IHK-Weiterbildung zum Operative Professional mit Simon Stork – Anwendungsentwickler-Podcast #127

Weißt du schon, was du nach deiner Ausbildung zum Fachinformatiker machst? Eine tolle Alternative zum Studium bespreche ich mit Simon Stork in der einhundertsiebenundzwanzigsten Episode des Anwendungsentwickler-Podcasts: die IHK-Weiterbildung zum Operative Professional.

TL;DR

Mit Simon Stork schaue ich auf den Operative Professional, eine IHK-Weiterbildung für deinen beruflichen Weg nach der Ausbildung zum/zur Fachinformatiker:in. Du lernst Methoden für die Projektleitung und bereitest dich darauf vor, Mitarbeiter:innen zu führen und Aufgaben im mittleren Management zu übernehmen. Simon hat berufsbegleitend zwei Jahre gebraucht und damals rund 5.900 Euro einschließlich Prüfungsgebühren bezahlt, wobei er über Meister-BAföG einen Teil erlassen bekam. Seine Erfahrungen zeigen, wie der Abschluss bei Bewerbungen helfen und zu einem höheren Gehalt beitragen kann.

Kapitelmarken

  • [00:00:01] Operative Professional und berufliche Wege nach der Ausbildung
  • [00:01:54] Simon Stork und seine Arbeit im CAD- und PLM-Bereich
  • [00:04:24] Von der IT-Ausbildung zur berufsbegleitenden Weiterbildung
  • [00:09:09] Der Operative Professional und seine vier Ausrichtungen
  • [00:11:30] Lerninhalte für Projektleitung und mittleres Management
  • [00:15:20] Erwartungen und persönliche Ziele vor der Weiterbildung
  • [00:17:16] Blended Learning und Workshops vor Ort
  • [00:20:11] Projektmethoden im beruflichen Alltag
  • [00:22:58] Schriftliche Prüfung mit Situationsaufgaben
  • [00:26:32] Projektdokumentation und Niveau des Abschlusses
  • [00:28:34] Dauer und Abgabetermine
  • [00:30:08] Das passende Projekt und Vorgaben der IHK
  • [00:31:50] Kosten und Finanzierung über Meister-BAföG
  • [00:34:10] Bildungsträger auswählen und Zusatzkosten einplanen
  • [00:36:21] Gehalt und beruflicher Aufstieg
  • [00:38:04] Erfahrungen mit Bewerbungen und Arbeitgebern
  • [00:41:17] Weiterbildung zum Strategic Professional
  • [00:43:08] Simons Gründe für den Operative Professional
  • [00:48:23] Persönlicher und finanzieller Ertrag
  • [00:50:25] Verkürzter Bachelor nach dem Operative Professional
  • [00:51:37] Erprobter Zugang zum Masterstudium
  • [00:53:13] Anerkennung im öffentlichen Dienst
  • [00:54:09] OP-Blog und Kontakt zu Simon
  • [00:55:33] Hinweise für deinen weiteren Berufsweg

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Inhalt

Allgemeines zur Person

  • Wie ist dein Name und wo arbeitest du (falls gewünscht)?
    • Simon Stork, im Consulting tätig, eher Projektleitung und IT, kein Programmierer. 35 Jahre alt, verheiratet, komme aus Paderborn.
  • An welchen Projekten arbeitest du zur Zeit in deinem Tagesjob?
    • CAD/PLM, Consulting, Einführung von Systemen, Change Management, Requirements Engineering, ca. 50/50 technisch/Projektleitung.
  • Wie bist du zur Informatik bzw. Softwareentwicklung gekommen?
    • Ich bin ein Kind der 80er Jahre, war technikinteressiert und bin mit dem C64 über Spiele in den Umgang mit Computern eingestiegen. Mit 13 hatte ich meinen ersten PC. Dann kam das Internet und mein Einstieg in HTML/PHP. Programmieren war mir zu monoton und ich wollte lieber FISI werden und mit Netzwerken arbeiten.
  • Welche Ausbildung bzw. welches Studium hast du im Bereich der Informatik absolviert?
    • 2001 habe ich die Ausbildung zum FISI angefangen, dann kurz Lehramt studiert, aber doch wieder zum gewechselt.

Operative Professional (OP)

  • Wie bist du selbst zu der Weiterbildung gekommen? Welche Alternativen hast du dafür ausgeschlagen?
    • „Nur“ eine Ausbildung reichte mir nicht. Zertifikate (z.B. MCSA) sind aber zeitlich begrenzt und sehr teuer. Ich suchte eine Weiterbildung ohne Verfallsdatum.
    • Ein Studium war die Alternative. Ich habe den OP im Netz gefunden. Ich war schon Projektleiter und der OP passte inhaltlich sehr gut dazu.
  • Was ist der Operative Professional?
    • Der OP ist eine Art „Meister“ für ITler.
    • Offiziell: „Aufstiegsweiterbildung“ im Anschluss an die Ausbildung.
  • Welche Ausrichtungen des OP gibt es?
    • Entwickler, Ökonom, Berater, Projektleiter
    • Projektleiter ist mit ca. 80% die verbreitetste Form.
    • Inhalte der Richtungen gleichen sich zu 90%. Aber die Projektarbeit am Ende unterscheidet sich vom Fokus und es gibt leicht andere Aufgaben in der Prüfung.
  • Welche Ausrichtung hast du für dich selbst gewählt und warum?
    • Projektleiter, weil das genau zu meinem Aufgabengebiet passte.
  • Welche Inhalte werden beim OP vermittelt?
    • Der OP hat eigentlich nichts mit Technik zu tun. Es geht um die Vorbereitung auf eine Karriere im mittleren Management.
    • Themen: Personalmanagement, Projektanbahnung, Requirements Engineering, Konfliktmanagement, Projektblockaden auflösen, Methoden, Controlling, Pflichtenheft.
    • Wir haben z.B. Rollenspiele gemacht, um praktische Erfahrungen im Team zu sammeln.
  • War dir die fehlende Technik bewusst? Was sagen andere Teilnehmer dazu?
    • Ja, ich habe mich sogar bewusst dafür entschieden.
    • Ca. 80% der Teilnehmer wussten ebenfalls bescheid, aber auch der Rest war letztlich mit den Inhalten zufrieden.
  • In welcher Form hast du die Weiterbildung absolviert (z.B. via Präsenzveranstaltungen oder komplett online)? Würdest du evtl. auch ein komplettes Selbststudium empfehlen?
    • Ich habe ein „Blended Learning“ absolviert, also Vorbereitung Online und Präsenzphasen vor Ort.
    • Mit einem Tutor hatten wir alle 6-8 Wochen 2 Tage Vollzeit Veranstaltungen vor Ort. Dort haben wir Aufgaben gelöst, präsentiert (!) und Gruppenarbeiten durchgeführt.
    • Ein Selbststudium ist nicht zu empfehlen, da die Bildungsträger besser wissen, was die IHK hören will, und die Fragestellungen kennen.
  • Sind die vermittelten Inhalte von Wert und für die Praxis relevant? Wie hoch war der Anteil an Lehrstoff, den du direkt in der Praxis anwenden konntest?
    • Wichtig ist das Wording: Begriffe (FMEA, RAKI) und Methoden sollte jeder Projektleiter kennen. Sie sind enorm wichtig für eine gute Kommunikation.
    • Es wurden auch typische Projektmethoden nach PMBOK oder ISO gelernt. Auch Zertifikate wie PRINCE/ITIL/AdA sind möglich.
  • Wie sieht die Prüfung aus?
    • Es gibt eine Präsentation, Klausuren und eine Projektdokumentation.
    • Es wird keine reine Begriffsabfrage durchgeführt, sondern konkrete Fragestellungen zu Beispielprojekten werden bearbeitet. Es wird eher Modellierung/Dokumentation mit EPKs usw. gefordert, die z.B. die Wahl des korrekten Abstraktionslevels erfordern. Es wird Bezug zum konkreten Projekt mit Bewertung und Planung der Projektphasen hergestellt. Es geht um die praktische Anwendung und den Transfer des gelernten Wissens.
    • Meine Projektdokumentation war ca. 65 Seiten lang. Das Projekt sollte min. 1/2 Jahr, max. 1 Jahr dauern. Das Projekt sollte „echt“ sein und nicht hypothetisch.
  • Wie lange hat deine Fortbildung zum OP gedauert?
    • Normalerweise dauert der OP 1,5 Jahre. Man hat 1 Jahr Zeit für die Projektdoku.
  • Was kostet der OP?
    • Eigentlich fallen nur die Prüfungskosten an, wenn man alles im Selbststudium macht.
    • Mit Bildungsträger liegt man bei ca. 5.900 EUR (rein Bildungsträger und Prüfung, keine Fahrt-/Hotelkosten).
    • Eine Finanzierung ist über (Meister-)Bafög möglich. Bei erstmaligem Bestehen der Prüfung werden 50% der Kosten erlassen. Firmen bezahlen auch häufig die Weiterbildung.
    • Ein Aufstieg im Job ist ja meist das Ziel, also sollte sich der OP amortisieren. Ich selbst hatte eine deutliche Gehaltssteigerung durch den OP. Allerdings ist der konkrete Anteil des OP daran schwer einzuschätzen, da ich mich auch persönlich weiterentwickelt habe.
  • Welchen Bildungsträger würdest du empfehlen?
    • Das muss jeder selbst entscheiden. Ich habe meinen (manQ) gewählt, weil er nah an meinem Wohnort lag. Aber viele Teilnehmer kamen auch von weiter weg.
    • Reine Online-Seminare gibt es auch, da Blended Learning nicht für alle Teilnehmer klappt.
  • Offiziell ist der OP gleichwertig zu einem Bachelor. Wie schätzt du die tatsächliche Anerkennung in der Arbeitswelt ein?
    • Ich habe einen sehr positiven Eindruck. Ich habe inzwischen mehrere Jobwechsel vollzogen und der OP war bekannt und anerkannt. Mein erster Jobwechsel fand während des OPs statt und mit einem Nachweis vom Bildungsträger über den zeitlichen Umfang in Stunden in der Bewerbung konnte ich einen guten Eindruck machen. Im Vorstellungsgespräch wurde der OP dann auch direkt angesprochen und hinterließ einen positiven Eindruck beim Arbeitgeber.
  • Wird der OP tendenziell von Kollegen anerkannt oder wird man eher geliebäugelt?
    • Ich selbst habe zwei Kollegen, die auch den OP gemacht haben. Viele wissen vom OP, aber denken eher an ein Studium. Der OP ist an den Umfang des Bachelors angelehnt, aber eben nicht das gleiche, da er kein akademischer, sondern ein IHK-Abschluss ist.
  • Es gibt auch noch die „Strategic Professionals“, sprich z.B. den „Geprüften Wirtschaftsinformatiker“. Macht das „Upgrade“ dazu Sinn?
    • Die Strategic Professionals sind vergleichbar mit einem Master. Aber sie werden meines Wissens nach nicht so stark nachgefragt. Die genauen Inhalte sind mir auch nicht bekannt, da es sehr wenige Informationen online gibt. Das Ziel ist aber wohl die Vorbereitung auf eine Laufbahn im höheren Management. Technik wird wieder nicht vertieft.
  • Wovon würdest du die Entscheidung zwischen OP und Studium abhängig machen? Wann wäre ein Studium sinnvoller?
    • Ich war zum Start des OP schon in der Arbeitswelt und ich wollte nicht mehrere Jahre berufsbegleitend studieren. Der zeitliche Aufwand ist immer interessant. Ein Bachelor läuft 4-5 Jahre berufsbegleitend, was ich sehr lang finde.
    • Im Bachelor lernt man auch erneut viele Grundlagen, die fertige Fachinformatiker nicht unbedingt weiterbringen.
    • Der Bachelor ist auf dem Papier schön und zeigt die Fähigkeit zur akademischen Arbeit. Außerdem lernt man Grundlagen wie Mathe/BWL usw.
    • Die eigene Motivation ist wichtig, auch langfristig! Je länger es dauert, umso wahrscheinlicher bricht man ab. Auch bei 1,5 Jahren hat man mal Hänger!
  • Wie schätzt du die weitere Entwicklung rund um den OP ein?
    • Ich glaube, dass viele Firmen aktuell umdenken. Bachelor/Master sind nicht mehr so wichtig wie früher. Die Fachlichkeit ist eher gefragt. Das mag auch am Fachkräftemangel liegen.
    • An der offenen Hochschule Hameln kann man mit dem OP einen verkürzten Bachelor (1,5 Jahre) machen.
    • Theoretisch könnte man mit dem OP auch direkt einen Master machen. Es gibt einen Erprobungsstudiengang, bei dem man einen verkürzten Bachelor im ersten Jahr nachmacht.
  • Wir der OP auch im öffentlichen Dienst anerkannt?
    • Im öffentlichen Dienst befähigt der OP nicht zum höheren Dienst befähigt. Eine höhere Eingruppierung ist nur mit Studium möglich.
  • Würdest du den OP prinzipiell weiterempfehlen?
    • Ja, mir hat der OP sowohl monetär, als auch persönlich sehr viel gebracht. Ich würde ihn jederzeit erneut machen!

Abschluss

Literaturempfehlungen

Für Bücher rund um den OP und die dort gelehrten Inhalte verweise ich direkt auf Simons Seite: Literaturliste – IT Business Manager IHK.

Links

Zusammenfassung

Dein beruflicher Weg nach der IT-Ausbildung

Für deine beruflichen Schritte nach der Ausbildung habe ich Simon Stork zum Operative Professional interviewt. Er hat die Weiterbildung selbst abgeschlossen und schreibt darüber auf seinem OP-Blog. Bei Phoenix Contact arbeitet er im Bereich CAD und Product Lifecycle Management, wo er Systeme betreut und Unternehmensteile an bestehende Software anbindet. Zu seinen Aufgaben gehören auch Projektleitung und Requirements Engineering.

Nach seiner Ausbildung zum/zur Fachinformatiker:in für Systemintegration und einem zwischenzeitlichen Lehramtsstudium kehrte Simon in die IT zurück. Als technischer Projektleiter wollte er sich das Wissen aneignen, mit dem er Projekte besser vorbereiten und steuern konnte. Außerdem suchte er einen dauerhaft gültigen Abschluss.

Was du beim Operative Professional lernst

Der Operative Professional ist eine IHK-Aufstiegsweiterbildung für Aufgaben im mittleren Management. Simon beschreibt ihn als eine Art Meisterabschluss im IT-Bereich. Es gibt vier Ausrichtungen:

  • IT-Projektleiter:in
  • IT-Entwickler:in
  • IT-Ökonom:in
  • IT-Berater:in

In Simons Blog-Umfrage entfielen über 80 Prozent auf die Ausrichtung IT-Projektleiter:in. Nach seiner Erfahrung stimmen die Lerninhalte der vier Ausrichtungen zu etwa 90 Prozent überein. Je nach Schwerpunkt unterscheiden sich die Projektarbeit und einzelne Prüfungsaufgaben.

Du beschäftigst dich dabei mit Methoden und mit der Frage, wie du Verantwortung für Projekte und Mitarbeiter:innen übernimmst. Zu den Inhalten gehören:

  • Projekte vorbereiten, organisieren und steuern.
  • Anforderungen aufnehmen und in einem Pflichtenheft festhalten.
  • Den Umfang eines Projekts festlegen und Risiken bewerten.
  • Mitarbeiter:innen führen und Personalaufgaben übernehmen.
  • Mit Konflikten umgehen und auf Bedenken von Beteiligten eingehen.
  • Ergebnisse präsentieren und für ein Projekt werben.

Bei Simons Bildungsträger gehörten Rollenspiele dazu. Dabei übte er beispielsweise, mit einer Person zu sprechen, die ein Projekt ablehnt.

Wie die Weiterbildung neben dem Beruf abläuft

Simon entschied sich für Blended Learning, also eine Mischung aus Online-Unterricht und Workshops vor Ort. Wöchentlich gab es drei Stunden Unterricht mit einem/einer Dozent:in. Alle sechs bis acht Wochen kamen zwei volle Präsenztage am Freitag und Samstag hinzu.

In den Workshops bearbeiteten die Teilnehmer:innen Aufgaben in Gruppen und präsentierten ihre Ergebnisse mit unterschiedlichen Medien. Damit übten sie zugleich für die Prüfung und für Situationen im Beruf, etwa wenn sie der Geschäftsführung einen Projektstand vorstellen. Auch für die praktische Prüfung zum Ausbilderschein wurden Präsentationen geübt.

Je nach Anbieter gibt es andere Unterrichtsmodelle, darunter reine Online-Seminare. Bei deiner Wahl spielen die Entfernung und die Termine eine Rolle. Für Präsenzveranstaltungen können zusätzlich Fahrtkosten und Hotelkosten entstehen.

Methoden für deinen Arbeitsalltag

Zu den behandelten Werkzeugen gehören beispielsweise FMEA und RACI-Matrizen. Außerdem lernst du, Stakeholder zu analysieren, Meilensteintrends zu verfolgen und einen Projektstrukturplan zu erstellen. Im Requirements Engineering helfen BPMN-Diagramme und ereignisgesteuerte Prozessketten, kurz EPK, dabei, Prozesse darzustellen und zu verstehen.

Mit diesem Wissen kannst du dich mit anderen Projektbeteiligten über Abläufe und Zuständigkeiten verständigen. Simon begegnet diesen Methoden in seinem Berufsalltag regelmäßig, wobei Unternehmen sie jeweils etwas anders ausgestalten.

Sein Bildungsträger bot zusätzlich ein PRINCE2-Zertifikat an. Simon nahm diese Möglichkeit aus Zeitgründen damals nicht wahr.

Was dich in der Prüfung erwartet

Im schriftlichen Teil bearbeitest du Situationsaufgaben mit mehreren Teilaufgaben. Du wendest gelernte Methoden auf einen konkreten Fall an, beispielsweise indem du einen Einkaufsprozess als EPK darstellst. Weitere Aufgaben können verlangen, ein Projektbudget zu kalkulieren oder Projektphasen zu planen.

Dafür brauchst du Übung: Ein Prozessdiagramm muss fachlich passen und für andere verständlich sein.

Zur Prüfung gehört außerdem eine Projektdokumentation. Simon schrieb etwa 65 Seiten über ein reales Projekt, das ein Jahr gelaufen war. Die IHK gab Schwerpunkte vor, die er genauer bearbeiten sollte. Hinzu kommen eine etwa halbstündige Präsentation und ein anschließendes Fachgespräch.

Welche Projekte zugelassen werden, solltest du mit deiner zuständigen IHK klären. Simon berichtet, dass seine IHK damals auch hypothetische Projektanteile akzeptierte. Von anderen IHKs hatte er abweichende Erfahrungen gehört.

Wie viel Zeit und Geld du einplanst

Mit einem Bildungsträger lässt sich die Weiterbildung nach Simons Angaben in etwa anderthalb bis zwei Jahren abschließen. Er brauchte zwei Jahre, weil er seine Projektdokumentation später einreichte. Dafür standen ihm ein Jahr und zwei Abgabetermine im Abstand von einem halben Jahr zur Verfügung.

Der Abschluss wird über die IHK-Prüfung erworben. Du kannst dich grundsätzlich auch im Selbststudium vorbereiten. Simon empfiehlt einen Bildungsträger, weil dieser die Prüfungsfragen und die Schwerpunkte der IHK kennt.

Für Unterricht und Prüfung bezahlte er damals insgesamt rund 5.900 Euro. Fahrtkosten und Übernachtungen kamen gegebenenfalls hinzu. Er finanzierte die Weiterbildung über das damalige Meister-BAföG und berichtet, dass ihm nach bestandener Prüfung beim ersten Versuch 50 Prozent erlassen wurden. Andere Teilnehmer:innen erhielten finanzielle Unterstützung von ihrem Unternehmen. Diese Beträge und Förderbedingungen beschreiben seine damalige Erfahrung.

Berufliche Chancen und das Verhältnis zum Studium

Seit dem Operative Professional stieg Simons Gehalt, und er wechselte in anspruchsvollere Stellen. Welchen Anteil der Abschluss daran hatte, lässt sich für ihn nur gemeinsam mit seiner Persönlichkeit und seinen beruflichen Fähigkeiten betrachten.

Bei einer Bewerbung während der Weiterbildung legte er eine Bescheinigung über den Stundenumfang bei. So konnte der Arbeitgeber den Aufwand einordnen. In einem späteren Unternehmen war der Abschluss bereits bekannt und wurde positiv aufgenommen.

Der Operative Professional liegt im Qualifikationsrahmen auf demselben Niveau wie ein Bachelor. Du erwirbst damit einen IHK-Abschluss; ein Bachelor ist ein akademischer Abschluss.

Für Simon passte die Dauer von anderthalb bis zwei Jahren zu seiner Situation neben dem Beruf. Die von ihm betrachteten berufsbegleitenden Bachelorstudiengänge dauerten vier bis fünf Jahre. Er wollte sich gezielt für die Projektleitung qualifizieren, in der er bereits arbeitete. Wenn er sich noch einmal am Anfang seines Berufswegs entscheiden müsste, würde er einen Bachelorstudiengang anstreben.

Welche weiteren Wege im Gespräch genannt werden

Nach dem Operative Professional gibt es den Strategic Professional, der auf Aufgaben im oberen Management ausgerichtet ist. Simon hatte sich damit wenig beschäftigt und berichtete, dass dieser Abschluss seltener gemacht werde.

Zum Zeitpunkt des Interviews wurden außerdem Studienangebote an der offenen Hochschule in Hameln erprobt. Für 2019 war vorgesehen, nach dem Operative Professional einen Bachelor in anderthalb Jahren nachzuholen, einschließlich eines halben Jahres für die Bachelorthesis. Ein weiterer Erprobungsstudiengang sollte den Einstieg in ein Masterstudium ermöglichen, wobei zunächst Bachelorinhalte und eine Bachelorthesis nachgeholt werden sollten. Simon beschrieb diesen Weg als zeitlich anspruchsvoll.

Für den öffentlichen Dienst nannte er seinen Kenntnisstand von 2017: Der Operative Professional befähigte damals nicht zum höheren Dienst. Auch bei der Eingruppierung konnte ein geforderter Studienabschluss entscheidend sein.

Weitere Informationen

Simon ist über op-blog.de erreichbar. Dort findest du seine Erfahrungen und Kontaktmöglichkeiten per E-Mail sowie über Xing. Die Links zum Gespräch habe ich unter anwendungsentwicklerpodcast.de/127 zusammengestellt.

Transkription der gesamten Episode

Automatisch erzeugte Transkription der Episode

[0:01] Herzlich Willkommen zum Anwendungsentwickler-Podcast, dem Podcast rund um die Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung.

[0:10] In dieser Episode gibt es ein Interview mit Simon Stork zur IHK-Weiterbildung zum Operative Professional. Viel Spaß!

[0:20] Hallo und herzlich Willkommen zur 127. Episode des Anwendungsentwickler-Podcasts.

[0:27] Mein Name ist Stefan Mackel und heute geht es mal nicht um die Technik, sondern um deine berufliche Zukunft.

[0:33] Was passiert eigentlich, wenn du fertig bist mit der Ausbildung zum Anwendungsentwickler?

[0:37] Wie geht es danach weiter? Studium oder vielleicht doch eher die IHK-Weiterbildung?

[0:42] Und das letztere Thema, das wurde hier noch gar nicht behandelt und ich muss sagen, ich bin auch nicht ganz so auf dem Laufenden, was es da für Möglichkeiten gibt seitens der IHK.

[0:52] Und deswegen habe ich mir heute mal einen Experten dazu eingeladen zum Thema.

[0:56] Simon Stork, der hat schon seit Jahren den OP-Blog, den Blog zum Thema Operative Professional, was, wie er so grob sagt, der Meister für die Fachinformatiker ist.

[1:07] Das heißt, wenn du mit deiner Ausbildung bald fertig bist oder auch jetzt schon fertig bist und überlegst, Mensch, ich will wohl noch irgendwie weitermachen, aber Studium, ist das so das Richtige?

[1:16] Ich weiß es nicht. Dann höre heute ganz besonders gut zu, denn Simon erzählt uns alles rund um das Thema Operative Professional, was quasi die offizielle Weiterbildung der IHK die nächste Stufe nach deiner Ausbildung ist.

[1:29] Und er erzählt uns alles vor Nachteile, warum er das gemacht hat, was er da gelernt hat, was ihm das gebracht hat, auch zum Beispiel monetär und auch für seine Aufstiegschancen und so weiter.

[1:39] Also ich fand das ein ganz, ganz spannendes Interview.

[1:41] Deswegen gebe ich mal direkt weiter und wir hören uns am besten direkt von Simon an, was er uns über den Operative Professional so erzählen kann.

[1:49] Viel Spaß.

[1:54] Okay, ja, also schön, Simon, dass du heute da bist und dass wir uns unterhalten können über den Operative Professional, ein Thema, zu dem ich selber gar nicht so viel sagen kann.

[2:03] Deswegen finde ich gut, dass du heute quasi als Experte da bist.

[2:06] Du hast ja auch den passenden Blog zum Thema, den ich auch natürlich schon lange abonniert habe.

[2:11] Doch bevor wir da in das Thema einsteigen, vielleicht erzählst du ganz kurz was zu dir.

[2:15] Wer bist du eigentlich?

[2:16] Was machst du so?

[2:17] Ja, mein Name ist Simon Stork.

[2:19] Ich bin jetzt mittlerweile 35 Jahre alt, frisch verheiratet und komme aus dem schönen Paderborn.

[2:26] Der ein oder andere kennt es.

[2:28] Ich arbeite bei der Firma Phoenix Contact in Blomberg.

[2:32] Blomberg ist ein kleiner Ort, aber die Firma ist relativ groß.

[2:36] Ich bin da im Bereich CAD, PLM tätig.

[2:39] Das ist, ich sage mal, für die meisten vielleicht noch nicht so ein Begriff, ist nicht so ein typisches IT-Gebiet, weil es sehr produktionsnah ist.

[2:48] Also Computer Edit Design und Produkt Lifecycle Management.

[2:52] Also da geht es hauptsächlich um Produktentwicklung.

[2:55] Okay, das heißt, du bist da auch gar nicht so als Programmierer irgendwie unterwegs, sondern schon eher in der IT oder Projekte oder was machst du da genau?

[3:05] Wie kann man sich das vorstellen?

[3:06] Programmierung bin ich eigentlich nicht tätig, auch wenn es bei uns sicherlich Programmierer gibt, die das PLM-System oder, sagen wir mal, Features für das PLM-System entwickeln.

[3:15] Ich bin da eher im beratenden und im administrativen Bereich.

[3:19] Also Einführung von Systemen.

[3:22] Also wir setzen verschiedenste CAD-Systeme ein, haben halt viele Firmenteile oder wenn wir auch einen Firmenteil dazu kaufen, der vorher extern war, dann müssen diese ganzen Systeme angeglichen werden.

[3:34] Es müssen Schnittstellen geschaffen werden zu unserem PLM-System, zu unserem ERP-System.

[3:38] Es müssen Daten harmonisiert werden, Datenmigrationen gemacht werden.

[3:42] Also im Prinzip geht es hauptsächlich darum, einen neuen Unternehmensteil auf unsere Software einzustellen, aber auch fachliche Weiterentwicklung von Lebenszyklusprozessen wie zum Beispiel Einführung von Change Management oder ähnliche Themen.

[4:02] Das ist so ein bisschen der Schwerpunkt.

[4:04] Das ist ein Teil, ich würde sagen 50-50 technisch, 50 Prozent Projektleitung, Teilprojektleitung und Requirements Engineering, also Anforderungsaufnahme in dem Bereich, Bewertung und Empfehlungen geben, wie können wir so einen Unternehmensteil auch angliedern.

[4:24] Wie bist du so zur Informatik gekommen? War das schon immer so dein Traum, Projektleiter zum Beispiel zu werden oder hat sich das so ergeben? Wie ist da die Geschichte dahinter?

[4:34] Also zur IT bin ich sicherlich nicht über die Projektleitergeschichte gekommen. Das war damals noch in weiter Ferne.

[4:40] Ich bin ein Kind der 80er Jahre, 35, also 83 geboren und habe mich immer schon für Technik eigentlich interessiert und hatte es schon mit, ich weiß gar nicht, sieben oder achten C64, habe da immer gerne dran gespielt und wer in dem Alter spielt, der interessiert sich eventuell auch dann später für andere Dinge.

[4:58] Das habe ich dann auch, ich habe dann so mit 13 angefangen, hatte ich so meinen ersten, oder mit 13 habe ich so einen PC gehabt, ich weiß gar nicht mehr, was es damals genau war.

[5:09] Dann kam so die Anfange des Internets und was macht man, man baut Webseiten mit HTML und später auch mit PHP, habe mich so ein bisschen für Entwicklung interessiert.

[5:18] Bin aber nie so wirklich, ja hatte nie den Plan wirklich richtiger Programmierer zu werden. Das kam mir damals irgendwie ein bisschen zu monoton vor und wollte immer ganz gerne Systemadministrator sein, also Netzwerke aufbauen, IT-Betreuung machen.

[5:38] Deswegen habe ich auch damals 2001 die Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration angefangen, habe in dem Bereich ja dann meine dreijährige Ausbildung gemacht, das hat mir auch Spaß gemacht.

[5:52] Ich habe dann nochmal mit meiner Ex-Freundin damals zusammen Lehramt studiert, habe dann aber festgestellt, ne die IT ist dann doch irgendwie eher mein Ding und ja, habe mir einfach einen Job gesucht und dachte mir aber so, naja, das kann ja auch irgendwie nicht alles sein, nur eine Ausbildung zu machen, man denkt ja auch so ein bisschen zukunftsorientiert.

[6:16] Ja, da wollte ich gerne noch was anderes machen und in der IT ist es ja in der Regel so, du kannst Zertifikate machen, sage es jetzt Microsoft Zertifikate oder Cisco Zertifikate, aber die sind halt immer zeitlich begrenzt und das fand ich irgendwie immer ungeschickt, weil die sind sehr teuer und man macht die dann und dann sind die im Prinzip nach ein paar Jahren fast wertlos.

[6:37] Und ich wollte eine Art Weiterbildung machen, die mich ja schon auch persönlich und auch fachlich weiterbringt, aber auch jetzt nicht kein Verfallsdatum hat und da bin ich so ein bisschen, habe ich so recherchiert und mal geguckt, was kann man so im IT-Bereich machen, bin dann ja natürlich auch auf ein Studium gestoßen, Bachelorstudiengang, den man nur eben beruflich machen kann, aber bin dann auch irgendwie auf den operatisch-professionell aufmerksam geworden und weil ich damals in der Situation war, dass ich technischer Projektleiter war,

[7:07] dachte ich mir, oh, das würde sich ja sehr gut ergänzen, das, was ich jetzt hier schon mache, auch mal so wirklich so mit fachlich zu unterfüttern, einfach eine gute Basis zu haben, weil ich denke gerade in der Projektleitung, damals bin ich noch bei einer sehr kleinen Firma gewesen, 20 Mann, da wird Projektleitung immer so ein bisschen als, ja, das macht man schon irgendwie wahrgenommen,

[7:34] aber ich war damals schon der Meinung, weil einige Projekte auch in der Kommunikation und in der Vorbereitung, gerade auch so in der ganzen Controlling-Phase nicht so optimal liefen, dass man da vielleicht ein bisschen mehr Fachwissen braucht, um das auch professioneller aufziehen zu können und da kam mir der OP damals sehr gelegen, ich fand das sehr interessant, war zeitlich auch eine super Sache,

[7:56] weil es ja im Prinzip nur anderthalb bis zwei Jahre dauert mit einem Dienstleister, der dich unterstützt und du auch die Möglichkeit hast, das über BAföG zu finanzieren und auch 50 Prozent Erlass zu bekommen, deswegen war das Thema finanziell auch eine ganz andere Hausnummer als vielleicht ein Bachelor an einer privaten Uni oder Fachhochschule, die ja oft so im Bereich 15.000, 20.000 Euro liegen können.

[8:26] Ja, und da habe ich das damals angefangen, so bin ich eigentlich zur IT und später auch so zu der Idee gekommen, noch eine Weiterbildung zu machen.

[8:35] Okay, ja klasse, da sind wir schon direkt mitten im Thema drin quasi. Das finde ich ja ganz interessant auf jeden Fall, dass du zwischendurch mal Lehramt studiert hast. Sehr schön, meine Frau ist auch Lehrerin, ich weiß, dass das viel Arbeit ist und ich wäre auch lieber wieder zurück in die IT gegangen auf jeden Fall.

[8:52] Aber jetzt hast du den OP gemacht, was ich, ja genau, deswegen wollen wir auch heute drüber sprechen. Vielleicht kannst du einfach mal kurz mit deinen eigenen Worten sagen, was das jetzt ist. Also ich habe schon viel rausgehört, es geht irgendwie um Projektleitung und solche Sachen oder gibt es da noch andere Inhalte? Vielleicht erzählst du einfach mal kurz, was ist der OP eigentlich?

[9:09] Ja, der OP, ich nenne es immer ganz gerne und ich glaube, das trifft es auch ganz gut, ist eigentlich so der Meister im IT-Bereich. Also wenn ich jetzt eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker gemacht habe, dann kann ich ja auch einen Meister machen und das ist im Prinzip der Operative Professional auch im IT-Bereich. Dort gibt es allerdings auch noch vier Ausrichtungen.

[9:31] Es gibt nicht nur den IT-Projektleiter, sondern auch die Möglichkeit einen IT-Entwickler, einen IT-Ökonom oder einen IT-Berater zu machen. Das sind vier verschiedene Ausrichtungen, die einem einfach die Möglichkeit geben sollen, dass man in der IT ja, also IT ist ja heutzutage nicht IT, sondern es gibt viele verschiedene Ausrichtungen in der IT und dass man eine gewisse Ausrichtung wahrnehmen kann, die einem im Arbeitsleben irgendwo am nächsten kommt.

[9:58] Da muss man wohl aber auch sagen, das hat auch meine Umfrage auf dem Block gezeigt, dass der IT-Projektleiter die Ausrichtung ist, die am meisten gemacht wird. Also ich glaube mit über 80 Prozent wird der Projektleiter gemacht. Die anderen Ausrichtungen werden nicht so häufig gemacht.

[10:18] Jetzt ist es auch so, dadurch, dass ich die Fortbildung ja schon gemacht habe und auch die Inhalte kenne, kann man auch sagen, dass die Inhalte sich auch zu 90 Prozent gleichen bei jeder Ausrichtung. Im Endeffekt ist es so, dass die Projektarbeit sich da so ein bisschen vom Fokus unterscheidet am Ende und dass es etwas andere Aufgaben in den Prüfungen gibt, aber vom Inhalt des Lernens her.

[10:47] Und der, der vermittelt wird, sind sie eigentlich zu 90 Prozent gleich.

[10:51] Also kann man die Vertiefung durchaus so ein bisschen mit den beiden Fachrichtungen des Fachinformatikers vergleichen, wo ja auch gefühlt 80 Prozent gleich sind, Netzwerk und Programmieren und so. Jeder muss irgendwie so ein bisschen können, aber wenn man es dann quasi in die Tiefe, in einzelnen Fachbereichen zuordnet, dann kommt halt auch ein bisschen was oben drauf. Ist das so vergleichbar?

[11:10] Genau, so ähnlich ist das im Prinzip. Vieles ist gleich, aber es gibt halt bei jedem der Ausrichtungen so ein paar Themen, wo man tiefer reingeht in der jeweiligen Ausrichtung und ein paar Themen, die man halt nur ein bisschen oberflächlich betrachtet als, ja, das kann man genau so sagen eigentlich, denke ich.

[11:30] Okay, jetzt hast du es gerade beschrieben so als Meister für die IHELA. Ich habe früher immer, als ich noch klein war, gedacht, die Meister, das sind die Leute, die ihr Handwerk ganz besonders gut verstehen. Jetzt habe ich aber letztens zum Beispiel mit meinem Friseur geredet und der hat gesagt, dass er bei seiner Meisterschulung eigentlich gar nichts mehr mit Frisuren gemacht hat, sondern hauptsächlich BWL-Kram und wie führe ich Mitarbeiter und Ausbildung und so weiter. War das denn dann in den Lehrinhalten bei dir auch so oder macht man da noch wirklich irgendwelche IT, sag ich mal, Themen, wo es richtig hart reingeht in die Materie?

[11:59] Ne, also man muss sagen, dass der Operative Professional mit IT eigentlich im Prinzip gar nichts mehr zu tun hat, zumindest nicht mit technischen Inhalten. Das ist ähnlich wie beim Friseurmeister. Hier geht es um eine Aufstiegsfortbildung, die für den mittleren Management-Bereich ausgelegt ist.

[12:17] Dementsprechend haben wir hier auch Lehrinhalte wie Mitarbeiterführung, Personalmanagement, Projektanbahnung, Projektorganisation, Projektdurchführung, Projektmarketing, Requirements Engineering, also Themen, die mehr Methoden vermitteln.

[12:36] Also Methoden, wie mache ich sowas, wie gehe ich an so ein Thema auch ran, also wie plane ich ein Projekt, wie kontrolle ich ein Projekt, was sind Risikofaktoren in einem Projekt, wie betreibe ich Projektmarketing für mein Projekt, also wie schaffe ich es, dass die Mitarbeiter mein Projekt auch annehmen, wie nehme ich vernünftig Anforderungen auf, wie dokumentiere ich diese Anforderungen und erstelle vielleicht ein Pflichtenheft,

[13:01] damit ich im Bereich der Projektdurchführung auch einfach einen Leitfaden habe, was soll das Projekt eigentlich leisten, wo ist der Scope und wo ist der Scope halt nicht, was gehört nicht mit zum Projekt, was ist ausgegrenzt.

[13:16] Das sind ja so typische Themen. Jeder, der schon mal ein IT-Projekt gemacht hat, was ein bisschen größer war, weiß, das sind schwimmende Linien, über die man schnell drüber kommt und gerade wenn man externer Berater ist, der einen Kunden hat, der erwartet natürlich auch eine gewisse Qualität und er erwartet natürlich auch, dass das Projekt seinen Wünschen entsprechend durchgeführt wird.

[13:42] Das sind alles so Themen, die lernt man im OP irgendwo. Wie komme ich überhaupt dahin, so ein Projekt professionell aufzubauen, wie kann ich die Anforderungen professionell aufnehmen, wie leite ich so ein Projekt, wie steuere ich vor allen Dingen auch ein Projekt, wie steuere ich bei Problemen gegen, wie gehe ich mit den Mitarbeitern in meinem Projekt um, auch mit Konfliktsituationen.

[14:10] Was ist, wenn zwei Mitarbeiter sich in einem Projekt nicht verstehen oder wenn ich vielleicht externe Stakeholder habe, die das Projekt blockieren wollen, was es immer wieder gibt. Es gibt immer wieder Strömungen, die versuchen, ein Projekt scheitern zu lassen, weil sie den Sinn nicht sehen oder weil sie sich dann verändern müssten, was sie nicht so gerne möchten.

[14:30] Das sind Themen, die werden im OP vermittelt. Da werden auch zumindest bei meinem Weiterbildungsdienstleister, wo ich das gemacht habe, da werden da auch durchaus mal Rollenspiele gemacht, um sowas wirklich auch mal hautnah zu erfahren, wie das ist, wenn man wirklich einen Gegner da sitzen hat von so einem Projekt.

[14:54] Wie kann ich argumentativ denjenigen vielleicht überzeugen? Wie kann ich auf seine Bedenken eingehen? Wie schaffe ich es, so ein Projekt noch erfolgreich zu machen? Das sind alles Themen, die sind nicht technisch, sondern die sind eher zum Teil Soft Skills, zum Teil aber auch wirklich Methodiken, die nicht weniger wichtig sind. Das ist so der Schwerpunkt des OPs, würde ich sagen.

[15:20] Okay. Und als du dich dafür entschieden hast, war dir das so bewusst? Also hast du dich dafür entschieden, diese Inhalte auch zu vertiefen oder bist du da reingegangen wie, oh, ich lerne jetzt nochmal besonders gut, keine Ahnung, programmieren oder sowas? Und wie war es mit den anderen Teilnehmern? Waren die auch alle darüber informiert oder hat der eine oder andere vielleicht gedacht, oh, jetzt gehe ich aber nochmal hardcore in die IT?

[15:40] Mir war das durchaus bewusst. Ich habe mich darüber vorher informiert und habe auch bei meinem Weiterbildungsdienstleister damals angefragt, sowas, wo die Inhalte sind, was man da so macht. Und mir war ja von vornherein klar, ich wollte den Projektleiter machen und beim Projektleiter ist es, also für mich war es zumindest relativ klar, dass ich jetzt nicht hardcore programmieren muss, weil als Projektleiter macht man sowas in der Regel nicht.

[16:04] Es ist ja, wie ich auch eben schon mal erwähnt habe, eine Fortbildung oder eine Aufstiegsfortbildung, die, das stimmt nicht ganz, Fortbildung ist das falsche Wort, Aufstiegsweiterbildung muss man sagen, die schon gezielt auf das mittlere Management hingeht.

[16:23] Also man soll damit schon Führungsaufgabe übernehmen und das war auch das, wo ich damals gerne hin wollte, wo ich gesagt habe, ja, wenn ich mal ein Teamleiter werden möchte oder auch Projektleiter und Mitarbeiter führen will, dann brauche ich ja genau diese Skills.

[16:41] Und klar ist es da auch wichtig, fachlich irgendwo was zu können, das ist gar keine Frage, aber außerhalb dieser Fachlichkeit muss man natürlich auch Erfahrung haben, wie gehe ich mit Mitarbeitern um, wie mache ich Personalmanagement, wie gehe ich das ganze Thema halt an und da wollte ich schon auch hin, das war mir schon klar.

[17:01] Bei den anderen Teilnehmern würde ich sagen, war es das sicherlich zu 80 Prozent, so zwei, drei Leute waren dabei, denen war es glaube ich nicht ganz so klar, was dem ganzen Thema aber am Ende keinen Abbruch getan hat, die fanden es trotzdem gut.

[17:16] Okay, gut, ja, das ist ja wichtig, nicht, dass man irgendwas da anstößt und ist sehr enttäuscht, dass man gar nicht das lernt, was man sich vorgestellt hat, ja. Jetzt hast du gerade schon gesagt, ihr habt sogar Rollenspiele auch gemacht, finde ich natürlich super cool, gerade so für Teamsachen, die lernt man schlecht aus dem Buch, das heißt aber, du hast irgendwo vor Ort diese Weiterbildung gemacht und nicht irgendwie online oder so?

[17:38] Ich habe das sogenannte Blended Learning Konzept verfolgt bei dem Dienstleister, das heißt, es ist eine Mischung aus Online-Terminen und Präsenz-Workshops. Die Mischung fand ich damals ganz praktisch und zufälligerweise war dieser Dienstleister auch noch nicht allzu weit von mir entfernt, das war damals auch nochmal ein Ausschlag gegen das Kriterium.

[18:01] Für mich kam, also weil ich meine Persönlichkeit einfach kenne, ich brauche so ein bisschen den persönlichen Kontakt und ich mag das, wenn man auch vor Ort wirklich konzentriert arbeiten kann, deswegen habe ich mir gezielt etwas ausgesucht, wo auch Präsenz-Tage dabei sind.

[18:15] Das war damals, einmal in der Woche hatten wir drei Stunden eine Art Vorlesung mit einem Tutor, mit einem Dozenten, der uns im Prinzip über Folien und auch Aufgabenstellungen Themen vermittelt hat und in den Präsenz-Tagen, die waren dann alle sechs bis acht Wochen, zwei Tage Vollzeit, also Freitags und Samstags war das immer.

[18:37] Dort haben wir wirklich die Themen nochmal vertieft, haben dann auch Aufgaben zu den Themen gelöst, haben auch, was ganz, ganz wichtig war, alles mal präsentieren müssen, also es war nicht so, dass wir da still gesessen haben, es war immer Gruppenarbeit und jeder musste präsentieren.

[18:52] Alles wurde entweder in PowerPoint oder an einem Flipchart oder auf einem Overhead-Projektor präsentiert, ist natürlich so ein bisschen, merkt man schon didaktisch, so ein bisschen der Medienwechsel war ganz wichtig, dass man halt sich vorbereitet auf die Prüfung, denn auch dort muss man eine Präsentation halten über eine halbe Stunde und anschließendes Fachgespräch mitmachen, sowie die Vorbereitung auf die Prüfung für den Ausbilderschein.

[19:22] Da muss man was präsentieren und da muss man natürlich eine gewisse Sicherheit haben oder man muss es auf jeden Fall schon mal gemacht haben und des Weiteren ist es natürlich als Projektleiter auch unabdingbar, Präsentationen vor vielen Leuten zu halten.

[19:34] Also es ist eigentlich das tägliche Brot, vor der Geschäftsführung oder vor dem Kunden Ergebnispräsentationen zu machen oder zumindest Zwischenstände zu präsentieren und da muss man natürlich eine gewisse Sicherheit auch haben und darf da jetzt nicht so stehen wie ein kleiner Schuljunge, der noch nie eine Vorhnevasse präsentiert hat. Selbstbewusstsein ist da schon eigentlich Pflicht, würde ich sagen.

[19:57] Das kann ich unterstreichen, wenn ich an unsere Projektleiter denke oder einen Kollegen, den ich habe.

[20:01] Das ist sicherlich ein wichtiges Thema, gerade so ein Projektlenkungsausschuss vom Vorstand und so weiter.

[20:06] Das ist sicherlich absolut praxisrelevant. Da würde ich gleich mit der nächsten Frage anschließen.

[20:11] Was würdest du denn sagen, was du da gelernt hast? Wie viel kannst du davon tatsächlich in der Praxis anwenden?

[20:16] Also diese Präsentationstechnik ist offensichtlich etwas, was zum Alltag dazugehört.

[20:19] Die anderen Sachen, ich habe jetzt gerade gehört, ADASchein für die Ausbildung, okay.

[20:22] Aber was würdest du sagen, hast du noch mitgenommen für deine Praxisarbeit?

[20:27] Ich würde sagen, ganz viele Methoden. Es ist ja auch, wenn man in einer gewissen Klasse mitspielen will, ist Wording ein ganz wichtiges Thema.

[20:36] Also man muss mal gehört haben, was ist eine FMEA, was macht die? Was ist eine RAKI-Matrix?

[20:41] Was ist vielleicht eine Stack-Order-Analyse? Was ist eine Meilenstein-Trend-Analyse?

[20:47] Ja, was ist ein Programmablauf, äh nicht Programmablaufplan, ein Projektstrukturplan?

[20:53] Das sind so Themen, das sind Methoden, die werden einem im OP beigebracht.

[20:58] Das sind typische Projektmethoden auch, die nach einem bestimmten Standard wie PMBug zum Beispiel oder ISO-Norm vorgehen.

[21:05] Und ja, die muss man in einem Projekt natürlich kennen, wenn man mit anderen Projektmitarbeitern kommunizieren will.

[21:12] Gerade wenn es in den größeren Konzernbereich geht, wird das eigentlich vorausgesetzt, dass man diese Methoden auch kennt.

[21:18] Auch beim Requirements Engineering zum Beispiel die Möglichkeit, ein BPMN-Diagramm zu malen oder ein EPK zu lesen.

[21:28] Also quasi ja Prozesse lesen zu können.

[21:33] Das ist absoluter Standard heutzutage und wird in dem Bereich der Beratung, auch der Projektleitung eigentlich vorausgesetzt, dass man das kann.

[21:42] In der Regel wird auch vorausgesetzt, dass man irgendwie noch ein PRINZ-Zertifikat hat oder vielleicht im Bereich von ITIL sich in den Bereich des Projektmanagements weiterentwickelt hat oder weitergebildet hat.

[21:54] Das sind so Themen, die kann man da auch mitmachen. Das wurde uns damals auch angeboten.

[21:59] Wir konnten auch ein PRINZ-II-Zertifikat noch mitmachen, haben wir damals allerdings aus zeitlichen Gründen nicht ganz geschafft.

[22:07] Ärgert mich heute ein bisschen, aber haben wir irgendwie nicht hinbekommen.

[22:10] Das sind schon ganz, ganz wichtige Sachen. Also ohne dieses Wording und ohne zu wissen, worum es da einfach geht.

[22:17] Und das sind halt viele Sachen, die einfach sitzen müssen, wo man einfach merkt, okay, der weiß, worüber er redet.

[22:25] Der weiß, was eine KPI ist. Der weiß, was eine FMEA ist. Der weiß so viele Fachbegriffe, kennt er einfach.

[22:34] Und das ist, denke ich, ein großer Teil, der einem beim OP auch vermittelt wird.

[22:38] Also wirklich mit diesen Fachbegriffen umzugehen. Sie wissen, was sie tun und auch, was die Methoden dahinter machen.

[22:44] Und die sind aus meiner Erfahrung bei fast jeder Firma in immer abgewandelter Form.

[22:50] Der eine hat die FMEA so, der andere hat sie so. Oder der eine hat die RAKI-Matrix ein bisschen anders.

[22:55] Aber im Grunde sind die alle gleich.

[22:58] Jetzt hast du tatsächlich schon viele Abkürzungen reingeschmissen.

[23:03] Kann man sich da vorstellen, dass so eine Klausur oder Prüfung, die Prüfung gibt es ja wahrscheinlich auch am Ende, sieht die dann auch so aus?

[23:09] Erläutern Sie doch mal die Methode XY oder werden da so Fachbegriffe abgefragt?

[23:14] Oder wie kann man sich die Prüfung am Ende vorstellen?

[23:17] Nee, also das ist nicht rein die Abfrage der Methoden.

[23:24] Das wäre, glaube ich, auch ein bisschen einfach.

[23:26] Da geht es eher um Fragestellungen.

[23:29] Also da geht es darum, Sie bahnen zum Beispiel gerade ein Projekt mit der Firma X oder Z an.

[23:34] Und der Prozess des Einkaufs von irgendwelchen Waren soll demnächst über eine automatisierte Schnittstelle zwischen CRM und ERP gelöst werden.

[23:51] Wie würde sich so ein Prozess darstellen?

[23:54] Stellen Sie ihn bitte visuell in einem EPK dar zum Beispiel.

[23:57] Also da muss man schon ein bisschen mehr Gehirnschmalz reinstecken.

[24:01] Also muss es auch geübt haben vor allen Dingen.

[24:03] Das ist wichtig.

[24:04] Also die Notation von so einem EPK oder BPMN-Modell, das muss man schon können.

[24:09] Man muss auch verstanden haben, wie die Entscheidungsbäume da ablaufen und wie sich das ganze Thema zusammensetzt.

[24:16] Das muss man schon ein paar Mal gemacht haben, bevor man das, also ich sage mal, wer Requirements Engineering im Bereich der Prozesse macht, also Prozessaufnahmen macht, der weiß, dass es da nicht nur auf die Richtigkeit der Syntax der Sprache ankommt, sondern so ein Prozess kann man natürlich beliebig kompliziert, aber auch beliebig einfach machen.

[24:36] Das Wichtige bei so einem Prozess ist natürlich, ihn so gut lesbar zu machen, dass auch ein anderer ihn versteht.

[24:43] Und ich denke, da besteht natürlich zumindest bei dem Teil die Schwierigkeit.

[24:47] Dann gibt es andere Fragestellungen.

[24:50] Es wird quasi, es gibt so eine Aufgabe, die umfasst dann mehrere Teilbereiche.

[24:55] Es gibt aber so eine Situation, die beschreibt dann nach dem Aufnahmen des Prozesses vielleicht, sie wollen ein Projekt anbahnen und müssen das Projektbudget kalkulieren.

[25:04] Bitte erläutern Sie, welche Einflussfaktoren in so einem Projekt alle gegeben werden und wie Sie die bewerten.

[25:12] Das wäre so eine nächste Aufgabenstellung.

[25:16] Danach kann man zum Beispiel, bitte planen Sie die Projektphasen.

[25:20] Welche Projektphasen sehen Sie, zeichnen, stellen Sie diese visuell in einem Programm ab, nicht Programmablaufplan, schon wieder sag ich das, in einem Projektablauf, Projektstrukturplan dar.

[25:33] Das ist, das wäre so ein Thema.

[25:36] Ja, und so, so, so zieht sich das eigentlich im Prinzip durch.

[25:40] Eine Situationsaufgabe und dann gibt es verschiedene Teilaufgaben, woran man zeigen muss, dass man verstanden hat, wie die Methode funktioniert, aber auch diese Methode auf ein konkretes Beispiel anwenden kann.

[25:53] Geht jetzt nicht darum, runter zu rattern.

[25:56] Was ist eine FMEA und was kann die?

[25:59] Das wird nicht abgefragt werden.

[26:02] Okay, also ist schon der Fokus darauf, dass man das, was man da gelernt hat, auch wirklich in die Praxis überträgt.

[26:07] Und also, wie nennt man das so schön, Transferaufgaben, erzähle ich ja.

[26:11] Das ist definitiv so.

[26:13] So ist eigentlich auch die ganze Fortbildung aufgebaut.

[26:16] Hier geht es wenig darum, stumpf irgendwelche, ja, irgendwelche auswendig gelernten Themen runter zu rattern, sondern wirklich das, was gelernt wurde an Methodik auch auf konkrete Beispiele anzuwenden.

[26:32] Ich sag mal, die, also die Prüfung besteht ja nicht nur auf diesem schriftlichen Teil, sondern auch aus dem Teil der Projektdokumentation und da geht es auch um ein konkretes Projekt, welches man dokumentieren soll.

[26:48] Und das sind so, ja, ich bin mir jetzt nicht mehr so ganz sicher.

[26:52] Ich glaube, ich habe so 65 Seiten geschrieben.

[26:55] Also ist schon wirklich ein komplexeres Projekt, was man in vielen Facetten beschreibt, mit natürlich ein paar gesetzten Schwerpunkten von der IHK, die sie halt ein bisschen genauer herausgearbeitet sehen wollen.

[27:07] Aber da geht es schon wirklich darum, sowas in der Praxis auch umzusetzen, damit die auch sehen, okay, es ist ja jetzt hier nicht nur ein 5-Tage-Workshop, wo man jetzt mal grob ein paar Begriffe lernt und die irgendwie in den Raum werfen kann,

[27:20] sondern dass man das auch wirklich anwenden kann, verstanden hat, wie die Anwendung auch genau funktioniert, weil das hört sich manchmal einfacher an, als es dann doch wirklich ist.

[27:29] Ja, also da gibt es viele, viele Teilbereiche, die man einfach anwenden können muss und auch in der Praxis anwenden können muss und diese Aufgaben zielen alle darauf hin eigentlich.

[27:44] Ja, also 65 Seiten Doku hört sich auf jeden Fall schon mal nach einer guten Bachelorarbeit an, kann man ja schon damit vergleichen im Prinzip, das ist ja auch so der Umfang.

[27:51] Ja, im Prinzip ist es ja auch so ein, ja, sag ich mal, auf dem Qualifikationsrahmen, auch auf dem ähnlichen Niveau wie ein Bachelor oder auf dem selben Niveau wie ein Bachelor,

[28:02] auch wenn es beim OP hier sicherlich sich um einen IHK-Abschluss handelt und der Bachelor ein akademischer Abschluss ist und es einfach zwei verschiedene Welten sind.

[28:12] Ich vergleiche das immer ganz gerne mit einem Diplom und einem Magister, es ist natürlich beides ein akademischer Abschluss, aber es ist nicht das Gleiche.

[28:20] Und ja, da ist natürlich der OP angelehnt, auch an einem Umfang eines Bachelors, weil es die Qualifikation auf dem selben Niveau darstellen soll, ja.

[28:34] Ja, jetzt sind wir schon halb in der Diskussion, Vergleich Bachelor und Operative Professional, vielleicht noch mal ganz kurz, du hast gerade, glaube ich, nebenbei mal erwähnt, anderthalb Jahre hat der bei dir gedauert, richtig?

[28:45] Ja, bei mir hat er ein bisschen länger gedauert, ich habe zwei Jahre gebraucht, weil man ein Jahr lang für die Projektdokumentation Zeit hat.

[28:54] Normalerweise macht man das im ersten halben Jahr, ich hatte damals privat viel um die Ohren, bin umgezogen und so weiter, da habe ich das im ersten halben Jahr nicht geschafft und habe das auf das zweite halbe Jahr geschoben und bin dadurch auf zwei Jahren gelandet.

[29:09] Aber man kann das auch in anderthalb Jahren schaffen, ja.

[29:14] Ein Jahr hat man Zeit für die Projektdokumentation, das ist ja cool.

[29:17] Genau, wenn man das vollkommen ausnutzt, also wenn man von der ersten Anmeldefrist und von dem ersten Gespräch bei der IHK sozusagen, da kriegt man seine Schwerpunkte genannt, dann hat man ein Jahr lang Zeit, diese Projektdokumentation, es gibt zwei Termine quasi, alle halbe Jahre, man hat zweimal Zeit, die einzureichen.

[29:38] Genau, und dann, ich habe sie quasi beim zweiten Termin dann eingereicht, weil ich bis zum ersten Termin einfach keine Zeit hatte, mich wirklich damit auseinanderzusetzen.

[29:48] Ja, wie eben schon erwähnt, 65 Seiten sind halt auch kein Pappenstiel, die man mal eben so in zwei Tagen runterschreibt, sondern da muss man schon ein bisschen Recherche betreiben, auch das Thema sauber aufarbeiten und ja auch schon durchaus ganz schön Gehirnschmalz reinstecken, damit da was Anständiges bei rauskommt, ja.

[30:08] Auf jeden Fall, ja und wenn es auch noch irgendwie an ein echtes Projekt vielleicht aus dem Unternehmen angelehnt ist, ich meine, die laufen ja vielleicht auch nicht mal irgendwie so jeden Tag irgendwie um die Ecke, habe ich richtig verstanden, dass es schon darum geht, dass du auch ein echtes Projekt aus deinem Umfeld dabei dokumentiert hast, oder?

[30:24] Genau, ich habe das in meinem Fall auch wirklich so gemacht. Es war ein Projekt, was einen Zeitrahmen von mindestens, bei mindestens bin ich mir gerade nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube mindestens ein halbes Jahr und maximal ein Jahr haben sollte.

[30:39] Mein Projekt lief genau ein Jahr, das hatte ich auch kurz bevor ich da die Arbeit angefangen hatte oder bevor ich mich für das Thema entschieden hatte, besser gesagt, habe ich dieses Projekt auch abgeschlossen und das passte da damals eigentlich ganz gut.

[30:55] Gut, die IHK kann natürlich nicht zwangsweise erwarten, dass jeder ein Projekt in dieser Art hat, weil man lernt ja auch die Projektleitung erst im OP und der eine oder andere hat eventuell kein Projekt, was es in Umfang hat.

[31:11] Ich habe, also die IHK Bielefeld hat uns das zumindest damals angeboten, ich habe jetzt aber gehört, dass andere IHKs, zum Beispiel IHK München, das überhaupt nicht gut finden, dass man ein Projekt nimmt, was ja rein hypothetisch ist oder was halt vielleicht einen großen Teil an Hypothetik mit drin hat, weil man das Projekt, was man hat, nicht diesen Umfang hatte.

[31:33] Das scheint sich von IHK zu IHK so ein bisschen zu unterscheiden. Ja, da muss man sicherlich bei der IHK, wenn man dann wirklich zur Prüfung will, mit denen nochmal genauer sprechen, das scheint sich da wirklich öfter mal zu ändern.

[31:50] Okay. Ja, ist ja nichts Neues, dass die IHK in Deutschland irgendwie alle ihr eigenes Ding drehen, warum soll das hier auch anders sein? Ja, ist schön zu hören. Jetzt hast du was zur Dauer gerade erzählt, eine Frage hätte ich jetzt noch zu den Kosten, hast du glaube ich mal ganz kurz was angerissen, gibt es da irgendwie eine Hausnummer, wo man sagt, der OP kostet immer x oder hängt das von dem Anbieter ab oder wie lange man braucht dafür oder wie ist das der Regel?

[32:15] Ja, grundsätzlich ist es ja so, dass der OP an sich nur diese Prüfung darstellt, also man kann theoretisch den OP auch im Eigenstudium irgendwie aneignen, ist aber nicht ganz einfach, würde ich persönlich auch nicht empfehlen, zumindest nicht, wenn man eine gute Note haben will, weil die Bildungsträger in der Regel genau wissen, was die IHKs aktuell für Schwerpunkte haben, wo die besonderen Wert drauf stehen.

[32:45] Was man tun sollte, was man lassen sollte, das kennt man auch sicherlich von den Fachinformatikerprüfungen schon, die IHK bringt auch ganz gerne mal Komplexität, zumindest im OP, durch Fragestellung rein.

[32:57] Das heißt, die Fragen sind nicht unbedingt immer sehr klar formuliert und anhand der Frage hat man schon eine gewisse Komplexität und ich glaube, das lernt man im Eigenstudium sehr schwer, das kann man mit einem Weiterbildungsdienstleister, der einem da so ein bisschen zur Seite steht, ganz gut meistern.

[33:18] Ich habe damals, ich glaube damals hat das insgesamt für mich mit Prüfungsgebühr und allem drum und dran 5.900 Euro gekostet. Ich habe das BAföG finanzieren lassen, weil der Vorteil bei der BAföG-Finanzierung war, dass man, es ist im Prinzip das Meister-BAföG, das kann man einmal beantragen und bei erstmaliger bestehender Prüfung kriegt man 50% erlassen, das habe ich damals auch geschafft und auch natürlich dann im Prinzip nur die Hälfte zurückzahlen.

[33:48] Das ist eine gute Sache, aber es gibt genauso viele Mitkommilitonen, die sich das von ihrer Firma haben finanzieren lassen. Also das ist jedem selbst überlassen, wenn die Firma da bereit ist, einem das zu bezahlen. Ich würde sagen so grob um die 5.900 bis 6.000 Euro.

[34:10] Okay, das ist eine Hausnummer, aber wenn man es auch mit zum Beispiel einem Studium oder sowas vergleicht, da gibt es sicherlich auch noch deutlich teurere Lösungen. Kann man denn sagen, dass diese Bildungsträger, hast du es glaube ich genannt, dass sie irgendwie alle gleich funktionieren oder gibt es da auch irgendwie besonders gute und schlechte? Ist das wie so eine Art Berufsschule oder wie kann man sich da vielleicht den passenden raus suchen?

[34:34] Ja, das ist eine schwierige Frage. Ich kenne natürlich jetzt erstmal nur einen, weil ich habe nur bei einem meine Weiterbildung gemacht. Es gibt in dem Bereich schon ein paar, die das machen. Wie gut oder schlecht die allerdings sind, kann ich nicht sagen.

[34:48] Ich kann jetzt nur sagen, ich habe meinen Bildungsträger danach ausgesucht, wie nah er von mir entfernt war, von meinem Wohnort. Es war halt der nächste, das waren glaube ich 50 Kilometer, aber es gab genauso Leute, die bei mir in diesen Präsenztagen waren, die aus Hamburg irgendwie 400 Kilometer angereist kamen oder aus München.

[35:10] Ich hatte da einfach Glück, weil das hier zufälligerweise in der Nähe war und auch noch einer der, ich würde sagen, bekannteren Anbieter, Managementqualifikationen heißen die. Ich war da sehr zufrieden, hat super geklappt alles. Auch diese Mischung aus Präsenz und Online-Workshop war eine gute Sache.

[35:33] Es gibt allerdings auch Anbieter, habe ich gehört, die reine Online-Seminare anbieten, weil die Frage bei so einer Weiterbildung, die sich ja oft stellt, ist, wie viel Zeit muss ich da investieren und wie oft muss ich da präsent sein. Das Modell, dass man Freitags und Samstags alle sechs bis acht Wochen vor Ort ist, klappt halt nicht für jeden.

[35:51] Es gibt durchaus Leute, die sagen, ich kann den Freitag einfach nicht erübrigen, ich muss da arbeiten, weil ich habe große Projekte oder es ist mir vielleicht zu weit, da hinzufahren, weil es natürlich auch mit Hotelkosten verbunden ist, das darf man nicht vergessen. Die Kosten, die ich eben aufgeführt habe von diesen 5.900 Euro, sind natürlich reine Kosten, die man an den Bildungsträger zahlt, sowie die Prüfungskosten. Aber Fahrtkosten plus Hotelkosten kommen natürlich nochmal extra oben drauf.

[36:21] Zumal man da aber auch immer sagen muss, das ist ja eigentlich eine ganz stinknormale Rechnung, die man sich da macht. So eine Weiterbildung macht man ja nicht aus Jux und Dollerei, sondern man erhofft sich davon ja auch einen Aufstieg im Job.

[36:34] Und man muss halt schauen, wenn ich jetzt einen Bachelor mache, der mich vielleicht 15.000 Euro kostet, der muss sich halt irgendwann auch mal rentieren. Diese 15.000 Euro muss ich mir wieder reinholen. Genauso ist es natürlich beim OP, wenn ich da 5.000, 6.000, 7.000 Euro ausgebe.

[36:52] Da muss ich natürlich auch anschließend versuchen, einen entsprechenden Job zu ergattern, der das Ganze auch wieder reinbringt. Also ich denke, das Weiterbildungsthema ist halt ein Thema, das macht man in der, einige machen es vielleicht alleine für die persönliche Weiterentwicklung, das ist schön, aber die meisten machen es ja, glaube ich, weil sie sich schon erhoffen, auch eine bessere Stelle zu bekommen und auch mehr Geld zu verdienen dadurch.

[37:19] Und da kann ich eigentlich für mich nur die Frage beantworten, ich habe das definitiv geschafft, mein Gehalt ist seit dem OP durchaus gestiegen und das nicht gerade wenig.

[37:31] Was der OP da als Anteil hat, das kann man ja natürlich immer ein bisschen schwer beantworten, weil Karriere zu machen oder bessere Jobs zu bekommen, ist ja eine Mischung aus Qualifikation und Persönlichkeit.

[37:46] Ich würde für meinen Teil sagen, bei mir hat der OP definitiv einen Einfluss gehabt auf einen besseren Job, aber natürlich auch meine Persönlichkeit. Das spielt beides da mit rein.

[38:04] Okay. Und jetzt bist du noch nicht genau beim Thema, das kann man ja schwer vergleichen, wenn man es nicht selber gemacht hat, aber vielleicht kriegst du es aus dem Umfeld so ein bisschen mit. Wird denn der OP dann in der Arbeitswelt, sag ich mal ganz allgemein, entsprechend gut auch anerkannt? Ist der zum Beispiel auch bekannt bei den Arbeitgebern? Oder schauen die meisten eh irgendwie auf Studium und dieses OP oder irgendwas von der IHK, keine Ahnung was das ist? Oder wie ist da so dein Eindruck?

[38:31] Mein Eindruck ist eigentlich relativ positiv. Ich habe mir damals von meinem Bildungsträger in der Bewerbungsphase, also ich habe jetzt mittlerweile ein paar Mal einen Job gewechselt und ich habe das erste Mal den Job gewechselt, da war ich gerade noch mitten im OP drin, also das war so nach einem Jahr ungefähr.

[38:50] Da habe ich mir damals einfach vom Bildungsträger ein Zertifikat, also nicht ein Zertifikat, eine Bescheinigung ausfüllen lassen, wie viel Stundenumfang der OP eigentlich hat, damit jemand, der im Personalsitz überhaupt bewerten kann, was hat diese Weiterbildung eigentlich überhaupt für einen Umfang. Ist das jetzt hier irgendwie so zwei Wochen und dann kriegt der da so einen Projektleiterschein oder ist das wirklich ein bisschen was Handfesteres?

[39:14] Das habe ich bei der Bewerbung dabei gelegt und das habe ich im Bewerbungsgespräch damals auch darauf angesprochen worden und das wurde auch als sehr positiv aufgenommen. Fanden die, mein damaliger Arbeitgeber, super, dass ich mich neben der Arbeit selber auch noch weiterbilde und auch, sage ich mal, in einem Bereich, der durchaus wichtig ist.

[39:36] Ich habe damals auch eine Präsentation gehalten, hatte so eine Fachaufgabe gekriegt, da merkten die auch sofort, okay, der weiß, wovon er redet, das hat er nicht das erste Mal gemacht, das klappt, habe den Job damals dann auch gekriegt und bin jetzt vor fünf Monaten, habe ich den Job nochmal gewechselt und da war der OP schon bekannt und auch…

[39:58] sehr positiv bekannt, sage ich mal so. Also ich habe jetzt einen Job bekommen, wo ich sagen würde,

[40:08] ja, da kann man entweder mit dem Studium oder mit dem OP reingehen und das hat da ganz gut geklappt.

[40:15] Also ich sehe das sehr positiv im Moment. Okay und das gilt auch für deine Kollegen,

[40:21] sage ich mal. Wissen die auch, also ich sage jetzt einfach mal ganz klassisch, man hat dann

[40:25] noch ein paar Anwendungsentwickler oder Physis, klassische Fachinformatiker sitzen. Wissen die

[40:30] auch Bescheid, was man da an der IHK eigentlich so machen kann, um sich weiterzubilden oder denken

[40:35] die meisten auch zum Beispiel nur an ein Studium? Ich habe lustigerweise sogar zwei Kollegen,

[40:41] die auch so ein OP gemacht haben, unabhängig jetzt, wir kannten uns vorher nicht. Ja, ich

[40:48] denke, viele wissen es. Die meisten denken aber wahrscheinlich immer erstmal an ein Studium,

[40:53] weil es halt einfach bekannter ist. Schwer zu sagen, wie viele den OP jetzt wirklich kennen,

[40:59] aber er ist durchaus in der IT mittlerweile bekannter, würde ich sagen. Okay, ja, das ist

[41:06] sehr wichtig, wenn man wirklich da auch sehr viel Zeit investiert, wie du es ja auch gemacht hast

[41:10] und am Ende fragen die Leute immer, was hast du da eigentlich gemacht? Das ist ja auch irgendwann

[41:14] ein bisschen frustrierend. Also finde ich gut, dass das dann auch in der Industrie so ein bisschen

[41:17] auch ankommt. Gibt es denn, wenn man jetzt den OP abgeschlossen hat, noch irgendwas, was man noch

[41:24] weiter oben draufsetzen kann oder ist dann nach dem OP Feierabend? Ja, auch nach dem OP kann man

[41:30] theoretisch noch den strategischen Professional machen. Das ist ja im Prinzip so ein bisschen wie

[41:35] der Master. Der wird aber nicht so gut angenommen, habe ich von vielen gehört schon. Das wird kaum

[41:43] gemacht. Die meisten machen wirklich den OP und den strategischen Professional, machen danach ganz,

[41:48] ganz wenige und ja, der hat sich einfach nicht so etabliert. Ich habe mich selber dafür auch

[41:59] nicht wirklich interessiert, weil mir der OP da eigentlich erstmal gereicht hat. Okay, weißt du

[42:07] denn ganz grob, was man da dann noch machen würde? Also jetzt bezüglich der Inhalte,

[42:10] geht es dann nochmal wieder in die Projektleitung wieder rein oder macht man dann doch wieder den

[42:15] Schwung in die Technik oder hast du da eine Idee? Ne, also Technik wird es definitiv nicht sein. Ich

[42:20] kenne die genauen Inhalte ehrlich gesagt nicht, weil es schwer ist, über den strategischen

[42:24] Professional wirklich was rauszufinden. Da gibt es kaum Informationen im Internet. Das, was ich weiß,

[42:29] ist, dass er halt für die höhere Management-Ebene ausbilden soll. Also das, was der OP so im mittleren

[42:35] Management macht, soll der strategische Professional so eher im oberen Management

[42:40] sein. Aber welche Inhalte jetzt genau gemacht werden, kann ich leider nicht sagen. Okay,

[42:45] ist kein Problem. Ich habe jetzt nur daran gedacht, so Bachelor zum Beispiel, wenn man es jetzt einfach

[42:49] mit Studium vergleicht, das ist das Einzige, was ich jetzt kenne, ist der Bachelor eher so ein

[42:52] bisschen breiter ausgelegt und im Master kann man ja durchaus da nochmal richtig hardcore in

[42:56] Technologien rein. Zum Beispiel, ich weiß nicht, Software Engineering oder IT-Sicherheit, wo es

[43:00] nochmal wirklich richtig technisch wird. Deswegen hätte ich jetzt vielleicht gedacht, dass es in die

[43:03] Richtung geht. Aber okay, das reicht ja schon, dass es erstmal so ein bisschen wieder auch in

[43:08] Richtung Management geht und etwas weg von der Technik. Kannst du denn ganz allgemein so ein

[43:15] bisschen was dazu sagen, vielleicht nochmal zu deiner eigenen Motivation, auch den OP zu machen

[43:20] und nicht das Studium? Kannst du da so ein paar allgemeine Sachen aufführen, warum du dich für

[43:24] den OP entschieden hast und zum Beispiel nicht für ein Studium? Warum kam das für dich nicht

[43:28] in Frage? Das kam durchaus für mich in Frage, aber wie das immer so ist, wenn man schon in der

[43:37] Arbeitswelt steckt, hat das natürlich ein bisschen was auch mit Aufwand zu tun. Ich habe mir damals

[43:42] Studien oder Bachelorstudiengang gab es erstmal mit einer längeren Laufzeit nur. Also die meisten

[43:50] Studiengänge im Bereich des Bachelors, die halt nebenberuflich gemacht werden, dauern irgendwie

[43:55] so zwischen vier und fünf Jahre irgendwo. Das habe ich als sehr lange empfunden und habe gedacht,

[44:00] naja, da lernt man dann auch wieder viel Grundlagen, die mich auch jetzt im Prinzip erstmal

[44:06] gar nicht groß weiterbringen von der Grundidee her, sondern ich wollte schon mehr mich für den

[44:12] Bereich qualifizieren, in dem ich gearbeitet habe. Und ja, der Bachelor ist sicherlich auf dem Papier

[44:19] eine gute Qualifikation und zeigt auch, dass man sich irgendwie Inhalte selbst aneignen kann,

[44:25] dass man irgendwie akademisch arbeiten kann, dass man auch je nachdem, was man für einen Bachelor

[44:30] macht, auch verschiedene Fächer gut kann. Vielleicht hat man Mathe bestanden, hat BWL

[44:35] bestanden, wenn man Wirtschaftsinformatik macht, solche Themen. Aber das hat mich damals so ein

[44:41] bisschen abgeschreckt, weil es mir zu lang war. Jeder kennt das, die Motivation spielt bei so

[44:49] einer Fortbildung oder so einer Weiterbildung eine große Rolle. Und umso länger der Zeitraum ist von

[44:55] so einer Weiterbildung oder von einem Studium, umso höher ist auch die Wahrscheinlichkeit,

[44:59] dass man nicht dran bleibt. Und da es meine erste nebenberufliche Weiterbildung war,

[45:04] dachte ich, 1,5 Jahre oder anderthalb Jahre, das ist eine gute Zeit, das hältst du auf jeden Fall

[45:08] durch. Und auch im OP, muss ich sagen, das ist wie überall, auch da hat man mal seinen Hänger

[45:15] gehabt. Es sind halt anderthalb Jahre und da jede Woche wirklich am Ball zu bleiben, ist auch da

[45:21] nicht einfach. Ich habe mich da einfach persönlich fachlich für entschieden und ich glaube auch von

[45:28] der Länge kam mir das ein bisschen entgegen. Wenn ich jetzt nochmal in der Situation wäre,

[45:32] dass ich vielleicht Anfang 20 wäre und müsste mich beruflich entscheiden, dann würde ich

[45:36] wahrscheinlich einen Bachelorstudiengang anstreben, aber nebenberuflich fand ich das eine gute Sache.

[45:40] Okay. Ja, da würde ich jetzt einfach mal meine Einschätzung dazugeben. Also,

[45:45] ich kann das absolut nachvollziehen. Ich habe auch einen Kollegen zum Beispiel,

[45:47] der auch als fertiger Anwendungsentwickler wirklich komplett nebenberuflich einen Bachelor

[45:51] gemacht hat. Der hat auch fünf Jahre gebraucht. Das finde ich echt sehr lang. Also, Hut ab,

[45:55] wenn man das durchhält. Und du hast natürlich auch recht, so was man an einem Bachelor macht,

[45:58] gerade wenn man schon zum Beispiel jetzt in diesem Fall einen Anwendungsentwickler

[46:01] vorher gemacht hat, da wiederholt sich einfach sehr viel. Die 37. Einführung in Java,

[46:06] das kann man sich dann auch irgendwann schenken. Da nimmt man nichts Neues mehr mit. Und wenn du

[46:10] zum Beispiel gerade auch das Ziel hast, in eine Projektleitung, Projektmanagement zu gehen,

[46:13] ich glaube, da lernt man im Bachelor so gut wie gar nichts, weil da sind ja wirklich die

[46:17] absoluten Grundlagen, die man da erstmal vermittelt bekommt. Also, ich glaube,

[46:20] es hört sich für mich so an, gerade wenn man das so anstrebt, Management und vielleicht auch

[46:24] konkret das Ziel, Projektleiter zu werden oder das zu vertiefen, ist der OP tatsächlich die

[46:28] bessere Wahl als so ein völlig grundlegendes Bachelorstudium, wo man erstmal wieder bei null

[46:33] eigentlich anfängt. Denn im Prinzip hat man ja schon die dreijährige Ausbildung. Also,

[46:36] warum jetzt nochmal wieder ganz von vorne die Grundlagen lernen? Das ist schon nachvollziehbar.

[46:40] Ja, das sehe ich ähnlich. Und ich glaube auch, dass die Wirtschaft immer mehr erkennt,

[46:46] dass es auch Alternativen zum Bachelorstudium gibt oder generell zum Studium gibt, dass auch Leute

[46:56] in Führungspositionen oder auch in Projektleiterpositionen kommen können, die sich fachlich

[47:01] einfach hochgearbeitet haben, auch vielleicht durch so etwas wie ein OP und eine solide

[47:06] Ausbildung. Denn Fachwissen im Bereich der IT oder auch im Bereich fachspezifischer IT, wie jetzt in

[47:15] meinem Bereich ist, PLM, CAD, ist einfach ein Thema, was nicht so alltäglich ist, wo es auch gar nicht

[47:22] so viele Fachkräfte eigentlich gibt, wo auch aus meiner Sicht zumindest hier im Bereich OWL durchaus

[47:29] Mangel besteht. Da denken die Firmen momentan auch, glaube ich, stark um. Gerade die größeren

[47:35] Konzerne legen da jetzt gar nicht mehr so einen extremen Wert drauf. Das war aus meiner Sicht vor

[47:43] fünf Jahren noch anders. Also, da war für jede Stelle eigentlich fast mindestens ein Bachelor

[47:48] gefordert, auch wenn es eigentlich typische Stellen für Fachinformatiker waren. Ja, das ist

[47:54] natürlich auch schwierig. Dann hat man so eine Konkurrenzsituation. Man ist eigentlich ein super

[47:58] Ausgebildeter, zum Beispiel jetzt Programmierer, da rede ich ja jetzt immer nur von, und muss sich

[48:02] dann irgendwie gegen einen Bachelor durchsetzen, der vielleicht im Laufe seines Studiums sogar noch

[48:05] weniger programmiert hat, als man selbst in der Ausbildung. Aber allein, weil halt der Abschluss

[48:09] auf dem Papier halt mehr ist, wenn man dann halt noch so ein Unternehmen hat, was darauf sehr viel

[48:13] Wert legt, ist es natürlich auch hart dann. Genau. Okay, ich höre also jetzt mal raus, dass du sehr

[48:23] zufrieden bist, dass du den OP gemacht hast, dass er dir auch wohl sowohl, ich sage mal,

[48:28] monetär, aber auch für deine Persönlichkeitsentwicklung was gebracht hat. Kannst

[48:32] du jetzt so zusammenfassend sagen, Mensch, den mache ich nochmal, wenn ich die Chance hätte?

[48:36] Wenn ich nochmal in der Situation wäre, mich zu entscheiden, ja, dann würde ich

[48:41] den sicherlich nochmal machen. Ich habe es nicht bereut und kann auch sagen, dass ich glaube,

[48:50] dass er für die Zeit, also für diese anderthalb Jahre, die man für ihn braucht,

[48:55] plus vielleicht ungefähr diese 6.000 Euro, er sich definitiv monetär sowie persönlich rentiert hat.

[49:00] Also das habe ich auf keinen Fall bereut. Okay, klasse. Ja, das hört sich sehr gut an.

[49:07] Hast du noch irgendwelche Themen, die wir jetzt noch nicht angesprochen haben? Das war jetzt für

[49:13] mich so ein bisschen so die Fazitfrage ganz am Ende. Haben wir noch irgendwas vergessen rund

[49:17] um den OP, wo wir nochmal einmal drüber schnacken müssten?

[49:19] Ich glaube eigentlich nicht. Ich denke, das Wichtigste für die meisten Zuhörer wird

[49:26] sicherlich sein, wie ist die Anerkennung so in der Wirtschaft? Also was bringt mir der OP wirklich?

[49:31] Ist er anerkannt genug? Weil das ist auch so ein bisschen das, was vielleicht in den

[49:35] einen oder anderen Internetforum ein bisschen kontrovers diskutiert wird. Ist es ein Abschluss,

[49:41] der überhaupt was bringt oder ist das nicht? Und ich denke, die Fragen haben wir ganz gut

[49:44] beantwortet. Okay, sehr gut. Okay, ja, das finde ich super. Also ich glaube,

[49:55] ich persönlich habe auch einen super Eindruck jetzt bekommen, was der OP ist und was man damit

[49:59] machen kann. Ich finde es für mich persönlich auch wichtig. Ich muss meinen Azubis, die ich

[50:02] ausbilde, auch immer so ein bisschen so eine Hilfestellung geben, was sie machen wollen.

[50:05] Die meisten sagen auch einfach aus dem Bauch heraus, weil es jeder macht,

[50:09] ja, ich mache jetzt noch einen Bachelor. Aber ich finde, das ist ein guter Hinweis,

[50:12] dass es den OP gibt und auch mit gutem Grund. Und von daher nehme ich das einfach mal mit so

[50:17] ins Portfolio, dass man mal drüber nachdenkt auf jeden Fall, was man vielleicht nach einer

[50:20] Ausbildung machen kann. Eine Sache hätte ich noch, die fällt mir gerade ein. Die ist vielleicht auch

[50:25] im Hinblick darauf gar nicht so interessant. Habe ich in meinem Blog auch schon mal drüber

[50:30] geschrieben. Der OP, ja, es soll die Möglichkeit geben, einen verkürzten Bachelor nach dem OP zu

[50:38] machen und zwar mit der offenen Hochschule in Hameln. Das ist ab 2019 ist der erste Studiengang

[50:46] durch. Also es ist ein Erprobungsstudiengang, der muss ja auch akkreditiert werden. Und ab 2019 soll

[50:55] es offiziell möglich sein, da den Bachelor in anderthalb Jahren nachzuholen. Ist zwar kein

[51:00] Bachelor of Science, sondern, jetzt bin ich mir nicht ganz sicher, Bachelor of Art, glaube ich.

[51:05] Aber, ja, kann man auf dem OP mit aufsatteln und macht sozusagen seinen Bachelor, also seinen

[51:13] regulären Bachelorabschluss dann in einem Jahr plus einem halben Jahr Bachelorthesis. Also auch

[51:20] da besteht immer mehr die Möglichkeit, sich auch den Bachelor anrechnen zu lassen, den OP anrechnen

[51:26] zu lassen, um nochmal einen akademischen Bachelor zu machen. Es ist also nicht unbedingt vergebene

[51:32] Liebesmüh, wenn man sagt, ich will später dann vielleicht doch noch einen Bachelor machen. Ja.

[51:37] Okay. Hast du denn, wo wir gerade noch beim Thema sind, eine Idee, wenn der OP dem Bachelor

[51:45] gleichgestellt ist, kann man theoretisch mit dem OP auch einen Masterstudium direkt machen?

[51:50] Auch das wird an der offenen Hochschule angeboten. Da bin ich aber noch so ein

[52:00] bisschen vorsichtig, muss ich ganz ehrlich sagen. Es gibt dort einen Erprobungsstudiengang, der

[52:07] das, genau das auch macht, der also sozusagen mit dem OP einem direkt zum Bachelor zulässt, äh, zum

[52:13] Master zulässt. Da macht man aber so einen Bachelor in den ersten Semestern Bachelor irgendwie nach

[52:19] und schreibt auch eine Bachelorthesis. Das habe ich gehört, ist ein ziemlich, ziemlich straffes Thema,

[52:25] was auch schnell überfordern kann. Muss man mal abwarten, wie sich das so entwickelt.

[52:33] Möglichkeiten wird es da in Zukunft, denke ich, geben. Das wird sicherlich noch ausgebaut werden

[52:40] und weil es auch in der, ja, in der Richtung auch Bemühungen gibt und das ist eigentlich auch eine

[52:45] gute Sache, weil ich finde, dass man mit dem OP durchaus viele Inhalte vermittelt bekommt, die

[52:51] auch, ja, in einem Studium vielleicht auch teilweise gleich kommen, aber einige Sachen,

[52:57] das auch wiederum nicht sind, wie so Basisthemen, wie Mathematik, BWL, das macht man natürlich im

[53:03] OP alles nicht, aber das kann man ja in diesem einen oder anderthalb Jahren auch noch nachholen.

[53:08] Das ist eine Scheine für diese Basisthemen. Okay, gut. Da muss ich jetzt auch noch eine

[53:13] Frage nachschließen, wo wir gerade beim Thema sind. Weißt du, ob der OP entsprechend im Bachelor

[53:18] oder einem anderen Abschluss auch im öffentlichen Dienst anerkannt ist? Die haben ja auch immer ganz

[53:23] besondere Anforderungen, gerade was schöne Zertifikate und Abschlüsse angeht. Das letzte,

[53:28] was ich gehört habe, das ist aber Stand 2017, da war es definitiv so, dass der OP im öffentlichen

[53:34] Dienst nicht zum höheren Dienst befähigt. Das ist ja so ein bisschen die Frage. Da haben ja alle,

[53:41] die im öffentlichen Dienst arbeiten, mal so ein bisschen das Problem mit der Eingruppierung,

[53:45] denn nur mit einem Studium kommt man in eine gewisse Eingruppierung und der OP befähigt

[53:50] aktuell noch nicht dazu. Okay, ja, dann würde ich sagen, wenn von deiner Seite aus nichts mehr

[53:58] offen ist, dann haben wir, glaube ich, alles behagt, was ich mir auch so ausgedacht habe rund

[54:03] um den OP. Ja, schön. Ich hätte jetzt nichts mehr. Dann wäre jetzt eigentlich nur noch die Frage. Du

[54:09] bist jetzt unser OP-Experte. Wenn man jetzt konkrete Fragen noch an dich hat, wo findet

[54:13] man dich denn online? Ja, natürlich unter meinem Blog, op-blog.de oder unter Xing. Der ist auf

[54:20] meinem OP-Blog auch verlinkt. Da kann mich gerne jeder anschreiben über Xing oder per E-Mail. Da

[54:26] bekomme ich auch immer wieder Anfragen von Interessenten, die eine spezielle Frage haben

[54:34] und wissen möchten, wie lange das gedauert hat oder wann ich das gemacht habe. Steht auch alles

[54:40] irgendwie in meinem Blog drin, aber wie das natürlich mal so ist, mittlerweile sind das auch

[54:43] viele, viele, viele Seiten und nicht jeder findet jede Information sofort. Also, können mich gerne

[54:49] per Mail anschreiben. Okay, klasse. Ja, die Links brauche ich natürlich auf jeden Fall auch in die

[54:54] Shownotes einfach draufgehen und anklicken und ansonsten op-blog, glaube ich, mit einem

[54:59] Bindestrich dazwischen. op-blog.de, richtig? Genau. Wunderbar, für alle, die das nicht über

[55:05] Shownotes erreichen wollen. Also nochmal op-blog.de, da könnt ihr den Simon erreichen und ihn noch mit

[55:11] Fragen löchern rund um den OP. Ja, das wäre es dann von meiner Seite. Also, ich bin restlos glücklich,

[55:17] bin super informiert über den OP. Ich danke dir ganz herzlich für das informative Gespräch und

[55:23] ja, vielleicht bis irgendwann mal. Alles klar, gerne. So, das war also mein Interview mit Simon

[55:33] Stork über den Operative Professional. Ich hoffe, er konnte dir ein bisschen was zu dieser offiziellen

[55:39] Weiterbildung nach deiner Ausbildung sagen und vielleicht ist es ja auch für dich tatsächlich

[55:43] eine Alternative zu dem klassischen Studium, was ja jeder macht. Also, ich würde nochmal drüber

[55:49] nachdenken, ob es sich wirklich lohnt, den Bachelor zu machen und nochmal quasi bei vorne

[55:53] anzufangen, wenn du schon programmieren kannst oder wenn du gerade diese Karrieremöglichkeit

[55:59] wahrnehmen willst und zum Beispiel Projektleiter werden möchtest. Ja, vielleicht ist das ja genau

[56:03] der richtige Weg für dich. Also, ich bin auf jeden Fall jetzt sehr viel schlauer. Ich kann mir sehr

[56:07] gut vorstellen, für wen sich diese Weiterbildung lohnen könnte und für wen eher nicht. Von daher

[56:11] hoffe ich, dass du auch ein bisschen was mitnehmen konntest und alles, was du heute noch nicht

[56:14] erfahren hast, ja, kannst du natürlich im Internet finden. Simon hat seine Seite schon genannt,

[56:19] op-blog.de. Schau aber gerne auch in die Shownotes, da ist das alles nochmal verlinkt. Die findest du

[56:24] wie immer unter anwendungsentwicklerpodcast.de slash 127 für die 127. Episode heute. Wir würden

[56:33] uns auf jeden Fall beide über deine Kommentare freuen. Also schreib uns gerne an, wenn du noch

[56:37] irgendwas wissen willst oder ja, wenn wir irgendwie was erzählt haben, was doch nicht so

[56:41] passt. Vielleicht hast du ja selber den OP gemacht und kannst auch ein bisschen was dazu beitragen.

[56:44] Wir freuen uns auf jeden Fall über jedes Feedback. Ja, das soll es für heute auch gewesen sein. Ich

[56:50] sage vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. Tschüss!

Polyglot Clean Code Developer
About the Author
Ausbildungsleiter für Fachinformatiker:innen Anwendungsentwicklung, IHK-Prüfer und ehemaliger Hochschuldozent für Programmierung und Software-Engineering.

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