch an. Das kann auch mal eine App

[53:51] sein. Es gibt so eine nette kleine App, die nennt sich Human Resource Machine. Ich weiß nicht,

[53:56] ob du die zufällig kennst. Das ist so ein kleines Männchen, das muss immer irgendwelche Probleme

[54:02] lösen. Es geht immer irgendwie Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe. Da ist so ein Band,

[54:05] da laufen immer irgendwelche Sachen rein und in irgendeiner anderen Reihenfolge müssen sie auf

[54:09] das Band raus. Und der muss eine gewisse Logik entwickeln, um aus der Eingabe die passende

[54:15] Ausgabe zu machen. Und es ist ganz geckig gemacht. Es ist ganz, ganz lustig. Und ja,

[54:22] es ist so eine Art Programmablaufplan, die man dann da formulieren muss. Aber das ist ganz nett,

[54:27] um jemand in die Logik reinzukriegen. Manche Azubis fanden es super toll. Andere fanden es

[54:33] total blöd. Wie es halt immer so ist. Aber wir haben diese App auf unserer Liste. Und wenn dir

[54:40] jemand gefällt, dann kann er sie sich installieren. Kostet ein paar Euro. Und kann sich da in diese

[54:46] Programmierlogik so ein bisschen zusätzlich einarbeiten. Manche mögen eher mathematische,

[54:52] abstrakte Probleme. Da gibt es diverse Webplattformen. Project Euler heißt die eine.

[54:57] Da sind sehr viele mathematische Probleme. Wenn man das Problem gelöst hat, kriegt man

[55:03] meistens irgendeinen Zahlenwert raus. Und das ist der Schlüssel, um auf dieser Webplattform ein

[55:07] Step quasi weiterzukommen oder einen Haken dahinter zu kriegen. Also manche stehen da drauf. Also gut,

[55:12] dann machen die halt Project Euler Aufgaben. Ja, und so versuchen wir eben reinzugeben,

[55:20] was die Azubis möglicherweise weiterbringt. Ja, kein Gedanke. Auch hier höre ich wieder

[55:25] durch. Es ist einfach auf jeden Azubi individuell zugeschnitten. Und was der eine gut findet,

[55:30] der andere vielleicht doof. Ja, das ist, glaube ich, auch schon mal ein wichtiger Inhalt. Dass

[55:34] man vielleicht so, wie für mich auch, nicht zehn Jahre lang das gleiche Tutorial anbieten kann,

[55:39] weil dem einen gefällt es vielleicht anders ein bisschen besser oder versteht es anders besser.

[55:42] Ich glaube, das ist schon mal ein wichtiger Kerngedanke. Genau. Ich habe gerade meine

[55:46] anderen Fragen mal durchgeguckt. Wir haben eigentlich schon so gut wie alle mit beantwortet

[55:50] inzwischen. Oder ich wüsste zumindest, was ich dazu schreiben kann. Das ist, glaube ich, ganz gut.

[55:53] Aber zwei Fragen sind noch offen geliehen für mich. Und zwar bekommt ihr es hin mit diesem Konzept

[55:58] oder irgendwie anders in der Ausführung später noch auch wirklich alle Inhalte,

[56:01] zum Beispiel das Ausbildungsrahmenplans abzudecken. Oder habt ihr noch irgendwie

[56:05] externe Sachen mit eingebunden? Weil da stehen ja teilweise auch recht abstruse Sachen, sage ich mal,

[56:09] darauf, die man vielleicht im Alltag so nicht finden oder nicht anbieten kann. Das kann ich

[56:13] zumindest nur für mein Unternehmen sagen. Ich nehme jetzt mal nur ein Beispiel raus,

[56:16] weil mir das gerade einfällt. Ich glaube, in dem zumindest aktuell noch gültigen Rahmenplan

[56:20] steht sowas wie Backup erstellen und wiederherstellen von Daten oder sowas. Und das ist

[56:25] für mich so ein Punkt. Das habe ich einfach nicht auf dem Plan. Im Monat drei, im zweiten Jahr

[56:31] machen wir das mal. Sondern wenn ich Glück habe, fällt das innerhalb der drei Jahre mal

[56:35] irgendwann an. Eventuell auch nicht. Wie handhabt ihr sowas?

[56:38] Ja, vielleicht so ein bunter Punkt. Das ist jetzt aber unabhängig von agil oder nicht agil. Jetzt

[56:44] haben wir dummerweise diese Mindestanforderungen im Berufsbild und die mögen manchmal sinnlos

[56:49] erscheinen. Aber irgendwie muss man es dann doch machen. Oft ist es so, wie du beschreibst,

[56:54] ich hoffe, dass das irgendwo abfällt und dass ich dann zumindest mitkriege, ob der Azubi das

[57:01] gelernt hat oder nicht. Das gute alte Berichtsheft hilft da tatsächlich manchmal. Beziehungsweise auch

[57:07] unsere Feedbackrunden in den Bereichen, wo wir auch aufschreiben, Mensch, was haben wir denn

[57:10] gemacht? Wo findet sich das vielleicht im Berufsbild wieder? Und sollten wir jetzt

[57:14] feststellen, irgendwas ist uns total durch die Lappen gegangen. Das müssten wir bei unseren

[57:18] Feedbackrunden eigentlich feststellen. Dann ist jetzt unsere Firma, ich habe ja am Anfang

[57:22] die Größenordnung skizziert, wir sind so groß. Ich habe das irgendwo. Ich muss es dann halt nur

[57:28] noch irgendwie organisieren. Das ist jetzt der Clou an so einer großen Firma. Ich kriege das dann

[57:34] schon irgendwo her. Das lässt sich organisieren. Wichtiger ist es vorher festzustellen, haben wir

[57:39] noch ein Defizit? Und da gucken wir eben bei diesen Feedbackgesprächen, die wir so ein bisschen

[57:43] Matching machen mit dem Berufsbild, da gucken wir halt dann drauf.

[57:46] Also ich bin inzwischen dazu gegangen, nicht nur im Berichtsheft, dass ich natürlich auch

[57:50] immer lese, dass sie das da so aufschreiben, sondern zumindest meine Azubis sollen auch

[57:55] gleich immer dahinter schreiben, hinter die Einträge. Zum Beispiel, welchem Punkt aus dem

[57:58] Rahmenplan das denn entspricht. Und so könnten wir am Ende vielleicht einfach alles, ich sage

[58:02] es mal, aufsummieren und die Lücken, die noch übrig sind, müssen wir halt noch irgendwie anders

[58:05] abdecken. So machen wir das zum Beispiel. So ähnlich machen wir es auch, nur jetzt nicht im

[58:10] Berichtsheft, sondern bei unseren Feedbackrunden. Aber es kommt im Prinzip auch selber raus.

[58:13] Und ich glaube, die letzte Frage, zumindest von meinem Katalog. Abschluss der Ausbildung

[58:19] ist ja das berühmte IHK-Abschlussprojekt, zumindest für Anm.M. die 70 oder bald dann 80

[58:24] Stunden. Ist das auch noch im Rahmen dieser agilen Ausbildung irgendwie integriert? Und

[58:28] sind die Azubis dann schon so in ihren Fachabteilungen, dass sie ganz normal ein

[58:31] Projekt dann umsetzen? Die sind tatsächlich in den Fachbereichen so integriert, dass sie ein

[58:38] normales Projekt in 80 Stunden, ist immer so eine Sache. Ich glaube, diese 70, jetzt noch 70

[58:45] Stunden, das ist immer so ein bisschen Lügen auf hohem Niveau. Was ist in 70 Stunden möglich,

[58:54] wenn doch da irgendwie eine Voruntersuchung und eine Analyse und Konzeption und Realisierung

[58:59] und Test? Machen Sie selbstständig. Und wir bieten aber da wieder Bausteine an,

[59:07] beziehungsweise die organisieren sich auch gut selber. Präsentieren sich Ihre Projekte,

[59:12] geben sich gegenseitig Feedback, was Sie voneinander halten. Gucken drauf, Mensch,

[59:17] für eine Viertelstunde Präsentation, da war jetzt aber das Gewicht nicht so gut. Wenn Sie wollen,

[59:21] laden Sie uns dazu ein. Wenn nicht, laden Sie uns nicht dazu ein. Aber in drei Jahren haben

[59:26] die wirklich verinnerlicht, worum es geht. Das funktioniert wirklich ganz gut.

[59:31] Auch hier wieder ein wichtiger Wert des agilen Mindsets, Feedback, dass sie sich untereinander

[59:36] einfach Feedback geben und dadurch lernen, finde ich sehr schön. Gut, dann wären wir meiner Liste

[59:41] nach mit allen Fragen zum Thema agile Ausbildung durch. Eine letzte Frage wäre noch,

[59:45] haben wir vielleicht noch irgendwas vergessen, was man da noch erzählen sollte? Habe ich

[59:48] irgendwas gar nicht gefragt, was aber interessant sein könnte?

[59:50] Ganz ehrlich, ich habe jetzt so viel erzählt. Ich weiß es tatsächlich nicht, aber ich denke,

[59:59] dass so die wichtigen Punkte waren auf jeden Fall drin. Also ich hoffe, ich konnte rüberbringen,

[1:00:04] worum es uns geht, wie wir das im Groben tun, dass ich jetzt nicht jedes Detail hier erzählen kann.

[1:00:12] Jetzt, wir haben ja doch schon eine Stunde jetzt zugebracht. Das bringt einen dann vielleicht auch

[1:00:16] nicht weiter. Aber so im Groben, wenn man meine Idee oder unsere Idee nachvollziehen kann, glaube

[1:00:22] ich, das kam ganz gut rüber. Hoffe ich zumindest. Dann fällt mir vielleicht tatsächlich doch noch

[1:00:28] eine Frage ein, wenn ich mir wirklich jetzt überlege, Mensch, agile Ausbildung finde ich

[1:00:31] eigentlich cool. Wie seid ihr denn damals angefangen? Habt ihr einfach mal mit einem

[1:00:35] Baustein das testweise gemacht und geguckt, wie es ankam? Ja, es war tatsächlich ein evolutionärer

[1:00:42] Prozess. Der erste Baustein, der eigentlich schon in diese Richtung ging, war tatsächlich der berühmte

[1:00:49] Baustein mit diesen Datenbankgrundlagen, über den wir jetzt schon ein paar Mal gesprochen hatten.

[1:00:54] Den hatte ich quasi so fertig in der Schublade. Lernzielplanung, das machen wir so, dann schreibt

[1:00:58] man die Karten, dann machen wir, ohne jetzt das wissentlich oder bewusst mit Scrum verknüpft zu

[1:01:04] haben, der hat sich einfach so ergeben. Und dann, das war mit meinem damaligen Kollegen, dem Harald

[1:01:11] Eder noch zusammen, hat man die Idee, weil er tatsächlich als Scrum Master im Fachbereich bei

[1:01:17] uns auch in der Dativ, das in Reinkultur gelebt hat, dann sagt, Mensch, das passt ja fast wie die

[1:01:22] Faust aufs Auge. Lass uns die anderen Bausteine mal angucken. Und dann haben wir uns einen Tag

[1:01:27] eingeschlossen, tatsächlich in so einem Kreativraum, den wir haben, und haben die Wände bemalt. Also,

[1:01:32] die darf man da bemalen, die Farbe geht wieder ab, keine Angst. Haben die Wände bemalt, haben

[1:01:39] Ideen entwickelt, Ideen verworfen und nach diesem einen Tag kam im Prinzip das Grobkonzept dieser

[1:01:44] Module heraus. Und dann haben wir im Prinzip ein Jährchen daran gearbeitet, immer nebenbei,

[1:01:50] und mit den Azubis natürlich gearbeitet durch die IT-Schulungen, die schon liefen,

[1:01:55] und haben das verfeinert. Und jetzt haben wir mal so die IT-Ausbildung oder unsere IT-Schulungen,

[1:02:02] glaube ich, die haben wir jetzt auf einem guten, agilen Stand. Aber wir haben ja noch ein paar

[1:02:07] andere Berufe. Jetzt, glaube ich, kommen die dran.

[1:02:10] Ah, okay. Das heißt, das Scrum streitet jetzt auch aus in die ganz klassischen Berufe,

[1:02:15] in Anführungszeichen.

[1:02:15] Die grundlegende Organisation der Ausbildung ist da auch so. Also, wir fangen auch in der

[1:02:20] Heimat an, gucken, dass wir Rücksicht nehmen auf den Fachbereich IHK und den Azubi. Wir machen das

[1:02:26] sehr dynamisch. Aber ein paar Dinge können wir da auch noch mehr machen.

[1:02:31] Das ganze Konzept ist weiterhin auch agil und ihr arbeitet auch am Konzept weiter.

[1:02:36] Genauso ist es. Das Konzept lebt und nach jedem Durchgang fällt uns wieder was Neues ein. Oder

[1:02:42] wir kriegen Rückmeldungen, was wir noch anders machen sollen, können. Und dann fließt es in

[1:02:47] den nächsten Durchgang wieder mit ein.

[1:02:48] Also, das hört sich mega spannend an. Also, ich glaube, ich wäre gerne Azubi bei DatWerft,

[1:02:52] wenn ich das so höre. Wirklich richtig cool, richtig modern und halt bereitet super,

[1:02:55] glaube ich, auf den Beruf am Ende vor. Das ist ganz toll. Ich habe noch so ein paar klassische

[1:03:00] Fragen, die ich jedem Interviewgast am Ende immer stelle. Aber da es heute genau um die

[1:03:03] Ausbildung ging, kann ich mir die auch alles sparen, denn die haben eigentlich nur mit der

[1:03:06] Ausbildung zu tun. Die einzige Frage, die ich trotzdem gerne noch stellen würde,

[1:03:09] gibt es vielleicht irgendwie ein Lieblingsbuch mit Bezug zur Ausbildung, IT, Programmierung,

[1:03:14] wie auch immer, was du empfehlen kannst? Ich persönlich bin ein Mensch, der immer noch gerne

[1:03:18] viel mit Büchern lernt und das passt sehr gut zur Ausbildung. Vielleicht gibt es ja eins,

[1:03:22] was du im Kopf hast, wo du sagst, Mensch, das muss man aber unbedingt gelesen haben.

[1:03:24] Mir gefällt eine Buchreihe ganz gut. Kennst du diese von Kopf bis Fuß Reihe?

[1:03:30] Oh ja, die ist cool. Das Letzte, was ich aus dieser Reihe gelesen habe,

[1:03:35] war Entwurfsmuster von Kopf bis Fuß. Ich finde die Reihe wirklich toll. Das sind so Mitmachbücher.

[1:03:40] Die folgen auch einem ganz anderen Konzept wie ein Buch, wo ich nur irgendwas lese. Die sind

[1:03:45] richtig genial. Da sind Kreuzworträtsel drin zu dem Thema und solche Dinge. Die finde ich wirklich

[1:03:49] super. Da kann man sich drauf einlassen. Man sagt, ich möchte jetzt ein Thema lernen. Die

[1:03:56] sprechen da wirklich breit verschiedenste Lerntypen an. Da hat man wirklich am meisten von. Die sind

[1:04:04] mir in den Kopf gekommen, als ich die Frage von dir gehört habe. Super Tipp. Kann ich auch

[1:04:10] persönlich weiterempfehlen. Eine ganz tolle Geschichte. Gerade auch das Designpattern. Das

[1:04:13] war auch das erste Buch, was ich überhaupt zum Thema gelesen habe vor, ich weiß nicht,

[1:04:17] wie viele Jahren inzwischen schon. Ich fand das super witzig gemacht, gerade auch mit den

[1:04:20] Beispielen, die wir haben. Es ist alles mega spielerisch und ganz toll.

[1:04:23] Ein paar Jahre auf dem Markt, aber trotzdem sind die gut.

[1:04:26] Ja, super. Dann haben wir jetzt wirklich alles abgehakt. Das war eine ganz tolle Geschichte

[1:04:30] heute. Agile Ausbildung. Ich nehme auch ganz viel mit, was ich zumindest mal ausprobieren

[1:04:33] werde, ob das bei uns auch funktioniert. Klar, wir sind ein bisschen anders von der Größenordnung

[1:04:37] her. Ich habe insgesamt vier Azubis. Da kriege ich jetzt nicht drei Teams voll, das ist klar.

[1:04:41] Aber ich glaube, gerade so ein paar Kleinigkeiten, die man auch einfach im Alltag umsetzen kann,

[1:04:45] habe ich mir auf jeden Fall mitgenommen. Ich hoffe natürlich auch die Zuhörer hier auf jeden Fall.

[1:04:48] Wenn wir jetzt jemanden hier dabei haben, der dann noch mehr wissen will oder der sich vielleicht

[1:04:52] bei dir bewerben will oder wie auch immer. Wie kann man dich denn vielleicht am besten

[1:04:55] kontaktieren? Bist du irgendwo im Internet zu finden? Kann man dich irgendwo anschreiben?

[1:04:59] Oder wie würde das laufen? Ja, also ich hoffe, ich trete da keine Lawinen los und sage immer,

[1:05:04] ich kann ja an mich wenden. Einfach kein Problem bei Fragen. Mich gerne anmailen.

[1:05:08] Wenn man über die Dativ-Webseite kommt, müsste man irgendwo meine Mail-Adresse finden. Wobei

[1:05:13] ich lieber sie dir auch gerne nochmal mit. Da bin ich gut erreichbar. Ich bin tatsächlich

[1:05:19] jetzt so kein Fan von sozialen Netzwerken. Also ich bin nicht in Xing unterwegs und mein

[1:05:23] Facebook-Account, da kriege ich schon immer Schelte, warum ich mit den Leuten da nicht

[1:05:27] kommuniziere. Das stiehlt mir zu viel von meiner Zeit tatsächlich. Also am besten,

[1:05:32] wer von mir was will, mich direkt anschreiben, anrufen. Gebe ich gerne jederzeit Auskunft.

[1:05:37] Das ist überhaupt kein Problem. Man muss nicht überall präsent sein. Das kann ich gut nachvollziehen.

[1:05:42] Ja, da haben wir auf jeden Fall Kontaktmöglichkeiten, denke ich mal,

[1:05:46] Alternative ist noch ein Kommentar unter die Episode hier. Ich leite das dann natürlich weiter.

[1:05:51] Also ich packe alles, wie man dich kontaktieren kann, was freigegeben ist, in Anführungszeichen,

[1:05:55] natürlich in die Shownotes. Da findet man das dann alles.

[1:05:57] Vielleicht noch als Schlusswort, weil du eben gerade gesagt hast, ich würde keine Methode kopieren.

[1:06:03] Die funktioniert bei uns super gut. Das hängt aber vielleicht auch von den handelnden Personen ab.

[1:06:10] Die muss natürlich auch auf mir als dem Lehrenden liegen. Wenn ich damit nicht umgehen kann,

[1:06:16] hilft es leider überhaupt nichts. Die muss auch zur Firma passen, zur Philosophie,

[1:06:21] zu den Menschen. Ich denke, das ist ganz wichtig. Ich würde nichts kopieren. Ich würde gucken,

[1:06:28] was passt für mich, wie du das auch schon gesagt hast. Was könnte ich denn da vielleicht rausnehmen

[1:06:31] für mich, für meine Firma, für meine Auszubildenden und dann einfach mal mit

[1:06:36] Kreativität ausprobieren. Und dann vielleicht auch die entsprechenden Scrum schleifen,

[1:06:42] drehen. Darauf basiert das ganze Jahr und ich denke, dann kann man das ganz gut für sich adaptieren.

[1:06:47] Das finde ich ein schönes Schlusswort. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Deswegen sage ich

[1:06:51] erst mal vielen Dank für das tolle Gespräch heute und hoffentlich bis demnächst.

[1:06:55] Ja, danke auch. Hat sehr viel Spaß gemacht. Bis demnächst.

[1:06:59] So, das war jetzt also mein Interview mit Uwe Ritthammer von der DATEV aus Nürnberg. Ich

[1:07:07] hoffe, es hat dir genauso viel Spaß gemacht wie mir. Ich habe richtig viele coole Sachen

[1:07:10] mitgenommen für meine eigene Ausbildung und ich finde es richtig toll, was die da in Nürnberg

[1:07:14] so treiben, muss ich ehrlich sagen. Die haben natürlich auch noch ein bisschen mehr Azubis

[1:07:18] als ich. Also, dass man da so ein Scrum Team einfach bilden kann, ist ein bisschen einfacher

[1:07:21] natürlich, als wenn man nur, wie ich jetzt zum Beispiel, vier Azubis gleichzeitig hat. Aber

[1:07:25] trotzdem, richtig viele interessante Anregungen. Vielleicht war ja für dich was dabei. Wenn du

[1:07:29] Azubi bist, vielleicht schlägst du deinem Ausbilder vor, auch mal sowas auszuprobieren.

[1:07:32] Oder wenn du selber Ausbilder bist, dann wende es doch einfach mal an. Guck,

[1:07:35] ob das für dich und dein Unternehmen passt. Ich habe auf jeden Fall viel mitgenommen und

[1:07:39] wenn es dir auch so geht oder wenn du noch Fragen hast, wenn noch irgendwas offen geblieben ist,

[1:07:43] dann kontaktiere uns doch gerne. Die Kontaktdaten findest du wie immer in den Shownotes unter

[1:07:48] itberufepodcast.de slash 153 für die heutige 153. Episode, die das hier war. Ansonsten freuen

[1:07:58] wir beide uns auch über Lob, Kritik, Anregungen, wenn du uns persönlich kontaktierst. Aber am

[1:08:04] schönsten wäre es natürlich als Kommentar unter den Shownotes. Dann können wir alle

[1:08:06] gemeinsam über diese coole Idee der agilen Ausbildung ein bisschen weiter diskutieren.

[1:08:11] Wird uns beide freuen, wenn du dich mit deinen Ideen bei uns meldest. Damit sage ich für die

[1:08:18] heutige Episode erstmal tschüß, danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. Tschüß!

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About the Author
Ausbildungsleiter für Fachinformatiker:innen Anwendungsentwicklung, IHK-Prüfer und ehemaliger Hochschuldozent für Programmierung und Software-Engineering.

3 comments on “Agile Ausbildung bei DATEV mit Uwe Ritthammer – IT-Berufe-Podcast #153”

  1. Marco sagt:

    Auf der Webseite von DATEV habe ich leider keine Kontaktinformationen zu deinem Gesprächspartner gefunden. Vielleicht könntest du die noch nachliefern.

    Ansonsten danke für den interessanten Einblick.

  2. Stefan Macke sagt:

    Hallo Marco, versuch es doch mal bei Twitter: Uwe Ritthammer

  3. Marco sagt:

    Da hatte ich gar nicht gesucht, nachdem er von seiner SocialMedia-Abstinenz sprach. Aber danke für den Tipp. 🙂

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