Prüfungsvorbereitung auf Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung der IT-Berufe – IT-Berufe-Podcast #168

Um die Prüfungsvorbereitung auf Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung (nach der Neuordnung der IT-Berufe 2020) geht es in der einhundertachtundsechzigsten Episode des IT-Berufe-Podcasts.

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Inhalt

Art der Prüfung

Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung der IT-Berufe ist eine schriftliche Prüfung von 90 Minuten zum Themenbereich „Einrichten eines IT-gestützten Arbeitsplatzes“. Diese Prüfung ist für alle IT-Berufe identisch, da die gemeinsamen Qualifikationen geprüft werden, die in den ersten 18 Monaten der Ausbildung vermittelt werden müssen. Zulassungsvoraussetzung ist u.a. das ordnungsgemäße Führen des Ausbildungsnachweises.

Gewichtung des Prüfungsergebnisses

Der erste Teil der gestreckten Abschlussprüfung zählt – anders als die ehemalige Zwischenprüfung – voll zur Abschlussnote. Und ihr Anteil liegt sogar bei 20%. Das heißt, ein Fünftel der Abschlussnote wird bereits durch diese Prüfung festgelegt. Daher sollte man – weder als Azubi noch als Ausbilder:in – diesen Prüfungsteil unterschätzen, sondern sich gut darauf vorbereiten.

Die Abschlussprüfung ist bestanden, wenn die Prüfungsleistungen – auch unter Berücksichtigung einer mündlichen Ergänzungsprüfung nach § 17 – wie folgt bewertet worden sind:

  1. im Gesamtergebnis von Teil 1 und Teil 2 mit mindestens „ausreichend“,
  2. im Ergebnis von Teil 2 mit mindestens „ausreichend“,
  3. in mindestens drei Prüfungsbereichen von Teil 2 mit mindestens „ausreichend“ und
  4. in keinem Prüfungsbereich von Teil 2 mit „ungenügend“.

(FIAusbV, §16, Absatz 2)

Demnach kann man seinen Abschluss auch schaffen, wenn man in Teil 1 der Prüfung durchfällt, da lediglich das Gesamtergebnis „ausreichend“ sein muss und man eine schlechte Note in Teil 1 mit einer guten in Teil 2 „ausgleichen“ kann. Trotzdem ist schon ab einem Ergebnis von 55% oder schlechter in Teil 1 rein rechnerisch keine „sehr gute“ Gesamtnote mehr möglich! Rechne es dir gerne selbst nach: Notenrechner für die neue IT-Abschlussprüfung.

Allgemeine Prüfungsinhalte von Teil 1

Aufgrund der Wichtigkeit der Prüfung für die Abschlussnote empfehle ich, so früh wie möglich mit der Prüfungsvorbereitung anzufangen. Leider sind die Inhalte von Teil 1 aber wenig fachspezifisch und/oder technisch, sondern eher „allgemeiner“ Natur (z.B. Projektmanagement, Abrechnungen, Angebotsvergleich, Schulungen, Präsentationen, Datenschutz). Ein wenig Technik wird eigentlich nur durch die Grundlagen der Programmierung integriert. Insbesondere – meiner Meinung nach – grundlegende IT-Themen wie Netzwerke, VPN, RAID oder Backups sollen zwar laut Ausbildungsrahmenplan bereits im 1. Ausbildungsjahr vermittelt werden, sind aber nicht prüfungsrelevant. Nur die ersten sieben Absätze der „Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten der Berufsbildpositionen“ werden in Teil 1 der Prüfung abgefragt.

Teil 1 findet im vierten Ausbildungshalbjahr statt, Teil 2 am Ende der Berufsausbildung.

(FIAusbV, §7, Absatz 2)

Das heißt, dass die IT-Azubis den ersten Teil ihrer Ausbildung fast gar nicht mit den vermutlich für sie spannenderen Themen ihres Berufs oder ihrer Fachrichtung verbringen (z.B. Netzwerke beim FISI oder Machine Learning beim FIDP), was zu Frustration führen könnte. Ein:e Anwendungsentwickler:in, der/die im ersten Ausbildungsjahr nur Angebote einholt (überspitzt dargestellt), hat sich das sicherlich anders vorgestellt (kein Coooooode!). Und als Ausbilder:in bekommt man auch erst spät eine Einschätzung über die Eignung der Azubis für die eigentlich Kernthemen des Berufs. Daher schlage ich vor, zu Beginn der Ausbildung die Probezeit für diese Kernthemen zu nutzen und erst danach mit der parallelen Vermittlung der unten genannten Inhalte zu beginnen. Dann haben die Azubis noch gut ein Jahr Zeit, sich auf die Prüfung vorzubereiten und lernen trotzdem schon die für sie interessanten Inhalte des Berufs (z.B. Programmieren oder Netzwerkadministration).

Strategie zur Vorbereitung

Meine empfohlende Vorgehensweise zur Prüfungsvorbereitung auf Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung sieht wie folgt aus.

  • Alte Prüfungen durchgehen!
    • Solange es noch keine bzw. wenige alte Prüfungen gibt (bis ca. 2023) mit alten IHK-Abschlussprüfungen und Zwischenprüfungen lernen.
    • Dabei insbesondere die Aufgaben bearbeiten, die den Inhalten der neuen Prüfung zuzuordnen sind.
    • Die erste Prüfung Teil 1 wird im Herbst 2021 stattfinden (für Verkürzer).
  • Echte Projekte in der Praxis umsetzen und dabei die genannten Methodiken anwenden.
    • Die Reihenfolge und zeitliche Durchführung hängt vom gewählten Beruf und dem Unternehmen ab. Hier gibt es keine allgemeingültige Empfehlung oder Vorgabe.
  • Mit Hilfe von (Schul-)Büchern und Beispielaufgaben gezielt Inhalte vertiefen, die vielleicht nicht in der Praxis vermittelt werden (können).
    • Für die Prüfungsinhalte von Teil 1 sind inzwischen einige (gute) Bücher verfügbar und auch einige „Standardwerke“ können in Teilen integriert werden.
  • Regelmäßig üben (mit Feedback durch Ausbilder:in) und kein „Bulimie-Lernen“ kurz vor der Prüfung.
    • Azubis und Ausbilder:innen müssen sich diese Zeit auch reservieren (z.B. 2 von 5 Tagen Lernen/Prüfen, Rest Praxis).

Konkrete Prüfungsinhalte von Teil 1

Die Paragraphen, die für Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung relevant sind, können jeder Berufsverordnung der neuen IT-Berufe entnommen werden, da sie für alle IT-Berufe identisch sind. Beispiel: FIAusbV: Verordnung über die Berufsausbildung zum Fachinformatiker und zur Fachinformatikerin.

Teil 1 der Abschlussprüfung erstreckt sich auf

  1. die im Ausbildungsrahmenplan für die ersten 18 Monate genannten Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten der Berufsbildpositionen nach § 4 Absatz 2 Nummer 1 bis 7 sowie
  2. den im Berufsschulunterricht zu vermittelnden Lehrstoff, soweit er den im Ausbildungsrahmenplan genannten Fertigkeiten, Kenntnissen und Fähigkeiten entspricht.

(FIAusbV, §8)

Zusammengefasst ergeben sich folgende Prüfungsbereiche.

Im Prüfungsbereich Einrichten eines IT-gestützten Arbeitsplatzes hat der Prüfling nachzuweisen, dass er in der Lage ist,

  1. Kundenbedarfe zielgruppengerecht zu ermitteln,
  2. Hard- und Software auszuwählen und ihre Beschaffung einzuleiten,
  3. einen IT-Arbeitsplatz zu konfigurieren und zu testen und dabei die Bestimmungen und die betrieblichen Vorgaben zum Datenschutz, zur IT-Sicherheit und zur Qualitätssicherung einzuhalten,
  4. Kunden und Kundinnen in die Nutzung des Arbeitsplatzes einzuweisen und
  5. die Leistungserbringung zu kontrollieren und zu protokollieren.

(FIAusbV, §9, Absatz 2)

Die den relativ allgemein und eher abstrakt gehaltenen Paragraphen zugeordneten konkreten Inhalte der folgenden Liste stammen aus den Umsetzungshilfen für Fachinformatiker/Fachinformatikerin des BIBB*. Die Lektüre der Umsetzungshilfen kann ich allen IT-Ausbilder:innen unbedingt empfehlen!

BIBB-Umsetzungshilfen Fachinformatiker/Fachinformatikerin (Ausbildung gestalten) (Affiliate)*

1 Planen, Vorbereiten und Durchführen von Arbeitsaufgaben in Abstimmung mit den kundenspezifischen Geschäfts- und Leistungsprozessen

Mein Vorschlag: Konkretes Projekt „von vorne bis hinten“ umsetzen und parallel die genannten Methoden anwenden.

1a: Grundsätze und Methoden des Projektmanagements anwenden

  • Initiieren, Planen, Steuern, Kontrollieren und Abschließen von Projekten nach aktuell gängigen Projektmanagementstandards
  • Anwendung von Methoden, Hilfsmitteln, Techniken und Kompetenzen in einem Projekt, z.B.:
    • Projektplan
    • Meilensteine
    • Risikoanalyse
    • Standards und Normen
    • Projektmanagementsysteme
  • Basiskenntnisse des Veränderungsmanagements
  • Unterscheiden verschiedener Projektmanagementmethoden und Vorgehensmodelle, z.B.:
    • agiles Projektmanagement
    • V-Modell
    • Spiralmodell
    • Wasserfallmodell

Konkrete Literaturempfehlungen

1b: Auftragsunterlagen und Durchführbarkeit des Auftrags prüfen, insbesondere in Hinblick auf rechtliche, wirtschaftliche und terminliche Vorgaben, und den Auftrag mit den betrieblichen Prozessen und Möglichkeiten abstimmen

  • Beachten der Voraussetzungen im eigenen Arbeitsumfeld
  • Definieren von Aufgaben, Rollen und Verantwortlichkeiten für alle Projektbeteiligten, z.B.:
    • Projekt-Auftraggeber
    • Projektleiter
    • Projekt-Steuerkreis
    • Projektmitarbeiter

Konkrete Literaturempfehlungen

1c: Zeitplan und Reihenfolge der Arbeitsschritte für den eigenen Arbeitsbereich festlegen

  • Definieren und Festlegen von Arbeitspaketen und Abhängigkeiten
  • Erleichterung der Planung und der Fortschrittskontrolle durch Aufteilung des Arbeits- bzw. Projektverlaufs in überprüfbare Etappen mit Zwischenzielen
  • Umsetzung der Arbeitspakete in konkrete Handlungen und Messen anhand von Prüfkriterien
  • ggf. Ableiten einer Prognose für den weiteren Fortschritt bzw. den Endtermin

Konkrete Literaturempfehlungen

1d: Termine planen und abstimmen sowie Terminüberwachung durchführen

  • Nutzung verschiedener Projektmanagementsysteme
  • Erstellung von Projektstrukturplänen zur Gliederung von Projekten in plan- und kontrollierbare Elemente
  • vollständige Erfassung aller relevanten Tätigkeiten eines Projektes (funktionsorientierte, objektorientierte oder zeitorientierte Gliederung) im Top-down-, Bottom-up- oder Yo-Yo-Ansatz
  • Visualisierung, z.B.:
    • Netzplantechnik
    • Scrum Board
    • Kanban Board
    • Gantt-Diagramme

Konkrete Literaturempfehlungen

1e: Probleme analysieren und als Aufgabe definieren sowie Lösungsalternativen entwickeln und beurteilen

  • Analysieren im Sinne von Erkennen und Einordnen
  • Problemlösungsvarianten entwickeln
  • Probleme beseitigen durch, z.B.:
    • Situationsanalyse
    • Problemeingrenzung
    • Aufzeigen von Alternativen
    • Auswahl von Lösungen
    • Analysieren der Chancen und Risiken der ausgewählten Lösung anhand vorher definierter Beurteilungskriterien

Konkrete Literaturempfehlungen

1f: Arbeits- und Organisationsmittel wirtschaftlich und ökologisch unter Berücksichtigung der vorhandenen Ressourcen und der Budgetvorgaben einsetzen

  • Berücksichtigung der Formen von Arbeitsorganisation, z.B.:
    • Gruppenarbeit
    • Pair Programming
  • Budgetplanung als Teil der Unternehmensplanung
  • effektiver und effizienter Einsatz von Arbeits- und Organisationsmitteln
  • Prüfung des Ressourceneinsatzes auf:
    • rechtliche Zulässigkeit
    • technische und organisatorische Machbarkeit
    • ökologische Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit
  • Prüfung der Wirtschaftlichkeit mittels betriebswirtschaftlicher Methoden, z.B.:
    • Rentabilitätsrechnung
    • Amortisationsrechnung

Konkrete Literaturempfehlungen

1g: Aufgaben im Team sowie mit internen und externen Kunden und Kundinnen planen und abstimmen

  • Team als soziales Gefüge verstehen („social awareness“)
  • Phasen der Teamentwicklung kennen und anwenden (Konflikt, Kontrakt, Kooperation)
  • Methoden des sachbezogenen Verhandelns kennen und anwenden, z.B.:
    • Win-win-Strategie
    • Harvard-Konzept
  • adressatengerechte Kommunikation

Konkrete Literaturempfehlungen

1h: betriebswirtschaftlich relevante Daten erheben und bewerten und dabei Geschäfts- und Leistungsprozesse berücksichtigen

  • Bewerten anhand vorgegebener unternehmensspezifischer Daten

Konkrete Literaturempfehlungen

1i: eigene Vorgehensweise sowie die Aufgabendurchführung im Team reflektieren und bei der Verbesserung der Arbeitsprozesse mitwirken

  • gemeinsame kritische Analyse der bisherigen Zusammenarbeit und der Ergebnisse („lessons learnt“)
  • offenes Ansprechen von Erfolgen und Problemen
  • gemeinsame Entwicklung von Maßnahmen zur Verbesserung, z.B. SCRUM-Retrospektive
  • konstruktive Kritik

Konkrete Literaturempfehlungen

2 Informieren und Beraten von Kunden und Kundinnen

Mein Vorschlag: Beschaffungsprozess anhand eines echten Beispiels durchlaufen und parallel die genannten Methoden anwenden.

2a: im Rahmen der Marktbeobachtung Preise, Leistungen und Konditionen von Wettbewerbern vergleichen

  • Primär- und Sekundärforschung
  • Unterscheiden und Nutzen von Erhebungsmethoden, z.B.:
    • Benchmark
    • Befragungen
    • Data Mining
  • Marktbeobachtung und Marktanalyse mit Marktdaten als Grundlage, z.B.:
    • Preisentwicklungen
    • Struktur der Anbieter
    • Produktqualitäten

Konkrete Literaturempfehlungen

2b: Bedarfe von Kunden und Kundinnen feststellen sowie Zielgruppen unterscheiden

  • Feststellung des Bedarfs an Waren, Dienstleistungen oder Personal in einer bestimmten Region, einer bestimmten Personengruppe oder in einem bestimmten Zeitraum, z.B.:
    • Zielgruppendefinitionen
    • Kundentypologien
    • Konsumverhalten

Konkrete Literaturempfehlungen

2c: Kunden und Kundinnen unter Beachtung von Kommunikationsregeln informieren sowie Sachverhalte präsentieren und dabei deutsche und englische Fachbegriffe anwenden

  • Argumentations- und Präsentationstechniken
  • zielgruppengerechte und lösungsorientierte Vorstellung von Produkten und Ergebnissen

Konkrete Literaturempfehlungen

2d: Maßnahmen für Marketing und Vertrieb unterstützen

  • Stärken-Schwächen-Analyse (SWOT etc.)
  • Begleiten von IT-Vertriebsprozessen
  • Motive und Werte der Kunden

Konkrete Literaturempfehlungen

2e: Informationsquellen auch in englischer Sprache aufgabenbezogen auswerten und für die Kundeninformation nutzen

  • unterschiedliche Quellen nutzen und bewerten, z.B.:
    • Internet und Intranet
    • Fachliteratur
    • technische Dokumentationen
  • kombinierte Suchabfragen unter Verwendung von Suchoperatoren
  • Berücksichtigung der geltenden Compliance-Regelungen, Ethik

Konkrete Literaturempfehlungen

3 Beurteilen marktgängiger IT-Systeme und kundenspezifischer Lösungen

Mein Vorschlag: Parallel mit 2) Beschaffungsprozess anhand eines echten Beispiels durchlaufen und die genannten Methoden anwenden.

3a: marktgängige IT-Systeme für unterschiedliche Einsatzbereiche hinsichtlich Leistungsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit und Barrierefreiheit beurteilen

  • IT-Systeme anhand ihres wirtschaftlichen Nutzens zum Unternehmenserfolg bewerten
  • Gegenüberstellen von Kosten-Nutzen
  • technische Leistungskriterien verschiedener IT-Systeme vergleichen und bewerten
  • intuitive Bedienung
  • barrierefreier Zugriff auf IT-Systeme, z.B.:
    • einfache Sprache
    • Braille
    • Spracheingabe- und -ausgabe

Konkrete Literaturempfehlungen

3b: Angebote zu IT-Komponenten, IT-Produkten und IT-Dienstleistungen einholen und bewerten sowie Spezifikationen und Konditionen vergleichen

  • Angebotsvergleiche, z.B. quantitative und qualitative Vergleiche
  • Gegenüberstellung Eigenfertigung oder Fremdbezug (Make or buy)
  • partieller/gewichteter Preisvergleich
  • Ausschreibung von Leistungen
  • Beschreibung von Leistungen, z.B.:
    • Pflichten- und Lastenheft
    • Leistungsverzeichnis
  • Einholung bzw. Bewertung von Angeboten
  • aus den Angeboten verschiedener Lieferanten das am besten geeignete Angebot identifizieren, z.B. mithilfe der Nutzwertanalyse

Konkrete Literaturempfehlungen

4 Entwickeln, Erstellen und Betreuen von IT-Lösungen

Mein Vorschlag: Konkretes (Programmier-)Projekt umsetzen und parallel die zusätzlichen Inhalte erarbeiten.

4a: IT-Systeme zur Bearbeitung betrieblicher Fachaufgaben analysieren sowie unter Beachtung insbesondere von Lizenzmodellen, Urheberrechten und Barrierefreiheit konzeptionieren, konfigurieren, testen und dokumentieren

  • Potenziale von IT-Systemen bzw. einem Verbund verschiedener Arten erkennen
  • Bestimmungen der Barrierefreiheit bei der Auswahl sowie der Einrichtung moderner Informations- und Kommunikationstechnik (Hard- und Software) berücksichtigen
  • Basiswissen IT-Servicemanagement und darin verwendeter Methoden und Verfahren, z.B.:
    • ITIL
    • CobiT
    • MOF
    • ISO 20000
  • Bestimmungen zur IT-Sicherheit (IT-Security) bei allen eingesetzten Hardware- und Softwaresystemen bzw. Infrastrukturen für eine Sicherheit der Informationsverarbeitung und auch der Kommunikation (Daten- bzw. Informationssicherheit) kennen und einhalten

Konkrete Literaturempfehlungen

4b: Programmiersprachen, insbesondere prozedurale und objektorientierte Programmiersprachen, unterscheiden

  • Vor- und Nachteile verschiedener Programmierparadigmen kennen und Programmiersprachen nach Sprachhöhe unterscheiden
  • Identifikation und Auswahl einer für das jeweilige „Realweltproblem“ passenden Sprache
  • Basiswissen Softwarelogik und grundlegende Programmelemente, z.B.:
    • Darstellungsformen für Programmabläufe
    • Aussagenlogik
    • Programmstrukturen
    • Datenstrukturen
    • Algorithmen
    • Objekte
    • Klassen
    • Variablen
    • Zuweisungen
    • Bedingungen/Verzweigungen
    • Schleifen

Konkrete Literaturempfehlungen

5 Durchführen und Dokumentieren von qualitätssichernden Maßnahmen

Mein Vorschlag: Begleitend zu den obigen Projekten miteinfließen lassen.

5a: betriebliche Qualitätssicherungssysteme im eigenen Arbeitsbereich anwenden und Qualitätssicherungsmaßnahmen projektbegleitend durchführen und dokumentieren

  • Nutzen der QS-Systeme im betriebseigenen Umfeld steht hier im Vordergrund
  • an der ständigen Verbesserung des betriebseigenen QS-Systems mitarbeiten
  • Modelle und Standards einordnen, z.B.:
    • EFQM
    • QS-Normen ISO 9000-9004
    • Six Sigma
  • Verbesserung der Prozessqualität, der Arbeitsqualität und damit der Produktund Dienstleistungsqualität (Stichwort: prozessorientiertes QM-System)
  • vorrangiges Ziel ist die Sicherstellung der vorgegebenen Qualität, ein höherwertiges Ergebnis ist nicht das primäre Ziel

Konkrete Literaturempfehlungen

6 Umsetzen, Integrieren und Prüfen von Maßnahmen zur IT-Sicherheit und zum Datenschutz

Mein Vorschlag: Dieser Block lässt sich gut eigentständig lernen, aber auch parallel in die Praxis der Projekte integrieren.

6a: betriebliche Vorgaben und rechtliche Regelungen zur IT-Sicherheit und zum Datenschutz einhalten

  • Nutzen und stetes Anwenden der betriebseigenen Regelungen zur IT-Sicherheit und für den Datenschutz
  • Anwenden des organisationsinternen Prozesses zur Gewährleistung der IT-Sicherheit und des Datenschutzes (IT-Sicherheitsmanagement)
  • normierte Vorgehensweise
  • Verwendung von Standards

Konkrete Literaturempfehlungen

6b: Sicherheitsanforderungen von IT-Systemen analysieren und Maßnahmen zur IT-Sicherheit ableiten, abstimmen, umsetzen und evaluieren

  • Anwenden aktueller Standards, z.B.:
    • ISO 27001
    • ISO 27002
  • Anwenden von Vorschriften, z.B.:
    • BDSG
    • Basel II und III
    • SOX
    • DSGVO
  • Anwenden von Evaluierungstechniken zur IT-Sicherheit (IT-Grundschutz-Handbuch)
  • Verhindern oder Abwehr von Gefahren für die Informationssicherheit oder Bedrohungen des Datenschutzes, z.B. durch Etablierung eines IT-Sicherheitsmanagements (ISMS) unter Verwendung von Standards wie IT-Grundschutz, ISO/IEC 27001
  • Identifizieren und Umsetzen von Sicherheitsmaßnahmen
  • Erreichen eines mittleren, angemessenen und ausreichenden Schutzniveaus für IT-Systeme durch technische Sicherheitsmaßnahmen und infrastrukturelle, organisatorische und personelle Schutzmaßnahmen

Konkrete Literaturempfehlungen

7 Erbringen der Leistungen und Auftragsabschluss

Mein Vorschlag: Diese Punkte sollten mit abgedeckt werden, wenn obige Projekte (erfolgreich) umgesetzt und übergeben werden.

7a: Leistungen nach betrieblichen und vertraglichen Vorgaben dokumentieren

  • Abstimmen der zu erwartenden Ergebnisse hinsichtlich betrieblicher und vertraglicher Rahmenbedingungen mit dem Auftraggeber
  • Dokumentation der Vereinbarung, z.B. mittels Pflichtenheft oder Anforderungskatalog
  • Dokumentation von Arbeits- und Projektzeiten (aktuell, flächendeckend und realistisch)
  • Zeiterfassung als Bestandteil des Projektmanagements und Controllings
  • Personaleinsatzplanung auf Basis der Arbeits- und Projektzeiterfassung

Konkrete Literaturempfehlungen

7b: Leistungserbringung unter Berücksichtigung der organisatorischen und terminlichen Vorgaben mit Kunden und Kundinnen abstimmen und kontrollieren

  • Abstimmen der dokumentierten Vorgaben zur Leistungserbringung während des gesamten Zeitraums mit dem Auftraggeber
  • kontinuierliche Prüfung der erfolgreichen Umsetzung und Ergebnisse sowie der zeitlichen Einhaltung
  • ggf. Berücksichtigung der Stilllegung von Altsystemen und Inbetriebnahme der neuen Systeme
  • Aufbewahrung von Archivdaten
  • vollständige Dokumentation der erbrachten Leistung

Konkrete Literaturempfehlungen

7c: Veränderungsprozesse begleiten und unterstützen

  • motivierte Herangehensweise und Betonung der Chancen
  • Anreichern mit eigenem Know-how
  • Voranbringen schnell und in geeigneter Weise unterstützen
  • Fragen beantworten, informieren und zuhören
  • Darstellung der Veränderungsschritte, z.B. anhand der sieben Phasen eines Change-Prozesses

Konkrete Literaturempfehlungen

7d: Kunden und Kundinnen in die Nutzung von Produkten und Dienstleistungen einweisen

  • Unterstützung bei der Umsetzung von Schulungsangeboten
  • Durchführung von Einführungsveranstaltungen (auch begleitende Unterstützung vor Ort)
  • Hervorhebung der Vorteile und Nutzen-Argumentation
  • zielorientierte Vorgehensweise

Konkrete Literaturempfehlungen

7e: Leistungen und Dokumentationen an Kunden und Kundinnen übergeben sowie Abnahmeprotokolle anfertigen

  • vor der Abnahme: Prüfung der Funktionsfähigkeit sowie Installation und Personalschulung
  • Abnahmeprotokoll mit Angaben zu Vollständigkeit, Funktionseignung und Schadensfreiheit des geprüften Werks erstellen
  • zusätzlich Aufnahme nicht geprüfter Abnahmekriterien
  • nötige Unterlagen zur Einführung und Umsetzung der Ergebnisse bereitstellen und übergeben, z.B.:
    • Planungsunterlagen
    • Angaben zu genutzten Systemen und Daten
  • Bedeutung und Moment der Abnahme verdeutlichen
  • Abgleich mit der Sollspezifikation durchführen und protokollieren

Konkrete Literaturempfehlungen

7f: Kosten für erbrachte Leistungen erfassen sowie im Zeitvergleich und im Soll-Ist-Vergleich bewerten

  • Dokumentation der angefallenen Kosten anhand einer Kostenaufstellung und der wirtschaftlichen Leistungserbringung erstellen
  • Bewerten und Dokumentieren der erbrachten Leistungen anhand der anfänglichen Abstimmung der betrieblichen und vertraglichen Vereinbarungen
  • Erfüllen oder Abweichen von der Vereinbarung dokumentieren
  • erbrachte Leistungen bestätigen lassen

Konkrete Literaturempfehlungen

Literaturempfehlungen

In meinem IT-Berufe-Newsletter begleite ich dich ab dem ersten Ausbildungsjahr bei der Prüfungsvorbereitung und intensiviere diese im zweiten Ausbildungsjahr passend zum Prüfungstermin. Wenn du dabei sein möchtest, melde dich einfach unverbindlich an. Du bekommst dann passend zu deinem aktuellen Ausbildungsstand Mails von mir mit Hinweisen zur Vorbereitung auf Prüfungsthemen oder konkreten Tipps für die Integration in deinen Ausbildungsalltag.

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Der „offizielle“ Prüfungskatalog enthält eine Liste der für Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung verbindlichen Inhalte. Ehrlich gesagt kann man diese Inhalte aber auch einfach der eigenen Berufsverordnung entnehmen.

Fachinformatiker/-in – Anwendungsentwicklung Prüfungskatalog für die IHK-Abschlussprüfung NEUORDNUNG

Fachinformatiker/-in - Anwendungsentwicklung Prüfungskatalog für die IHK-Abschlussprüfung NEUORDNUNG - U-Form Verlag Shop - Fachverlag für IHK Zwischenprüfung IHK Abschlußprüfung Prüfungsvorbereitung


Wie schon erwähnt kann ich die Umsetzungshilfen für den jeweiligen Ausbildungsberuf absolut empfehlen. Hier werden konkrete Inhalte und Themen benannt zu den allgemeinen Paragraphen der zu vermittelnden Inhalte. Außerdem enthalten sie noch viele Praxistipps für Ausbilder:innen in der IT.

BIBB-Umsetzungshilfen Fachinformatiker/Fachinformatikerin (Ausbildung gestalten)*

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Das passende Schulbuch zum ersten Teil der IT-Ausbildung. Hier werden die Inhalte des Rahmenlehrplans vermittelt (Achtung: das ist nicht der Ausbildungsrahmenplan!), also die Berufsschulinhalte. Viele Inhalte kann man aber 1-zu-1 auf die im Unternehmen zu vermittelnden Themen übertragen und sie sind auch sehr gut erklärt (ist ja auch ein Schulbuch).

IT-Berufe: Grundstufe Lernfelder 1-5: Schülerband*

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Zum obigen Lehrwerk passend gibt es noch ein Arbeitsbuch mit praktischen Aufgaben. Die Lösungen bekommt man nur als Ausbilder:in nach einer Registrierung direkt beim Westermann-Verlag.

IT-Berufe: Lernsituationen Grundstufe Lernfelder 1-5: Arbeitsbuch*

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Ein Übungsbuch zur Prüfungsvorbereitung, das viele der benötigten Themen abdeckt. Es ist eher ein Übungsbuch und weniger ein Lehrwerk, da hauptsächlich Aufgaben und ihre Lösungen enthalten sind, aber keine Herleitungen oder großartige Erklärungen. Solange es noch nicht viele „echte“ Prüfungen gibt, kann man damit aber erstmal gut arbeiten.

Prüfungsvorbereitung aktuell Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung: Einrichtung eines IT-gestützten Arbeitsplatzes*

Prüfungsvorbereitung aktuell Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung: Einrichtung eines IT-gestützten Arbeitsplatzes Alle IT-Berufe (Affiliate)*


Das gute alte IT-Handbuch ist meine Standardempfehlung als „Nachschlagewerk“. Kurz und knapp, aber immer korrekt und bezogen auf die Anforderungen der IHK-Prüfung. Hier sollen meine Azubis als erstes recherchieren, wenn sie sich in ein Thema einarbeiten, anstatt z.B. Internetquellen zu nutzen, deren Korrektheit sie oft (noch) nicht bewerten können.

IT-Handbuch: IT-Systemelektroniker/-in, Fachinformatiker/-in: Schülerband*

Heinrich Hübscher - IT-Handbuch: IT-Systemelektroniker/-in, Fachinformatiker/-in: Schülerband (Affiliate)*


Und zu guter Letzt gibt es natürlich noch meine absolute Leseempfehlung für alle IT-Azubis: das IT-Handbuch für Fachinformatiker:innen. Hier sind zwar nur die technischen Inhalte enthalten, aber einige Kapitel davon passen auch zu den obigen Prüfungsinhalten und lassen sich gut in die Prüfungsvorbereitung integrieren. Übrigens: Direkt beim Rheinwerk-Verlag* bekommst du das Buch immer versandkostenfrei und hast auch die Möglichkeit, ein Bundle mit dem passenden eBook für nur ein paar Euro mehr zu kaufen.

IT-Handbuch für Fachinformatiker*innen*

IT-Handbuch für Fachinformatiker*innen - Der Ausbildungsbegleiter von Sascha Kersken (Affiliate)*

Links

Portrait von Stefan Macke
Polyglot Clean Code Developer
Über den Autor
Ausbildungsleiter für Fachinformatiker Anwendungsentwicklung und Systemintegration, IHK-Prüfer und Hochschuldozent für Programmierung und Software-Engineering.

6 Kommentare zu “Prüfungsvorbereitung auf Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung der IT-Berufe – IT-Berufe-Podcast #168

  1. achiM K. sagt:

    Aloa,

    der Tipp, sich auf GA2 zu konzentrieren hat mir sehr weitergeholfen. Außerdem habe ich die Sachen weggelassen, die m.E. von einem Kaufmann für xy nicht unbedingt zu erwarten sind (Elektrotechnik, ISO-OSI, …).
    Ich kann nicht beurteilen, ob das nun Glück war, daß das auch nicht dran kam. Aber die Prüfung in der vergangenen Woche hat da ziemlich gut gepasst.

    Danke für diese umfangreichen Hilfestellungen und Grüße nach Oldenburg…

  2. Stefan Macke sagt:

    Hallo achiM, danke für das Feedback! Freut mich, dass ich helfen konnte! Ich drücke dir die Daumen für die Benotung! 😉

  3. Chris sagt:

    Gibt es denn in der Zwischenzeit mehr Information zum Format/Inhalt der AP Teil 1? Können Handlungsschritte auch wieder gestrichen werden? Irgendwie ist diese gesamte gestreckte Abschlussprüfung ein schwarzes Loch zu dem niemand etwas sagen kann/will.

    Vielen Dank deshalb auch an diese Stoffsammlung, das ist wenigstens ein guter Anhaltspunkt.

  4. Stefan Macke sagt:

    Hallo Chris, nächsten Montag erscheint meine neue Podcast-Episode mit Details zur ersten GAP Teil 1. Darin beantworte ich u.a. deine obigen Fragen.

  5. Michael sagt:

    Hallo Stefan, was ist mit 6c, d und e? Hat das eine Bedeutung das du diese nicht mit aufgeführt hast?

    Auch von mir ein großes Dankeschön…

  6. Stefan Macke sagt:

    Hallo Michael, das liegt daran, dass die Punkte nicht relevant für Teil 1 der Prüfung sind. Es werden nur die Teile abgefragt, die im Ausbildungsrahmenplan für die ersten 18 Monate der Ausbildung vorgesehen sind. Und 6c-e sind für den zweiten Teil der Ausbildung eingeplant.

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